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Bei einem No-deal Brexit wir für Spieler aus der EU "dann der Zugang zum englischen Markt schwieriger", sagt Gregor Reiter.
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Bei einem No-deal Brexit wir für Spieler aus der EU "dann der Zugang zum englischen Markt schwieriger", sagt Gregor Reiter.

Die Ungewissheit wächst, die Sportszene ist gespalten: Nach dem Nein zum Brexit-Deal durch das britische Parlament bleibt die Lage im britischen Sport angespannt. Mit der Aussicht auf einen ungeregelten EU-Austritt wachsen vor allem die Sorgen der Fußball-Klubs, weiterhin die besten Spieler auf die Insel locken zu können.

"Brexit ist keine Lösung. Die EU mag nicht perfekt sein und wird nie perfekt sein. Aber es ist die beste Idee, die wir bisher hatten", hatte Liverpools deutscher Teammanager Jürgen Klopp vor einiger Zeit gesagt. Und Englands Fußball-Ikone Gary Lineker twitterte am Mittwoch, dass "die EU zwar nicht perfekt ist, aber sowohl für Europa als auch für das Vereinigte Königreich eine Menge außerordentlich guter Dinge leistet."

"Zur Hölle mit dem Rest der Welt"

Ganz anderer Meinung ist da Neil Warnock. "Ich kann es nicht erwarten rauszukommen. Wenn ich ehrlich bin, sind wir wesentlich besser dran ohne das verdammte Ding", tönte der Teammanager des Premier-League-Klubs Cardiff City kurz vor der Abstimmung und kann offenbar gut auf ausländische Stars verzichten: "In jederlei Hinsicht zur Hölle mit dem Rest der Welt, auch im Fußball."

Doch das bereitet vielen Verantwortlichen im englischen Fußball Sorgen. Die Ausländer-Regel könnte in Zukunft zum großen Nachteil werden. Im Moment dürfen englische Klubs gemäß EU-Recht beliebig viele EU-Ausländer in ihren Reihen haben. Durch den Austritt gelten EU-Fußballer als Ausländer.

"Die englischen Vereine werden viel genauer überlegen müssen, wen sie verpflichten, vor allem wenn die Frage von Arbeitserlaubnissen aufkommt", sagte Professor Simon Chadwick von der Universität Salford in Manchester der Bild. Im Falle eines ungeregelten Brexits müssten EU-Bürger in Großbritannien eine Arbeitserlaubnis beantragen, würden aber das Nachsehen haben, sobald einheimische Spieler ebenfalls Ansprüche auf den Platz erheben.

Experte: "Deutschland ist der nächste Markt"

Gregor Reiter, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der deutschen Spielervermittler-Vereinigung DFVV, sieht deshalb die Bundesliga als Profiteur. Gute junge Spieler, die auf einen Wechsel in die Premier League gehofft hatten, müssten sich in Zukunft für eine andere Liga entscheiden. "Da ist der nächste Markt, den sich alle angucken werden, weil er der wirtschaftlich stärkste nach der Premier League ist, der deutsche", so Reiter.

Sol Campbell hätte keine Einwände. Der Ex-Nationalspieler sah schon 2016 für die Premier League die Gefahr von "zu vielen Teams mit mittelmäßigen Fußballern aus Übersee und Europa". Campbell forderte einen Einreisestopp für ausländische Talente, damit sich der englische Fußball wieder auf seinen Nachwuchs besinnen könnte und "sich die Besten der Besten erziehen kann".

Sebastian Vettel (Ferrari/l.) und Lewis Hamilton (Mercedes)

Sebastian Vettel (Ferrari/l.) und Lewis Hamilton (Mercedes)

Formel-1-Teams bangen um Standort Großbritannien

Auch im Formel-1-Zirkus sorgt die politische Schlacht um den Brexit schon seit Monaten für Unsicherheit. Ferrari könnte nach der Scheidung als Gewinner dastehen. Die Scuderia hofft darauf, dass viele der umworbenen Arbeitskräfte am Firmensitz in Maranello anklopfen würden, falls sie als EU-Bürger durch den ungeregelten Brexit nicht mehr in Großbritannien arbeiten und wohnen könnten.

Sieben von zehn Teams haben ihre wichtigsten Fabriken auf der Insel. Doch die Formel-1-Teams zittern nicht nur um die Zukunft ihrer Belegschaft. Es geht auch ums Material und um die neuen Zölle, die erhoben werden könnten. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sah schon vor Wochen keine "sehr angenehme Entwicklung" und verriet, dass sein Rennstall bereits Schritte unternommen habe, damit Waren wie Frontflügel oder Motorenteile "nicht an der Grenze steckenbleiben". Man wird sehen, ob die Vorkehrungen des Rennstallchefs ausreichen.