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Handball-EM: Terminstress, Reisestrapazen und ein bisschen Sport | BR24

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Bundestrainer Christian Prokop

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    Handball-EM: Terminstress, Reisestrapazen und ein bisschen Sport

    Deutschlands Handballer starten in die Vorbereitung auf die Europameisterschaft. Die Vorfreude hält sich in Grenzen, denn die EM in drei Ländern bedeutet viel Stress - vor allem, dann, wenn die DHB-Auswahl weit kommt.

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    Die Vergabe der Handball-Europameisterschaft (9. bis 26. Januar) an Norwegen, Schweden und Österreich halten viele Sportler im Nachhinein für keine gute Idee. Doch es hilft nichts: Bundestrainer Christian Prokop und sein 17-köpfiger Kader wollen das Maximale erreichen. Und das heißt: Nach Platz vier bei der Heim-WM vor einem Jahr soll es diesmal ein Podestplatz sein, nach Möglichkeit natürlich der EM-Titel. Denn nur der Europameister qualifiziert sich auch direkt für die Olympischen Spiele in Tokio.

    Noch zwei Tests vor dem Auftakt gegen die Niederlande

    Erstmal steht jedoch der Vorbereitungslehrgang an. Prokop und seine Spieler treffen sich dafür in Frankfurt am Main. Bereits am Samstag testet die deutsche Auswahl in Mannheim gegen Island, am Montag dann nochmal in Wien gegen Co-Gastgeber Österreich. Einen Spieler muss Prokop noch aus seinem Kader streichen. Das ist aber gerade das kleinste Problem, das der Bundestrainer hat.

    Hiobsbotschaften häufen sich

    Denn Absage folgt auf Absage. Zuletzt musste mit Franz Semper vom SC DHfK Leipzig bereits der siebte Rückraumspieler passen. Der Grund: Die Ärzte haben bei ihm Zeichen einer Herzmuskelentzündung diagnostiziert und ihm ein dreiwöchiges Sportverbot auferlegt. Zuvor hatten sich bereits Fabian Wiede (Berlin/Schulter-OP), Steffen Weinhold (Kiel/Fußverletzung), Simon Ernst (Berlin), Tim Suton (Lemgo/beide Kreuzbandriss) und Niclas Pieczkowski (Schulter-OP) abgemeldet. Balingens Spielmacher Martin Strobel, bei der WM vor Jahresfrist von einem Kreuzbandriss gestoppt, fühlt sich nach langer Reha noch nicht wieder bereit für ein großes Turnier. Nächster Nachrücker ist der Stuttgarter David Schmidt: "Er wird nun mit Kai Häfner zusammen die Position Rückraum rechts ausfüllen. Ich hoffe, dass er die im Verein gezeigten Leistungen voll in die Nationalmannschaft einbringen kann", so Prokop.

    Die Gruppenspiele der deutschen Handballer

    9. Januar, 18.15 Uhr: Deutschland - Niederlande

    11. Januar, 18.15 Uhr: Deutschland - Spanien

    13. Januar, 18.15 Uhr: Deutschland - Lettland

    © picture-alliance/dpa

    Hoffnungsträger im linken Rückraum: Kai Häfner

    Zielvorgabe Halbfinale - mindestens

    Offiziell hat der Deutsche Handball Bund (DHB) das Erreichen des Halbfinals als Ziel ausgegeben. Eine Vorgabe, mit der auch Prokop gut leben kann, der allerdings noch etwas anderes erreichen will. Es gehe um "die Art und Weise, wie wir als Mannschaft auftreten. Wir wollen viele Sportfans in Deutschland mitnehmen und in den Bann des Handballs ziehen."

    Doch das alles ist nur die halbe Wahrheit. Torhüter Andreas Wolff spricht vom Titel als Ziel, und auch DHB-Sportdirektor Axel Kromer sagt unumwunden: "Wenn wir am Ende Gold gewinnen wollen bei Olympia, dann müssen wir auch bei der EM in die Medaillenränge kommen."

    "Wir haben eine Riesenaufgabe vor uns, wissen aber auch, dass wir die Riesenchance haben, ein richtig gutes Turnier zu spielen und es vielleicht auch mit einer Medaille abzuschließen." Teammanager Oliver Roggisch
    © picture-alliance/dpa

    DHB-Teammanager Oliver Roggisch

    Extreme Belastung, viel Reisestress

    Neben der sportlichen gibt es bei der EM aber vor allem auch logistische Herausforderungen und die Frage, wie die hohe Belastung irgendwie kompensiert werden kann. Erstmals starten bei den Titelkämpfen 24 Mannschaften. Gespielt wird in Norwegen, Schweden und Österreich. In der Gruppe C bestreitet Deutschland zunächst in Trondheim/Norwegen drei Spiele in fünf Tagen. Die Hauptrunde wird in Wien gespielt, die Finalrunde schließlich in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Reisestrapazen und Terminstress sind vorprogrammiert.

    Im Idealfall würde die deutsche Nationalmannschaft neun Spiele in 18 Tagen bestreiten - ein Irrsinn: "Für uns ist es die schlechteste Situation, weil wir in allen drei Ländern spielen", sagt Hendrik Pekeler. Und sogar DHB-Präsident Andreas Michelmann räumt eine Schieflage im "Spannungsverhältnis zwischen der Gesundheit der Spieler und Geld verdienen" ein. Große Vorfreude auf eine Europameisterschaft sieht anders aus.