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Handball-WM in Ägypten: "Alle haben Corona im Hinterkopf" | BR24

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An diesem Mittwoch beginnt in Ägypten die 27. Handball-Weltmeisterschaft. Trotz zuvor teils massiver Widerstände findet das Turnier unter außergewöhnlichen Umständen statt. Das bekommt auch die deutsche Mannschaft schon früh zu spüren.

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Handball-WM in Ägypten: "Alle haben Corona im Hinterkopf"

An diesem Mittwoch beginnt in Ägypten die 27. Handball-Weltmeisterschaft. Trotz zuvor teils massiver Widerstände findet das Turnier unter außergewöhnlichen Umständen statt. Das bekommt auch die deutsche Mannschaft schon früh zu spüren.

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  • BR24 Sport

Kaum waren die deutschen Handballer in Kairo gelandet, wurden sie noch auf dem Rollfeld zum ersten Corona-Test gebeten. Bei der Weltmeisterschaft in Ägypten müssen Kapitän Uwe Gensheimer und seine Teamkollegen nicht nur sportliche Herausforderungen meistern, sondern auch mit ganz besonderen Bedingungen klarkommen. "Wir haben ein riesiges Ereignis vor uns und wollen möglichst viele Spiele gewinnen", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. "Es ist aber auch wichtig, dass im Vorfeld viele Fragen abseits des Sports zufriedenstellend beantwortet wurden." Und Gensheimer ergänzte: "Alle haben Corona im Hinterkopf."

Kurz nach der Landung brachte ein Sonderbus die streng isolierte DHB-Auswahl in ein Luxushotel unweit der weltberühmten Pyramiden von Gizeh. Das Fünf-Sterne-Haus bildet mindestens für eine Woche den Lebensmittelpunkt von Spielern und Trainerteam. Verlassen dürfen sie es nur, um zu trainieren oder die Vorrundenpartien gegen Uruguay, Kap Verde und Ungarn zu bestreiten.

Deutsches Team fordert Optimierungen bei Hygienemaßnahmen

Doch bei den Hygienemaßnahmen sieht DHB-Sportvorstand Axel Kromer noch "Verbesserungspotential". etwa beim Essen. So seien im Hotel "nicht alle Restaurants" geöffnet, daher werde er "mit Nachdruck" fordern, dass "weitere Räume geöffnet werden, um das Risiko zu minimieren" und Kontakte zu vermeiden. Zudem seien Kromer Personen aufgefallen, die "zwar akkreditiert sind, aber von denen wir nicht wissen, welche Funktion sie haben".

Manch einer vom Hotel-Personal nehme es beim Tragen der Maske auch nicht so genau, da "hängt" der Mund-Nasen-Schutz schon einmal am Kinn. Kromer rechnet damit, dass es beim Thema Corona "in den nächsten Tagen noch Risiken" gebe werde. Wenn die "Blase geschlossen ist", werde es dann besser.

"Wir müssen daran arbeiten, dass alles so läuft, wie wir es uns vorstellen." DHB-Sportvorstand Axel Kromer

Deutliche Kritik an Austragung der WM

Die Austragung des Mega-Turniers - erstmals nehmen 32 Nationen teil - war keinesfalls selbstverständlich und wurde seit Wochen stark kritisiert. Deutsche Leistungsträger wie Patrick Wiencek oder Hendrik Pekeler verzichteten coronabedingt freiwillig auf eine Teilnahme. Auf Unmut stieß auch der Plan der Organisatoren, die Hallen mit 20 Prozent ihrer Zuschauerkapazität auszulasten. Erst drei Tage vor Beginn des Turniers entschieden die Organisatoren , dass die Spiele ohne Zuschauer stattfinden werden.

Aber Corona bleibt das beherrschende Thema in Ägypten: Am Dienstag hatten die USA und Tschechien wegen einer Flut von Coronafällen ihre WM-Teilnahme abgesagt. Auch in anderen Teams gibt es zahlreiche Positiv-Befunde.

Hätte die WM daher überhaupt stattfinden dürfen? Der Handball will Vorreiter sein und als erste große Mannschaftssportart während der Pandemie eine WM, an der natürlich auch eine Menge Geld hängt, austragen. Sportreporter Daniel Neuhaus sagte dazu im B5-Thema des Tages: "Auch beim Handball geht es letztlich ums Geld. 40 Millionen Euro soll so eine Weltmeisterschaft bringen. Noch dazu ist der Präsident des Handball-Weltverbands Ägypter: Hassan Moustafa. Diese Weltmeisterschaft ist sein Baby, quasi seine Hinterlassenschaft. Der 76-Jährige wollte dieses Turnier unbedingt durchziehen."

"Ich hätte dieses Turnier nicht veranstaltet." Daniel Neuhaus

Kretzschmar: Handball-WM "äußerst sinnvoll und absolut notwendig"

Stefan Kretzschmar hat die umstrittene Durchführung der Handball-WM dagegen verteidigt. "Ich persönlich finde sie äußerst sinnvoll und absolut notwendig", sagte der frühere Weltklasse-Linksaußen dem Nachrichtenportal watson.de. Natürlich könne man, so Kretzschmar, "in der heutigen Zeit moralisch und ethisch darüber diskutieren und ich akzeptiere auch gegenteilige Meinungen. Aber ich glaube, im Jahr 2021 müssen wir lernen, trotz und mit diesem Virus zu leben."

Es müssten Konzepte und kreative Lösungen gefunden werden, um sich Schritt für Schritt zurück in den Alltag zu kämpfen. Dafür könne so eine Weltmeisterschaft in so einer Blase ein positives Beispiel sein, und er hoffe, "dass wir am 31. Januar rückblickend sagen können: Das war eine gute WM."

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