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Gewalt beim Fußball: "Schiedsrichter sind eine Minderheit" | BR24

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Schiedsrichter klagen über Beschimpfungen und Pöbeleien auf den Fußball-Plätzen. "Die Hemmschwelle sinkt", sagt Bundesliga-Schiedsrichter Benjamin Cortus aus Nürnberg.

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Gewalt beim Fußball: "Schiedsrichter sind eine Minderheit"

Die SpVgg Greuther Fürth lädt am Abend zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Gewaltprävention im Amateurfußball" ein. Einer der Diskutanten ist Bundesliga-Schiedsrichter Benjamin Cortus, der im BR von seinen Erfahrungen berichtet.

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Gewalt im Amateurfußball ist ein in den Medien stark präsentes Thema. Bei fast 4.000 erfassten Spielen kam es zu gewalttätigen Zwischenfällen, berichtet die ARD-Sportschau. Oft angegangen werden demnach Schiedsrichter. In Fürth diskutieren am Abend (16.12.19) ab 19.00 Uhr Sportjournalisten, Polizeibeamte und Politiker über das Thema. Einer der Diskutanten ist der Nürnberger Schiedsrichter Benjamin Cortus.

Verbale Gewalt trägt zur Eskalation bei

"Gewalterfahrungen habe ich bislang nur im verbalen gemacht, körperliche Gewalt habe ich bislang zum Glück noch nicht erfahren", sagt Benjamin Cortus im Gespräch mit der Bayern 2-regionalZeit. Der Schiedsrichter pfeift seit drei Jahren in der Bundesliga, arbeitete aber auch zuvor schon als Unparteiischer in den unteren Ligen. Laut Cortus seien aber bereits die verbalen Beleidigungen durch Fans der Beginn einer Eskalationsstufe.

Gelernt, Beleidigungen zu ignorieren

Im Laufe der Jahre habe der 38-Jährige aber gelernt die Beleidigungen zu ignorieren: "Man realisiert das mal kurz. Aber wenn man sich am Tag danach Gedanken macht, warum die Leute das machen, man hat ihnen ja persönlich nichts getan oder dem Verein, dann fragt man sich schon, was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht."

"Schiedsrichter sind eine Minderheit"

Schlagzeilen wie "Hetzjagd auf Schiedsrichter" oder "Gewalt bei Junioren-Fußballspiel" prägen das Bild einer Eskalation im Amateurfußball. Bei vielen Vorfällen steht der Schiedsrichter im Zentrum der Ausschreitungen. Geht es nach Cortus liegt das auch daran, "dass wir Schiedsrichter irgendwo eine Minderheit sind. Und ich sehe das auch gesamtgesellschaftlich als Problem, das man sich leicht tut gegen Schwächere und gegen Minderheiten vorzugehen." Aber auch das Beleidigen aus einem anonymen Pulk heraus falle den Tätern demnach offenbar leichter.

Sachliche Gespräche auf persönlicher Ebene

Der gebürtige Nürnberger hat vor Jahren erstmals einen Spieler nach Eingreifen des Videoassistenten vom Platz gestellt und damit unter Fußballfans für eine durchaus unpopuläre Entscheidung gesorgt. Im Nachhinein wurde Benjamin Cortus auch in seinem Heimatort Röthenbach bei Nürnberg von Zuschauern persönlich mit der Situation konfrontiert. Diese Gespräche seien aber auf sachlicher und angenehmerer Basis abgelaufen. Kommentare in sozialen Netzwerken lese er nicht, so der Schiedsrichter im regionalZeit-Gespräch.

In Bayern liegen die Gewaltzahlen unter dem Durchschnitt

Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat laut Cortus ein Maßnahmenkonzept auf den Weg gebracht und setzt damit auf Prävention. Durch Weiterbildungen der Trainer und Verantwortlichen sollen auch die Spieler und Fans für das Thema sensibilisiert werden.

Insgesamt täuscht der Eindruck, dass die Hemmschwelle der Gewalt gesunken ist. Bundesweit werden im Schnitt 0,05 Prozent der Spiele aufgrund von Gewalt abgebrochen. In Bayern liegen die Zahlen aber unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.