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Kalte Pyros: Die Chance im großen Fankonflikt? | BR24

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© dpa-Bildfunk/Monika Skolimowska

Pyrofackeln im Fanblock

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Kalte Pyros: Die Chance im großen Fankonflikt?

Fast jede Woche zünden die Fans in der Bundesliga bengalische Fackeln. Das ist brandgefährlich und verboten, aber in der Fanszene sehr beliebt. Seit Jahren streiten DFB und Fans über das Thema. Kann "kalte Pyrotechnik" den Konflikt lösen?

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Das strikte "Nein" von DFB und DFL zur Pyrotechnik in den Kurven sorgt seit Jahren für eine Konfrontation zwischen den Ultragruppierungen unter den Fans und den Verbänden. Die Verbrennungsgefahr, die von den bis zu 2.000 Grad heißen Leuchtfackeln in einem eng besetzten Stadion ausgehen, ist immens, dazu fabrizieren sie giftigen Rauch. Andererseits sorgen die bunten Feuer auch für stimmungsvolle Choreografien - möglichst in den Vereinsfarben.

230 Grad statt 2.000 Grad

Seit Jahren herrscht bei diesem Thema Uneinigkeit - die Ultras sind für Pyros, die Verbänden lehnen sie ab. Die Folge: Funkstille, ohne dass die Pyros aus den Stadien verbannt werden konnten. Dieses Problem kennt man auch in Dänemark und testet jetzt "kalte Pyrofackeln". Der dänische Pyrotechniker Tommy Cordsen hat jahrelang daran getüftelt. Nach seinen Angaben bietet die Neuentwicklung gleich mehrere Vorteile. "Kalte Pyrofackeln" sind zwar nicht wirklich kalt, aber mit etwa 230 Grad deutlich ungefährlicher als die "normalen", die auf etwa 2.000 Grad kommen. Zum Vergleich: Eine normale Tischkerze wird bis zu 1.000 Grad heiß.

Weniger heiß, trotzdem nicht ungefährlich

Dazu gibt es so gut wie keine Rauchentwicklung und die Bengalos können - anders als die heißen Fackeln - mit Wasser gelöscht werden. Ungefährlich ist aber auch die "kalte Pyrotechnik" nicht. Sie ist als Kompromiss gedacht, um die besonders gefährlichen Produkte aus den Stadien zu bekommen. Der bundesweit anerkannte Fanforscher Jonas Gabler sieht Potenzial in der neuen Technik:

"Es ist jetzt die Chance, nicht willkürlich eine Kursänderung zu machen. Sondern es gibt eine technologische Neuerung und man könnte das zum Anlass nehmen, die eigene Position zu überdenken." Jonas Gabler, Fanforscher

In Dänemark wird die neu entwickelte Fackel Anfang Dezember bei einem Erstligaspiel getestet. Nach Informationen der ARD-Radio-Recherche Sport plant die schwedische Liga ebenfalls einen großen Probelauf.

© ARD Radio Recherche Sport

Sven Langner vom Fanladen St. Pauli

Die Fanbeauftragten von Werder Bremen, Schalke, Mainz und des FC St. Pauli haben sich bei einem Treffen in Stockholm über die "kalte Pyrotechnik" informiert. Sven Langner vom Fanladen St. Pauli kann sich auch eine Zukunft der neuen Fackel in deutschen Stadien vorstellen: "Alle waren sehr positiv überrascht und durchaus auch zuversichtlich, dass das vielleicht was für die Zukunft sein kann."

Im nächsten Schritt müsse man sich in Deutschland mit den Verbänden zusammensetzen und die Sicherheitsbehörden frühzeitig mit einbeziehen: "Auch die Vereine und die Fans, um dann gemeinsam zu gucken, welche Wege wir finden können." Die Sicherheitsbehörden der Länder haben allerdings bislang wenig Informationen dazu.

"Ich glaube, sie kann mittelfristig auf jeden Fall zu einem Kurvenbild und einer bunten Fankultur beitragen. Und vor allem den Konfliktherd Pyrotechnik im Stadion bestenfalls auflösen." Sven Langner Fanladen St. Pauli

Beim DFB ist man weniger euphorisch und will zum Thema "kalte Pyros" aktuell keine Stellung beziehen. In einer Mail heißt es: "Der DFB hat seine Position zum Thema Pyrotechnik bereits mehrfach dargestellt, wir bitten daher um Verständnis, dass wir uns aktuell dazu nicht äußern". Vizepräsident Rainer Koch sagt zuletzt aber auch: "Wichtig ist festzuhalten, dass wir (DFB und DFL) zu jeder Zeit bereit sind, diese Gespräche fortzusetzen."