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Auch das zweite Bundesligaabenteuer des HSC 2000 Coburg nach 2016/2017 droht mit dem sofortigen Wiederabstieg zu enden. Dass die Oberfranken dabei nicht den sonst üblichen Reflexen nachgeben, ist bemerkenswert.

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Handball-Bundesliga: Coburgs eigener Weg im Abstiegskampf

Auch das zweite Bundesligaabenteuer des HSC 2000 Coburg nach 2016/2017 droht mit dem sofortigen Wiederabstieg zu enden. Dass die Oberfranken dabei nicht den sonst üblichen Reflexen nachgeben, ist bemerkenswert.

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Von
  • Wolfram Porr

Coburg ist anders. Die Vestestadt in West-Oberfranken ist stolz auf ihre Vergangenheit und ihre Verbindung zum englischen Königshaus. Sie vereint bei nur knapp 41.000 Einwohnern Wirtschaftskraft und Kultur, beheimatet auf der einen Seite einen großen Versicherer sowie einen wichtigen Autozulieferer - die beiden wichtigsten Arbeitgeber der Stadt. Gleichzeitig gibt es hier ein Landestheater, man gönnt sich das größte Sambafest Europas, Designtage und einen eigenen Medienpreis.

Und auch im Sport macht Coburg immer mal wieder von sich reden. In der vergangenen Saison schaffte der HSC 2000 Coburg zum zweiten Mal in seiner Geschichte den Aufstieg in die Handball-Bundesliga (HBL) und ist neben dem HC Erlangen der einzige bayerische Klub in der höchsten deutschen Spielklasse.

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Der Trainer des HSC Coburg 2000, Alois Mraz, gibt Andreas Schröder Anweisungen.

Böse Rückschläge in Magdeburg und Minden

In der Saison 2016/2017 zahlte der Verein viel Lehrgeld, war nicht konkurrenzfähig und stieg als Tabellenletzter gleich wieder ab. Sechs Siegen standen 26 Niederlagen gegenüber - mit nur 14:54 Punkten ging es direkt zurück in die 2. Liga.

Vier Jahre später gelang dem HSC im Sommer die viel umjubelte Bundesligarückkehr, verbunden mit der (vermeintlichen) Gewissheit, es diesmal besser zu machen. Der Klub verstärkte sich und sah sich gerüstet für die HBL. Doch das Bild ähnelt dem von vor vier Jahren: Coburg ist nach 23 Spieltagen mit 8:38 Punkten Tabellen-Schlusslicht und blickt bereits auf einige derbe Niederlagen zurück - zuletzt setzte es Anfang März ein desaströses 22:43 in Magdeburg und ein ebenso enttäuschendes 21:30 in Minden.

Enges Rennen im Kampf um den Klassenerhalt

Immerhin: Die letzten fünf Teams liegen punktemäßig eng beieinander, noch ist der Klassenerhalt möglich. Doch allmählich müssen Siege her, um in der wegen der Corona-Pandemie auf 20 Klubs aufgestockten Liga am Ende vier Konkurrenten hinter sich zu lassen. Das 30:30 (13:17) am Donnerstag gegen die HSG Wetzlar hilft da nur bedingt weiter.

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Comeback auf der Trainerbank: Jan Gorr

Kein Trainerwechsel - aber Aufstiegstrainer zurück auf der Bank

Was Mut macht: Die von Alois Mraz trainierten Coburger zeigten vor allem nach der Pause eine gute Leistung, kämpften sich nach dem Pausenrückstand Tor um Tor heran und retteten wenigstens einen Punkt: "Die Reaktion nach den letzten katastrophalen Auftritten war hervorragend. So wollen wir die Mannschaft kämpfen sehen", gab sich auch Vorstandssprecher Stefan Apfel zufrieden.

Dass der HSC auch in dieser Lage an seinem Trainer festhält und eben nicht den sonst üblichen Reflexen nachgibt, ist bemerkenswert. Stattdessen versucht es der Verein mit anderen Mitteln, auch mit Psychologie: So kehrte Aufstiegscoach Jan Gorr gegen Wetzlar als "moralische Unterstützung" auf die Trainerbank zurück. Der Geschäftsführer, der zuvor sieben Jahre lang Cheftrainer war und die Mannschaft in der vergangenen Saison zum Meistertitel in der 2. Bundesliga geführt hat, soll Mraz unterstützen und vielleicht für den nötigen Schub sorgen.

"Alle Kräfte bündeln"

"Nach dem ernüchternden Auftritt in Minden und dem Eindruck der 22-Tore-Niederlage in Magdeburg haben wir viele Gespräche geführt. Wir haben uns mit dem Trainerteam und der Mannschaft zusammengesetzt und überlegt, wie wir noch einmal neuen Input geben können", erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Dietz die ungewöhnliche Maßnahme.

Ein Trainerwechsel sei für den HSC keine Lösung: "Wir sind überzeugt von Alois, können aber auch die Augen nicht davor verschließen, dass wir zuletzt in einer Sackgasse waren und so nicht weiter machen können", so Dietz. Deshalb entstand die Idee, alle Kräfte zu bündeln.

"Wir sind ein Verein, der vom großen Zusammenhalt lebt", sagt Gorr selbst. "Diesen müssen wir jetzt einmal mehr zeigen." So ist es. Und zeigt wieder einmal: Coburg ist anders.