Bayern Fans protestieren mit Plakaten

Bayern Fans protestieren mit Plakaten

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    Immer mehr Fans appellieren an die Moral ihrer Klubs

    Immer mehr Fans appellieren an die Moral ihrer Klubs

    Problematische Sponsoringdeals, Testspiele oder Trainingslager - die Fans zahlreicher Vereine hinterfragen und kritisieren Sponsoren sowie Verbindungen ihres Vereins zu Ländern wie Katar oder Saudi-Arabien. Ein Trend, der den Sport verändern kann.

    Fußballfans fordern ein Umdenken, was die Verbindung oder Interaktion ihrer Lieblingsvereine mit Sponsoren oder Klubs aus Ländern angeht, die ihrer Meinung nicht die hiesigen Mindestanforderungen an Moral oder Demokratie erfüllen. Entsprechende Forderungen sind immer häufiger zu hören und werden immer lauter. Auch in Bayern.

    Bei allem, was die Klubs tun, sollte es um den Sport gehen, aber auch um sportliche Werte, finden die Anhänger. Nicht jeder lukrative Werbedeal müsse um jeden Preis eingegangen, nicht jedes Testspiel verabredet werden, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen.

    Alte Klischees über den Haufen geworfen

    Die Fans hinterfragen und kritisieren ihre Vereine zunehmend. Den Bier trinkenden, Bratwurst essenden Kuttenträger, der nicht über den Tellerrand hinausschaut und nur den Erfolg seines Herzensklubs sieht, den gibt es so nicht mehr. Das Klischee hat ausgedient.

    Vielmehr haben sich die Fans einen moralischen Kompass zugelegt, den sie bei ihren Klubs vermissen. So beklagen die FCA-Fans beispielsweise die “Gleichgültigkeit”, mit der der Verein Testspiel-Gegner auswählt. Bayern-Fan-Vertreter Michael Ott findet, dass die Bayern mit der Katar-Werbung von den menschenrechtlichen Problemen in dem Land ablenken würden.

    Kritik beim FC Bayern, bei Augsburg und den Löwen

    Schon 2017 haben kritische Bayern-Anhänger sich einen Runden Tisch mit dem Verein gewünscht, um das Katar-Sponsoring zu thematisieren - fünf Jahre später hat es geklappt, am Montag (4.7.2022) lud der FC Bayern an den Diskussionstisch. Der Verein schenkte seinen Fans zwar Gehör. Ein Ende der Partnerschaft mit Qatar Airways ist zumindest Stand heute weiterhin nicht in Sicht.

    Es sind aber längst nicht mehr nur die Bayern-Fans, die ihren Klub für Verbindungen nach Katar oder Saudi-Arabien kritisieren, auch die Augsburg-Anhänger protestieren aktuell gegen ein geplantes Testspiel gegen einen Klub aus Doha und bei den Löwen hagelt es ebenfalls Kritik für das anstehende Freundschaftsspiel gegen Newcastle United.

    Uneinigkeit bei 1860 München

    Bei 1860 München ist die Situation noch mal anders als bei den Bayern, denn hier sind sich nicht mal die Klubverantwortlichen einig. Am 15. Juli steht ein Testspiel der Löwen gegen Newcastle United an. Die Engländer sind größtenteils durch saudi-arabische Staatsfonds finanziert. Das ist vielen Löwen-Anhängern, aber auch dem Präsidenten Robert Reisinger, ein Dorn im Auge.

    “Gegen Newcastle spielt man nicht freiwillig (...) In Saudi-Arabien werden Menschenrechte und die Rechte der Frauen mit Füßen getreten und Homosexuelle für ihre Sexualität bestraft. Ich werde niemanden an den Pranger stellen, aber dieser Test hätte nicht vereinbart werden dürfen.“ 1860-Präsident Robert Reisinger in einem Bild-Interview

    1860-Trainer Michael Köllner und Sportchef Günther Gorenzel sehen das anders. Gorenzel erklärte im Interview mit dem Webportal "FuPa": "Es wird immer Sichtweisen von dieser und von jener Seite geben. Alle haben ihre Berechtigung, aber Michael (Köllner) und mich interessiert genau eines: Dass wir es geschafft haben, sportlich einen Gegner von sehr hohem Niveau bekommen zu haben."

    Wie viel Einfluss haben die Fans wirklich?

    Bisher haben die Fans weder das Sponsoring noch die geplanten Testspiele beeinflussen können. Aber die Erfahrungen mit der im vergangen Jahr geplanten "Super League" haben gezeigt, dass Fußballfans durchaus Macht haben, dass sie ihre Klubs auch unter Druck setzen können.

    Die Proteste gegen die Pläne der zwölf europäischen Topklubs, ihre eigene Super League zu gründen, waren so stark, dass sich am Ende neun von zwölf Teams lieber wieder aus dem Projekt zurückzogen. Es scheint also durchaus möglich, dass die Vereins-Anhänger ihre Klubs tatsächlich in eine moralisch unbedenkliche Zukunft führen könnten - ohne Sponsoren wie Qatar Airways oder den saudi-arabischen Staatsfond.

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