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Kahn startet Bayern-Job mitten in einer Torhüter-Debatte | BR24

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Die FC-Bayern-Spieler Manuel Neuer und Johsua Kimmich über das neue Vorstandsmitglied Oliver Kahn. Kahn wird im Trainingslager in Katar erstmals die Mannschaft besuchen.

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Kahn startet Bayern-Job mitten in einer Torhüter-Debatte

Der FC Bayern stellt heute in München Vorstands-Neuzugang Oliver Kahn vor, danach geht's zum Trainingslager des Teams nach Katar. Dort ist er gleich als Mediator gefordert: Wie verarbeiten die vier Torhüter die Alexander-Nübel-Verpflichtung?

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Große Bühne für Oliver Kahn: Im Presseclub der Münchner Fußball-Arena, da wo er im September 2008 seinen Abschied vom Fußball feierte, geht der 50-Jährige die ersten Schritte in sein zukünftiges Leben. Seit dem 1. Januar gehört er dem Vorstand des FC Bayern München an. Ende 2021 soll er Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandschef ablösen.

Doch Kahn, dem eigentlich eine fast zweijährige Einarbeitungszeit in das komplexe Konstrukt beim Rekordmeister gewährt werden soll, könnte viel früher gefordert sein als gedacht. Nach seiner Vorstellung in München geht's gleich weiter nach Katar, wo der Klub derzeit im Trainingslager ist. Kahn will die Zeit nutzen, um Gespräche zu führen und die Mannschaft kennenzulernen.

Viel Zeit wird der einstige Weltklassetorhüter vermutlich mit seinen Nachfolgern verbringen. Gleich vier Torhüter hat der FC Bayern München in Katar dabei. Und das Quartett Manuel Neuer, Sven Ulreich, Christian Früchtl, Ron-Thorben Hoffmann wurde bei der Anreise von der Meldung überrascht, dass U21-Nationaltorwart Alexander Nübel von Schalke 04 nach München wechselt. Die Torhüter-Hierarchie beim FC Bayern gerät ins Wanken. Ist Kahn gleich bei seinem ersten Treffen mit dem Team als Mediator gefordert?

Manuel Neuer: Erste Kampfansage an Alexander Nübel

Stammtorwart Manuel Neuer schickte in der Pressekonferenz in Katar am Montag (06.01.20) sicherheitshalber schon einmal eine dezente Kampfansage Richtung FC-Bayern-Bosse. "Ich bin Sportler, ich bin Profi - und ich will immer spielen. Ich bin kein Statist, sondern Protagonist", sagte die aktuelle Nummer eins. Und auch die übrigen drei Torhüter dürften sich derzeit - nach der Nübel-Verpflichtung - intensiv Gedanken über ihre Zukunft machen.

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FC-Bayern-Torwart Manuel Neuer im Trainingslager in Katar über seinen potentiellen Nachfolger Alexander Nübel von Schalke 04.

Sven Ulreich: Bleibt der Neuer-Stellvertreter auch als Nummer drei?

Neuers Stellvertreter Sven Ulreich hat noch einen bis 2021 laufenden Vertrag. Selten hatten die Münchner einen zweiten Torhüter, der so anstandslos seine Bankrolle wahrnahm und gleichzeitig so überragend spielte, als er gebraucht wurde. Insgesamt 68 Mal vertrat er Neuer. Vor allem, als Neuer verletzungsbedingt ausfiel, hielt Ulreich phasenweise so stark, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw sogar zwei Mal für die Nationalmannschaft nominierte.

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Sven Ulreich

Ob Ulreich auch als Nummer drei beim Rekordmeister bleiben würde? Die Nübel-Verpflichtung kommentierte Ulreich nur knapp. Es ergebe sich "eine neue Situation", er müsse "erstmal schauen", wie er sich entscheide, sagte Ulreich dem Kicker. Ulreichs Spielzeit bei den Profis dürfte als Nummer drei gegen null gehen.

Christian Früchtl: Vergrault der FC Bayern das nächste Top-Talent?

Als Christian Früchtl 2014 von der Spielvereinigung Deggendorf zum FC Bayern München kam, wurde er schnell mit dem Prädikat "Mini-Neuer" versehen. Der 1,93 Meter große 19-Jährige gilt als eines der größten Torhütertalente Deutschlands. Früchtl durchlief alle deutschen Jugend-Nationalmannschaften seit der U15, im vergangenen September debütierte er in der deutschen U20. Beim FC Bayern ist er Stammtorwart der zweiten Mannschaft seit dem Aufstieg in die dritte Liga.

Für den FC Bayern musste Früchtl schon auf prestigeträchtige Nationalmannschafts-Einsätze verzichten: Die U17-WM 2017 in Indien verpasste er. Weil Manuel Neuer verletzt war, saß Früchtl bei den Bayern-Profis als zweiter Mann auf der Bank.

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Christian Früchtl

Erst im November 2019 verlängerte Früchtl seinen Vertrag beim Rekordmeister bis 2022. "Christian ist ein echter Bayer und hier im Verein groß geworden. Wir sind froh, dass wir ihn haben. Er hat sich kontinuierlich weiterentwickelt - das wollen wir gemeinsam fortsetzen", sagte Sportdirekto Hasan Salihamidzic bei der Vertragsunterzeichnung. Worte, die Früchtl nach der Nübel-Verpflichtung wohl mit einer gewissen Distanz betrachtet.

Früchtls Berater hatte schon damals eine Verleihe in Betracht gezogen, damit das Torwarttalent mehr Spielpraxis auf höherem Niveau als in der dritten Liga sammeln kann. Gut möglich, dass aus diesen Leih-Überlegungen nun Gedanken werden, die Bayern komplett zu verlassen.

Ron-Thorben Hoffmann: Endstation dritte Liga?

Auch der 20-jährige Rostocker Ron-Thorben Hoffmann wurde seit seinem Wechsel zum FC Bayern München 2015 immer wieder mit dem Prädikat "Juwel" versehen. Seit 2018 ist er mit einem Profivertrag ausgestattet, der noch bis 2021 läuft. Auch bei ihm war Salihamidizic bei der Vertragsunterzeichnung voll des Lobes: "Wir freuen uns sehr, mit Thorben ein weiteres Talent für uns gewonnen zu haben. Er bringt hervorragende Voraussetzungen mit. Sowohl in der Strafraumbeherrschung als auch auf der Linie hat er sein Können mehrfach auf Top-Niveau unter Beweis gestellt."

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Ron-Thorben Hoffman

Derzeit muss er sich hinter Früchtl einreihen. Torwart Nummer vier beim FC Bayern - Hoffmann ist derzeit sicherlich in der unglücklichsten Situation aller Keeper und hat die wenigste Spielzeit. Sollte zur neuen Saison die große Torhüter-Rochade beim FC Bayern beginnen und Ulreich und Früchtl den Klub tatsächlich verlassen, hätte Hoffmann zumindest beste Chancen auf den Stammplatz im Drittligator. Aber ob er sich mit dieser Perspektive abfinden wird? Wie Früchtl hat auch Hoffmann das Potential, deutlich höherklassig zu spielen.

Kahn kennt die Situation als Nummer zwei

Der frühere Weltklasse-Torhüter Oliver Kahn ist also zu Beginn seiner Zeit in der Vorstandsetage des FC Bayern gleich bei seinen Nachfolgern gefordert. Er kennt die Situation, wenn man plötzlich keine Chance mehr auf den Stammplatz hat: In der Nationalmannschaft musste er ausgerechnet vor der Heim-WM 2006 den Platz zwischen den deutschen Pfosten für Jens Lehmann räumen, Kahn nahm an der WM nur als Nummer zwei teil.

"Er wird beim Training zuschauen. Wir werden viele Gespräche führen", kündigte Salihamidzic den Kahn-Besuch in Katar an. Viele Gespräche werden sich wohl auch um die Zukunft der Torhüter beim FC Bayern drehen.