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© ARD / Julia Metzner
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Federico Gambarini

Kritik an DFB-Präsident Keller wächst

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Kellers Nazi-Vergleich: Bayerischer Fußball-Verband "entsetzt"

Der Deutsche Fußball-Bund kommt nicht zur Ruhe. Präsident Fritz Keller soll Medienberichten zufolge seinen Vize Rainer Koch mit Nazi-Richter Freisler verglichen haben. Die Entrüstung wächst. Der Bayerische Fußball-Verband verurteilte die Entgleisung.

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  • BR24 Redaktion

Eine verbale Entgleisung von DFB-Präsident Fritz Keller hat im deutschen Fußball Entsetzen ausgelöst. Bei einer Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag soll er nach übereinstimmenden Medienberichten DFB-Vizepräsident Rainer Koch mit Nazi-Richter Roland Freisler verglichen haben.

Keller hat sich dafür mittlerweile entschuldigt. Koch möchte den Vorgang aber zunächst in einen persönlichen Gespräch mit Keller aufarbeiten.

Keller lehnt Rücktritt ab

Keller hofft auf eine zeitnahe Versöhnung mit seinem Vizepräsidenten und will weiter an seinem Amt festhalten. "Einen Rücktritt schließe ich aus", sagte der 64-Jährige. Er habe mit seiner Bemerkung Richtung Koch in der Präsidiumssitzung am Freitag "einen schwerwiegenden Fehler begangen", so Keller in einer vom DFB veröffentlichten Mitteilung.

Koch nimmt Entschuldigung nicht an

Koch äußerte sich bisher nicht zu dem Vorgang. Vom Bayerischen Fußball-Verband, dessen Präsident er ist, hieß es aber, dass er die schriftliche Entschuldigung des DFB-Präsidenten "bislang nicht angenommen" habe, "weil er den gesamten Vorgang mit zeitlichem Abstand zunächst in einem persönlichen Gespräch mit Fritz Keller aufarbeiten möchte". Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa haben die beiden inzwischen telefoniert - Koch bat Keller dabei, dass der DFB-Boss ihm die Entschuldigung schriftlich zukommen lasse.

Bayerischer Fußball-Verband: Grenze überschritten

Während sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Dachorganisation der 36 Proficlubs zunächst nicht zu den Vorgängen äußerte, verurteilte das Präsidium des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) die Entgleisung von Keller entschieden. Nach einer Videokonferenz des Präsidiums ohne Koch hieß es: "Die Mitglieder des BFV-Präsidiums sind entsetzt über die von Fritz Keller ausgelöste neuerliche Eskalation innerhalb des DFB und seiner Regional- sowie Landesverbände." Keller sei auch mit der Unterstützung aller Delegierten des Bayerischen Fußball-Verbandes beim vergangenen Bundestag als DFB-Präsident angetreten, um den Verband als Aufklärer und unbefangen in ruhigere Fahrwasser zu führen. "Mit einem derartigen Verhalten, das jedwede Grenzen überschreitet und nicht zu tolerieren ist, wird er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht".

Süddeutscher Fußball-Verband: Vergleich abwegig

Auch das Präsidium des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV) verurteilte die Wortwahl Kellers "mit Entsetzen und völligem Unverständnis". Gerade als langjähriger Richter am Oberlandesgericht München sei ist es völlig abwegig, Koch "auch nur ansatzweise in die Nähe des höchsten Repräsentanten der unsäglichen und menschenverachtenden Willkürjustiz des Dritten Reiches zu rücken", hieß es.

Der 1945 gestorbene Freisler war als Teilnehmer an der Wannseekonferenz einer der Verantwortlichen für die Organisation des Holocaust und später Präsident des berüchtigten Volksgerichtshofes, wo er etwa 2600 Todesurteile verhängte. Darunter auch gegen die Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

Sportausschuss-Vorsitzende: Nicht entschuldbar

Auch die langjährige Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, bezeichnete den Nazi-Vergleich von Keller als "nicht hinnehmbar". "Unabhängig davon, dass ich den Kontext nicht kenne, in dem die wohl unbestrittene Äußerung von DFB-Präsident Keller gefallen ist: Vergleiche mit einem der furchtbarsten Richter der Nazi-Zeit sind nicht entschuldbar", sagte die SPD-Politikerin.

Nach Informationen von "Welt.de" soll Kellers Vergleich als Reaktion auf einen Redebeitrag Kochs gefallen sein. Die "Bild"-Zeitung schreibt, Auslöser war ein Streit über die fristlose Kündigung von Kellers Büroleiter. Laut "Spiegel" hat Generalsekretär Friedrich Curtius den Vorgang am Sonntag bei der Ethikkommission des DFB angezeigt und zudem den Präsidialausschuss des Verbandes sowie die Vizepräsidenten der Amateure informiert.

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