BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Kehren mit den Fans die Beleidigungen in die Stadien zurück? | BR24

© imago images/Jan Huebner

Hamburgs Toni Leistner (weißes Trikot) und ein Fan nach dem Pokalspiel in Dresden

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Kehren mit den Fans die Beleidigungen in die Stadien zurück?

Ein Spieler wird im DFB-Pokal handgreiflich, weil er von einem Fan beleidigt wird. Kommen mit den Zuschauern auch die dunklen Seiten des Fußballs in die Stadien zurück? Der Fall Hoffenheim und Dietmar Hopp liegt gerade mal ein halbes Jahr zurück.

1
Per Mail sharen

HSV-Profi Toni Leistner hat sich noch am Abend entschuldigt. Nach dem DFB-Pokalspiel bei Dynamo Dresden seien ihm "die Sicherungen durchgebrannt", er ging auf einen Fan los und schubste ihn zu Boden. Zuvor hatte sich der gebürtige Dresdner nach eigener Aussage, es ging "extrem unter die Gürtellinie gegen meine Familie, meine Frau und meine Tochter."

Hopp-Schmähungen liegen nur rund ein halbes Jahr zurück

Der Fußball in Deutschland hat sein bundesweit erstes Wochenende mit - mal mehr, mal weniger - Fans in den Stadien weitgehend pannenfrei hinter sich gebracht. Bis zum Montagabend. Es wäre vermessen, wegen eines Einzelfalls wie im Pokalspiel Dresden-Hamburg gleich wieder aufs Fan-Kollektiv zu schimpfen.

Doch der Wiedereinstieg nach der bisher zuschauerfreien Coronaphase zeigt: Rund ein halbes Jahr nach den Schmähungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und den darauf folgenden Ermittlungen und Forderungen der Politik hat sich - auch durch die Coronapause - wenig getan.

Bayern in Hoffenheim - ein denkwürdiger Fußballabend

Rückblick: Am 29. Februar ist der FC Bayern in der Bundesliga zu Gast in Hoffenheim. München führte nach 68 Minuten 6:0, dann rollten Zuschauer im Bayernblock erstmals ein Schmähplakat gegen Hoffenheim-Gönner Dietmar Hopp aus. Zwei Mal wurde die Partie unterbrochen, einmal kam das zwischenzeitlich verschwundene Plakat erneut zum Vorschein. In der Schlussphase schoben sich beide Teams auf dem Spielfeld den Ball nur noch hin und her, um die Partie über die Zeit zu bringen.

Rummenigge: "Haben zu lange die Augen zugemacht"

Auch jenseits des Platzes solidarisierte sich Fußball-Deutschland mit Hoffenheim. Der DFB-Kontrollausschuss und die Polizei Mannheim nahmen Ermittlungen auf. "Wir haben viel zu lange die Augen zugemacht, was in den Kurven passiert. Das ist das hässliche Gesicht des Fußballs", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals: "Spätestens heute ist der Moment gekommen, wo die gesamte Bundesliga gegen diese Chaoten vorgehen muss. Wir müssen alle zusammenstehen." Dass Fass schien übergelaufen.

Auch Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann schaltete sich in die Diskussion ein. "Ich hätte mir gewünscht, dass man von Seiten des DFB (Deutscher Fußball-Bund, Anm.d.Red.) und DFL (Deutsche Fußball-Liga) schon früher so konsequent reagiert hätte", sagte Herrmann, denn: "Es gab ja zuletzt wiederholt auch rassistische Äußerungen in manchen Stadien."

© BR

Rückblick März 2020: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sieht den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga beim Thema Fanverhalten in der Verantwortung. Er hätte sich ein früheres Einschreiten erwünscht.

Dann kam Corona - und so schnell das Virus die Fans erst einmal aus den Stadien entfernte, so schnell schien die Diskussion nach dem Hoffenheim-Skandal abzuebben. DFB-Präsident Fritz Keller nutzte die Phase zwar, um einen Fünf-Punkte-Zukunftsplan vorzustellen, der unter anderem auch einen "breiten Dialog mit allen Interessensgruppen auf Augenhöhe", also auch mit Fans, vorsieht.

Doch Kellers Ideen sind nun einmal erst ein Plan für die Zukunft, der erst noch umgesetzt werden muss. Auch die Fans waren nicht ganz untätig. Erst im August überreichte beispielsweise die Fan-Initiative "Unser Fußball" einen Forderungskatalog für eine Reform des Fußballs: "Nachhaltig, basisnah und zeitgemäß", soll der Fußball in Zukunft sein.

Die Grenze ist "dort, wo man beleidigt"

Die Fan-Szene, in der Öffentlichkeit werden oft vor allem die "Ultras" wahrgenommen, stört sich an der ausufernden Kommerzialisierung des Sports. Deshalb war Hoffenheim-Mäzen Hopp schon länger ein Dorn im Auge der Anhänger.

Doch sobald es beleidigend wird, ist auch bei den meisten Fans eine Grenze überschritten. Die Grenze sei "dort, wo man im Endeffekt beleidigt, Gewalt ausübt, oder sich rassistisch zeigt", schimpfte beispielsweise Anton Wald vom Fanklub FC Bayern Mackems. Sein Fanklub-Kollege Florian Wald sagte klipp und klar: "Eigentlich haben solche Leute im Stadion nichts verloren".

DFB ermittelt - allerdings gegen den Spieler

Jetzt also der Neustart mit Zuschauern in den Stadien und prompt gibt es wieder einen Tiefpunkt, auch wenn es wohl "nur" ein einzelner Fan war und keine Fan-Vereinigung. Dynamo Dresden hat angekündigt, den Fan ausfindig machen zu wollen, "weil wir diesen Vorfall so nicht stehen lassen wollen."

Der Deutsche Fußball-Bund hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dieses richten sich allerdings gegen HSV-Profi Leistner.