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Der Wiederaufbau der vom Unwetter völlig zerstörten Bob- und Rodelbahn am Königssee wird wohl mindestens ein Jahr dauern. Rodelllegende Georg Hackl schaut bereits nach vorne.

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Georg Hackl: Große Sorgen nach der Bobbahn-"Apokalypse"

"Apokalyptisch" findet Rodellegende Georg Hackl die Hochwasserschäden an der Bob- und Rodelbahn am Königssee. Der Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme ist unabsehbar. Angesichts der Naturkatastrophen der letzten Tage geht es aber um wesentlich mehr.

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An der ältesten Kunsteisbahn der Welt herrschte am Montag rege Betriebsamkeit. Dort, wo im Winter Bobs, Rennrodel und Skeletons in rasender Geschwindigkeit unterwegs sind und es im Sommer eher ruhig zugeht, waren Bagger, Kipper und Räumfahrzeuge mit Schiebeschild unterwegs. Zahlreiche Helfer von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk unterstützten die Bahnarbeiter bei den ersten Aufräumarbeiten nach dem schweren Unwetter am Wochenende, das die Bob- und Rodelbahn Königssee schwer in Mitleidenschaft gezogen hat.

"Das, was wir an der Bahn dahinten erleben müssen, das ist natürlich schon apokalyptisch", sagt Georg Hackl. Er hat sich selbst ein Bild der Lage am Königssee verschaffen können und findet das "unbeschreiblich". Es sei "ein Ausmaß der Zerstörung, da kann man einfach nur dazu sagen: 'Gott sei Dank, ist niemand mit Leib und Leben zu Schaden gekommen'". Der Startbereich für die Bobfahrer sei "bis zu zehn Meter hoch vermurt".

Hackl: "Erst einmal ein geologisches Gutachten"

Erst einmal müsse jetzt die Bahn wieder ausgegraben werden und die beschädigten Leitungen instandgesetzt, erklärt die Rodellegende. Immerhin sei der Bahnkörper aus Beton und habe deshalb keinen großen Schaden genommen. Voraussetzung für eine zukünftige Wiederinbetriebnahme der Bahn sei jedoch erst einmal eine Absicherung des oberen Bereiches. "Da harren wir jetzt auf ein geologisches Gutachten", sagt der 54-Jährige. Fest stehe bisher nur: "In diesem Winter geht es auf gar keinen Fall." Hackl befürchtet sogar, "dass es eher länger dauern wird", bis die Bahn wieder in Betrieb genommen werden kann.

Loch und BSD-Chef Schwab befürchten längere Baumaßnahmen

Das befürchtet auch der für den RC Berchtesgaden startende dreimalige Olympiasieger Felix Loch. "Ich glaube, wir reden hier von drei oder vier Jahren, bis wieder etwas funktioniert", sagte der 31-jährige Rodler, der in Schönau am Königssee zu Hause ist.

Wie hoch die Schäden wirklich sind, die er in einer ersten Stellungnahme mit einem zweistelligen Millionenbetrag beziffert hatte, kann auch der Generaldirektor des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD), Thomas Schwab, noch nicht abschätzen.

Geisenberger und Co. sorgen sich um den Nachwuchs

Hart trifft die zerstörte Bahn den Nachwuchs. "Für den ist es eine Katastrophe", sagte die viermalige Olympiasiegerin Natalie Geisenberger aus Miesbach und ergänzt: "Letzten Winter konnten die Kids wegen Corona nicht trainieren und jetzt das - einfach unfassbar." Das findet auch der dreifache Olympiasieger und zehnfache Weltmeister Hackl. Loch geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert eine düstere Zukunft: "Wo sollen denn die jetzt die Motivation herholen weiterzumachen? Da bricht jetzt extrem viel weg."

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Starkregen, Hochwasser und Murenabgänge haben im Berchtesgadener Land für Zerstörung gesorgt. Besonders von oben sieht man die Folgen.

Söder spricht von "Starkregen-Tsunami"

Hackl kann es angesichts der Bilder nicht einmal trösten, dass es ihn persönlich nicht so arg getroffen hat. Er wohnt in Bischofswiesen, nicht weit weg vom Königssee. Auch bei ihm war Wasser in Keller. Jetzt ist er am Ausräumen, die nassen Sachen müssen raus. Aber er versichert, es sei "nur ein ganz kleiner Schaden". Hackl richtet seinen Blick aber grundsätzlich noch wesentlich weiter.

"Wir werden uns in Zukunft auf solche Extremereignisse einstellen müssen", sagt der 54-Jährige und ergänzt: "Wie werden nicht umhinkommen, wirklich handfest einen Teil unserer Pfründe abgeben zu müssen zu Gunsten des Klimaschutzes".

So sieht es auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der von einem "Starkwetter-Tsunami" sprach. Er glaubt, dass es sich bei dem Erlebten nicht mehr um "erwartbare Hochwasserentwicklungen" handelt, wie man sie früher hatte, "als man über Stunden oder Tage sehen konnte, wie der Pegel steigt". Vielmehr handle es sich bei nun um "Starkwetterereignisse, die innerhalb von wenigen Stunden alles verändern".

Erster Blick auf die zahlreichen Hochwasseropfer

Im Moment ist Hackl erst einmal "im Herzen bei all denen, denen bei der Hochwasserkatastrophe Schlimmeres passiert ist". Ähnlich sieht das Schlittenverbandschef Schwab: "Unsere Aufräumarbeiten können warten. Wir haben der Gemeinde angeboten, dass die Leute, die hier aktiv sind, zuerst den betroffenen Menschen in unserer Region helfen. An der Bahn muss keiner wohnen", sagte der Funktionär.

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Besonders hart getroffen in Bayern hat es Schönau am Königssee. Von dort berichtet BR-Reporterin Theresa Krinninger.