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Schwimmunterricht
© BR/Ulrike Nikola

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Ulrike Nikola
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Schwimmunterricht

Schwimmen ist auch für Kinder mit Handicap lebensrettend, außerdem macht es ihnen Spaß, und die Bewegung im Wasser ist gut für ihre Fitness. Jedes Kind hat unterschiedliche Bedürfnisse. Darauf geht Schwimmlehrer Alexander Gallitz ganz individuell ein, je nachdem ob er mit einem Autisten übt oder mit Kindern mit einer körperlichen Einschränkung. In kleinen Gruppen mit maximal drei Teilnehmern nimmt er ihnen die Angst vor dem Wasser und bringt ihnen spielerisch bei, unter Wasser auszuatmen, zu tauchen und zu schwimmen.

Jonas, Marcel und Miguel reiten auf der Schwimmnudel, denn es ist ihr Seepferdchen, das auf eine andere Weide schwimmen will. Sie ahmen die Rufe des Seeadlers nach und blubbern wie Krokodile unter Wasser. Miguel taucht begeistert unter. Das wäre anfangs für den entwicklungsverzögerten Jungen undenkbar gewesen. Doch über die Zuwendung und viel Körperkontakt vertraut er seinem Schwimmlehrer voll und ganz:

"Kinder mit einer Behinderung brauchen eine ganz besondere Aufmerksamkeit, weil sie sehr individuell sind. Während der eine große Angst vor Wasser hat, springt der andere sofort hinein. Über die Stiftung 'Deutschland schwimmt' gibt es daher ausschließlich Kurse für maximal drei Kinder pro Schwimmlehrer." Alexander Gallitz, Stiftung "Deutschland schwimmt"

Schulung auch für Schwimmlehrer

Nicht nur Jonas, Marcel und Miguel lernen, sondern auch die Schwimmlehrerin Katharina Roth. Sie lässt sich über die Stiftung "Deutschland schwimmt" von Alexander Gallitz schulen für den Schwimmunterricht für Kinder mit einer Behinderung: "Ich finde, dass die Kinder auch wenn sie etwas eingeschränkt sind, die Chance haben müssen, sicher im Wasser zu sein und schwimmen zu lernen. In herkömmlichen Vereinen wird das nicht angeboten und deshalb finde ich es gut, dass es die Stiftung 'Deutschland schwimmt' gibt."

Kaum Schwimmkurse für Kinder mit Handicap

Helga Päge, die Oma von Marcel, hatte vergeblich nach einem Schwimmkurs für Kinder mit Handicap gesucht, nachdem er auf einem Ausflug einmal fast in einem Bach ertrunken wäre. Doch sie bekam von Vereinen und Schwimmschulen nur Absagen mit der Begründung, dass sie dafür keine Kapazität hätten. Im Elternbeirat der Lebenshilfe Schönberg berichteten die Eltern von ähnlichen Erfahrungen und so entstand die Idee gemeinsam mit Alexander Gallitz, dem Präsidenten des deutschen Schwimmlehrerverbandes, die Stiftung "Deutschland schwimmt" vor zwei Jahren zu gründen.

"Wir wollen hundert Schwimmlehrer und -lehrerinnen so ausbilden, dass sie genau wissen: Wie arbeite ich mit einem Kind mit geistiger Behinderung, mit einer körperlichen Behinderung oder einem Autisten? Die Ausbildung soll gemäß einem pädagogischen Konzept an zwei Wochenenden absolviert werden. Das ist deutschlandweit einmalig." Alexander Gallitz, Stiftung "Deutschland schwimmt"

Viele Schwimmlehrer und -lehrerinnen haben Berührungsängste und sind im Umgang mit Kindern mit Behinderung unsicher. Das soll sich durch die Stiftung "Deutschland schwimmt" ändern. Nach einem ersten Kurs folgen im November 2018 und April 2019 weitere. Der Bezirk Mittelfranken zeichnet die Stiftung mit einem 5.000 Euro dotierten Inklusionspreis aus. Das Geld soll in die Ausbildung fließen. An dem pädagogischen Konzept arbeitet unter anderem eine Doktorandin der Sporthochschule Köln.