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Fritz Keller

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Keller tritt als DFB-Präsident zurück - und nach

Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, ist zurückgetreten. Er übernehme "persönlich Verantwortung" für seine Nazi-Äußerung in Richtung von Vizepräsident Rainer Koch. Gleichzeitig teilte Keller aber auch gegen seine Widersacher aus.

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Fritz Keller, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Keller stand seit Wochen in der Kritik. Seit dem vergangenen Freitag verhandelt das DFB-Sportgericht eine umstrittene "Nazi-Aussage" Kellers. Eine Entscheidung war für Mitte der Woche angekündigt. Mit seinem freiwilligen Rückzug kommt Keller dem Sportgericht nun zuvor.

Der 64-Jährige hatte seinen Vize-Präsidenten Rainer Koch, gleichzeitig Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), bei einer Präsidiumssitzung Ende April als "Freisler" bezeichnet und mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus, verglichen. Daraufhin hatte die DFB-Ethikkommission Ermittlungen aufgenommen und den Fall vor das Sportgericht gebracht.

"Wie angekündigt, stelle ich mein Amt als Präsident für einen tiefgreifenden und notwendigen Neuanfang im Sinne des Deutschen Fußball-Bundes zur Verfügung. Ich übernehme damit persönlich Verantwortung für meine Entgleisung in der Präsidiumssitzung vom 23. April 2021, die trauriger Tiefpunkt der desolaten Führungssituation des DFB bleiben soll." Fritz Keller in einer persönlichen Erklärung zum Rücktritt auf der DFB-Homepage
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Nach dem Rücktritt von Präsident Fritz Keller ist nun die Gelegenheit für einen Neustart beim DFB gegeben. BR-Experte Bernd Schmelzer glaubt, der Verband brauche nichts anderes als eine "Tabula rasa".

In einigen Passagen wirkt Kellers ausführliche Erklärung zum Rücktritt, die der DFB auf seiner Homepage veröffentlicht hat, allerdings wie ein "Nachtreten" gegen den Verband.

Als Keller im Herbst 2019 angetreten war, sei der Verband "ein Sanierungsfall" gewesen. Ihm selbst sei es nicht gelungen, "innerhalb der Gremien des DFB eine vertrauensvolle, verlässliche und kollegiale Zusammenarbeit zu erreichen."

Denn er musste "feststellen, dass es viel zu häufig um eigene Befindlichkeiten, interne Machtkämpfe, um die Sicherung von Vorteilen sowie um das "Arbeiten" am eigenen Bild in der Öffentlichkeit ging."

"Mein Fehlverhalten erfolgte in einem für den DFB beschämenden Umfeld, mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB und des Fußballsports allerdings nicht lösen ... Dass in den vergangenen Tagen eine breite Diskussion über notwendige Veränderungen im DFB angestoßen worden ist, macht mir jetzt Hoffnung." Fritz Keller in seiner Rücktritts-Erklärung

Auch Koch und Curtius hören auf

Keller hatte seinen Rücktritt in der vergangenen Woche bereits angekündigt. Auch Generalsekretär Friedrich Curtius soll den DFB verlassen.

Interimsmäßig sollen die beiden Vizepräsidenten Koch und Peter Peters den Verband bis zu einem außerordentliche Bundestag, der auf Anfang 2022 vorgezogen wird, leiten. Dann will Koch nicht mehr als Vize kandidieren, genauso wie Schatzmeister Stephan Osnabrügge.

Kritik am geplanten DFB-Neuanfang

Nach den Ankündigungen gab es reichlich Kritik am DFB-Vorgehen. Dagmar Freitag, die Sportausschuss-Vorsitzende im Deutschen Bundestag, und Sylvia Schenk, ehemaliges Vorstandsmitglied und Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International, hatten im Exklusiv-Interview mit BR24 Sport die Situation im Verband und den Zeitplan zur Neuausrichtung kritisiert.

Die Situation im DFB nannten sie "Desaster" und "Trauerspiel". Schenk forderte, dass man spätestens im Herbst mit dem Neuanfang beginnen sollte und nicht bis 2022 warten.