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Hansi Flick sagte zu seinem Abschied: "Ich bin dem Verein dankbar, dass es für mich die Gelegenheit gab, diese Mannschaft zu trainieren. Aber die Entscheidung, die ich getroffen habe, habe ich nach reiflicher Überlegung getroffen."

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Hansi Flick - sein schleichender Abschied als Bayern-Coach

Bayern-Trainer Hansi Flick hat den Rekordmeister um die Auflösung seines Vertrages zum Saisonende gebeten. Doch wie konnte es dazu kommen? Die Chronologie eines schleichenden, aber nicht mehr überraschenden Abschieds.

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Von
  • Wolfram Porr

BR-Reporter und FC-Bayern-Experte Christoph Nahr hatte es nach dem Champions-League-Aus des FC Bayern in Paris schon angedeutet: "Wenn man alles zusammenzählt, was in den letzten Tagen und Wochen so passiert ist, würde ich dringend davon ausgehen, dass sich Hansi Flick schon innerlich vom FCB verabschiedet hat."

Vor wenigen Monaten noch gefeierter Erfolgstrainer

Doch wie konnte es dazu kommen? Vor wenigen Monaten galt Flick nach dem Gewinn des sechsten Titels innerhalb eines Jahres noch als idealer Bayern-Trainer - einer wie Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld. Alle im Verein würdigten den 56-Jährigen und verneigten sich vor seiner Leistung. Als Joachim Löw seinen Rückzug als Bundestrainer nach der Europameisterschaft im Sommer verkündete und Flick sofort als Nachfolgekandidat gehandelt wurde, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sogar, er müsse "ja verrückt sein", wenn er Flick vorzeitig aus seinem bis 2023 laufenden Vertrag entlassen würde.

Nicht viel falsch gemacht

Seitdem hat Hansi Flick nicht viel falsch gemacht und kaum Spiele verloren. Das Aus im DFB-Pokal bei Zweitligist Holstein Kiel war kein Ruhmesblatt, aber der Verein kann es verkraften. In der Bundesliga ließ man gegen Frankfurt, Bielefeld und Union Berlin zwar ein paar Pünktchen liegen. Die kleine "Krise" hatte aber Gründe (viele Spiele, viele Verletzte), die angestrebte 31. deutsche Meisterschaft - die neunte in Folge - geriet bis heute aber nie ernsthaft in Gefahr.

In dieser Woche nun verpassten die Bayern das Champions-League-Halbfinale. In den zwei Partien gegen Paris St. Germain präsentierten sich die Münchner aber ebenbürtig, und das trotz vieler verletzungsbedingter Ausfälle, u.a. der Leistungsträger Robert Lewandowski, Serge Gnabry und Leon Goretzka.

Kompetenzgerangel mit Salihamidzic

Wann genau begann es also im Verhältnis des Erfolgstrainers und seines Klubs zu kriseln? Man muss wohl bis in den Sommer zurückgehen. Die Neuverpflichtungen, für die in erster Linie Sportdirektor Hasan Salihamidzic verantwortlich zeichnet, stießen bei Flick nicht zu hundert Prozent auf Gegenliebe. "Der Kader in der vergangenen Saison war besser als der jetzige - das wird jeder bestätigen", sagte Flick vergangene Woche bei einer Pressekonferenz, als bereits über seinen möglichen Abschied spekuliert wurde.

Dass seine Vorstellungen und die von Salihamidzic nicht zusammenpassen, kristallisierte sich seit Monaten immer mehr heraus. Seine Unzufriedenheit ließ sich der Ex-Profi und ehemalige Assistent von Jogi Löw nun auch immer häufiger anmerken. Zuletzt stieß Flick die Entscheidung, Jérôme Boatengs Vertrag nach dieser Spielzeit nicht zu verlängern, sauer auf.

Der Trainer hätte gerne mehr Mitspracherecht bei der Zusammenstellung des Kaders gehabt. Salihamidzic ließ sich aber in seinen Tätigkeitsbereich nicht gerne hineinreden. Ex-Bayern-Trainer und Flick-Vorgänger Niko Kovac kritisierte erst in dieser Woche: "Man will bei der Kaderplanung mitgenommen und eingebunden werden. Wir wissen alle, wie es in München abläuft: Dort ist es genau das Gegenteil", sagte der Coach der AS Monaco.

Abschied auf Raten - Jetzt ist der FC Bayern am Zug

Flick spielte die Spielchen lange mit. Nun hat er, der sich selbst als "Harmonietyp" bezeichnet, genug - auch im Wissen, dass der DFB ihn gerne als Löw-Nachfolger installieren möchte. "Es war mir wichtig, dass es die Mannschaft von mir erfährt, dass ich den Verein zum Saisonende verlassen möchte. Die Gründe dafür bleiben erst einmal intern. Ich kann aber sagen, dass es keine leichte Entscheidung für mich war", so Flick nun nach dem 3:2-Sieg in Wolfsburg, der für die Bayern einen großen und ganz wichtigen Schritt zur Meisterschaft bedeutet. "Ich habe mit diesem Team eineinhalb Jahre sehr gut zusammengearbeitet."

Das klingt nach einem versöhnlichen Abschied von der Mannschaft, so der FC Bayern denn will und seinen Segen gibt. Denn der Ball liegt jetzt beim Rekordmeister, der einer Vertragsauflösung noch zustimmen muss. Dass die Bayern das, wenn auch zähneknirschend, tun werden, ist aber wohl keine allzu gewagte Prognose.

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