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Gladbach - FC Bayern: Der Evergreen ist wieder ein Topspiel | BR24

© Sportschau

In den 1970er Jahren forderte der Provinzverein aus Mönchengladbach die großen Bayern zum Zweikampf um die Meisterschaft heraus. Es war ein Aufeinandertreffen der Extreme mit brisanten Duellen auf Augenhöhe.

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Gladbach - FC Bayern: Der Evergreen ist wieder ein Topspiel

Erstmals seit vielen Jahren ist der Bundesliga-Klassiker zwischen den einstigen Erzrivalen Borussia Mönchengladbach und Bayern München am Samstag auch wieder ein absolutes Topspiel.

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Günter Netzer gegen Franz Beckenbauer, Berti Vogts gegen Gerd Müller oder auch Hennes Weisweiler gegen Udo Lattek: Beim Gedanken an solch legendäre Duelle bei den immer brisanten Begegnungen zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München bekommen Fans noch heute glänzende Augen.

Viele Jahre aber lebte der Klassiker der Bundesliga-Schwergewichte aus den 1970er Jahren nur noch von der Nostalgie, doch am Samstag (15.30 Uhr/Heute im Stadion berichtet auf Bayern 1 live in Einblendungen) treffen die Erzrivalen seit langer Zeit wieder in einem echten Topspiel aufeinander. Denn Tabellenführer Mönchengladbach schickt sich an, den etwas hinterherhinkenden Meister München abzuhängen.

Vogts vergleicht Rose mit Weisweiler

"Wenn Borussia am Samstag gegen die Bayern gewinnt, wird es schwer sein, sie da oben wieder wegzukriegen", sagte Gladbachs Ikone Vogts. Er schürte in der Rheinischen Post die seit Wochen grassierende Euphorie in Gladbach. Auch sein einstiger Teamkollege Rainer Bonhof, ebenfalls ein Held der glorreichen Fohlen-Jahre und heute Vizepräsident des wiedererstarkten Klubs, bezeichnete in einem Welt-Interview öffentliche Träume von der ersten Meisterschaft seit 1977 entgegen dem branchenüblichen Understatement zumindest als "nicht verwerflich".

Chefcoach Trainer Marco Rose, den Vogts schon mit der Borussen-Legende Hennes Weisweiler vergleicht, fällt denn auch eine realistische Einordnung der im Wochenrhythmus wachsenden Hoffnungen wenigstens auf die Herbstmeisterschaft immer schwerer. "Es sind erst 13 Spiele gespielt. Wir tun gut daran, weiter von Spiel zu Spiel zu denken", sagte der 43-Jährige zuletzt zur ungewohnt erfreulichen Tabellensituation seines Teams.

© picture-alliance/dpa

Sportdirektor Max Eberl und Cheftrainer Marco Rose

Neuer Stil, höheres Niveau

Durch Roses Amtsantritt zu Saisonbeginn - er kam für Dieter Hecking - hat Gladbach nach jahrelanger Aufbauarbeit den oft schwierigen Schritt auf das nächste Level offenbar vollzogen. Und auf eine neue Spielweise, die weniger auf Ballbesitzt setzt, sondern stattdessen auf frühes Stören und blitzschnelles Umschalten.

Die momentan 28 Punkte jedenfalls sind die beste Zwischenbilanz der Rheinländer nach 13 Runden seit ihrer bislang letzten Meistersaison 1976/77, und nach fünf Heimsiegen in Serie ist der Borussia-Park geradezu wieder eine Festung. "Borussia spielt auf einem sehr, sehr hohen Niveau", meinte der nicht gerade für überschwängliche Lobeshymnen bekannte Ex-Bundestrainer Vogts zur Entwicklung unter Rose.

Sportdirektor Max Eberl, der durch jahrelang kluge Personalplanung gleichermaßen großen Anteil an der neuen Perspektive der Borussen hat, stellt unterdessen schon wichtige personelle Weichen. Nacheinander verlängerten zuletzt die Mittelfeldspieler Laszlo Benes und Florian Neuhaus sowie aus dem Kreis der Führungsspieler auch Torwart Yann Sommer und Ex-Weltmeister Christoph Kramer ihre Verträge vorzeitig. Es sei zu spüren, beschrieb Kramer unabhängig vom derzeitigen Höhenflug seine Sicht auf den Entwicklungsprozess, dass "man einen klaren Plan und eine klare Vision hat".

Bonhof: Erfolg ist "nicht unverdient"

Die dazugehörige Phase vereinzelter Ausrufezeichen hat Gladbach nach Bonhofs Ansicht aber mittlerweile abgeschlossen. "Die Nadelstiche haben wir gesetzt. Wir haben uns in den vergangenen acht Jahren fünfmal für Europa qualifiziert, waren einer von drei Vereinen, die in dieser Zeit immer einstellig platziert waren. Das ist nicht unverdient, weil alle hart dafür arbeiten."

Dennoch wertet der Weltmeister von 1974 die Tabellenführung zunächst jedenfalls lediglich als willkommenen Nebeneffekt der Bemühungen: "Wie lange wir dafür belohnt werden, wird sich zeigen."