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Schiedsrcihter zeigt Rote Krate in einem Spiel zwischen Besiktas Istanbul und dem FC Bayern München
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Philipp Nagel
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Schiedsrcihter zeigt Rote Krate in einem Spiel zwischen Besiktas Istanbul und dem FC Bayern München

Nach Meinung des Juristen und Gerechtigkeitsforschers Markus Schollmeyer ist das vielzitierte Fairplay schon lange ein Fremdwort. Nicht nur im europäischen Spitzenfußall, sondern auch auf nationaler Ebene. "Also ich finde, dass der Fußballsport, auch der Profifußballsport, mehr Verantwortung für die Amateure hätte und müsste noch mehr tun, sprich zahlen. Die könnten sich's nämlich leisten. Das tun sie aber nicht, weil sie im Wettbewerb mithalten wollen, der aus meiner Sicht immer kränker wird", sagt Schollmeyer.

Hauptübel: finanzielle Auswüchse

Auch Schollmeyer, der durch seine Tätigkeit als Schiedsrichter einen großen Fußballbezug hat, sieht die finanziellen Auswüchse als Hauptübel: "Die Prämien in der Champions League sind meines Erachtens zu hoch. Man müsste das anders verteilen." Immer mehr Ligen wie die Euro League wurden eingeführt. Deshalb beklagt der Forscher: "Die müssten sich mehr aufs wesentliche konzentrieren. Und wesentlich heißt: Einen Titel ausspielen und vielleicht noch einen zweiten Titel, alle dürfen daran teilnehmen: gleiche Chance."

Einspruch meist vergeblich

Doch genau diese Chancengleichheit besteht aus Sicht von Schollmeyer schon lange nicht mehr. Das begründet er mit "zu starken wirtschaftlichen Interessen", die in den Fußball eingeflossen sind. Und er warnt: "Immer, wenn man da jemand auf den Fuß steigt, kriegt man einen ganz schönen Tritt zurück." Stattdessen solle man die Fairness und Gerechtigkeit erhöhen. Deshalb findet der Forscher beispielsweise den Videobeweis "persönlich gut".

Gehaltsbeschränkung gefordert

Auch anderen Geschichten steht er positiv gegenüber. Dazu gehören unter anderem: eine Entschlackung der Wettbewerbe oder auch die Einführung eines Salaray Caps, wie man ihn aus dem US-Profisport kennt. Die Gehaltsbeschränkung würde den Maximalbetrag definieren, den eine Mannschaft für Spielergehälter in einer Saison aufwenden darf. Vereinfacht gesagt: "Diesen wirtschaftlichen Aspekt da rausnehmen, dann wird's wieder ein Sport". Und er ergänzt: "Man müsste die Geldflüsse beschneiden, stärker kontrollieren, die Möglichkeiten der kleinen Klubs einfach stärken".

Philosophischer Ansatz von Bayern-Trainer Kovac

Doch das Geschäft bestimmen nun mal die Großen und der Illusion, dass die auf Geld verzichten werden um einen faireren, gerechteren Wettbewerb zu kreieren, gibt sich auch Schollmeyer nicht hin. Bayern Trainer Niko Kovac zum Beispiel, hat sich der Frage ob es im Fußball gerecht zu geht, philosophisch genähert: "Was ist Gerechtigkeit? Ja, das liegt im Auge des Betrachters: Der eine sieht es so, der andere so. Und wir werden nie die richtige Lösung finden."

Laufen, kämpfen, Leidenschaft!

Am Ende wird der Konsument die Lösung bestimmen. Nur wenn er den Exzess nicht weiter toleriert und ihn somit letztlich auch nicht mehr zahlt, wird sich was ändern. Der Fußball ist am Scheideweg. Dementsprechend lautet das Fazit des Gerechtigkeitsforschers: "Das ist kein wirtschaftlicher Wettbewerb, das ist ein Sportwettbewerb. Da geht's um Laufen, Kämpfen, Bälle spielen, Grätschen und Tore schießen und nicht um Konto, Stadioneinnahmen, Werbeeinnahmen, Spieler kaufen. Auf dem Platz hat das meiner Meinung nach nichts verloren. Da geht's um Sport, um Laufen, um Kraft, um Leidenschaft - und was für eine Leidenschaft hat man denn, wenn man zukucken muss, wenn's ums Geld geht. Also mir fehlt diese Leidenschaft."

Das komplette Interview zum Nachhören

Gerechtigkeitsforscher Markus Schollmeyer

Gerechtigkeitsforscher Markus Schollmeyer