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Gerd Müller, der FC Bayern und das große Geld | BR24

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Ein Mann, eine Drehung, ein Tor: Gerd Müller war ein Phänomen. Jetzt ist ein Buch erschienen, das die Vita des "Fußball-Weltwunders" beleuchtet - und dubiose Aspekte ins Rampenlicht befördert; Autor ist der Historiker Hans Woller.

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Gerd Müller, der FC Bayern und das große Geld

Ein Mann, eine Drehung, ein Tor: Gerd Müller war ein Phänomen. Jetzt ist ein Buch erschienen, das die Vita des "Fußball-Weltwunders" beleuchtet - und dubiose Aspekte ins Rampenlicht befördert. Autor ist der Historiker Hans Woller.

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Bayern 2-radioWelt: War es nur die Liebe zum Fußball, die Sie zum Thema gebracht hat - oder gab es noch andere Antriebskräfte?

Hans Woller, Historiker am Institut für Zeitgeschichte: Der Ursprung ist schon eine starke Affinität zum Fußball. Ein zweites Motiv hat mich aber eben so sehr geleitet: Ich wollte versuchen, die Fußballgeschichte mit der Zeitgeschichte in Verbindung zu bringen. Und ich hoffe, das ist mir zumindest in Ansätzen gelungen. So etwas gibt es nämlich bisher noch nicht. Die Fußballgeschichte wird sozusagen auch in der öffentlichen Wahrnehmung, auch in der Presse, gerne in den Sportteil verbannt. Es wird kein Versuch gemacht, Verbindungen herzustellen, etwa mit der Wirtschaftsgeschichte, mit der Geschichte der Medien, mit der Medizingeschichte und auch mit der Politikgeschichte.

Bayern 2-radioWelt: Aber warum ausgerechnet Gerd Müller? Wäre da nicht etwa Franz Beckenbauer eine geeignetere Figur gewesen? Wie einzigartig war Gerd Müller als Fußballer?

Hans Woller: Gerd Müller war ein schlichtweg genialer Fußballspieler, der heute nur leider Gottes viel zu häufig abwertend als "Abstauber-König" oder so etwas tituliert wird. Dabei war Gerd Müller ein rundum kompletter Fußballspieler, der auf jeder Position spielen konnte, das Spiel lesen konnte, der taktisches Geschick hatte und der von einer fast artistischen Körperbeherrschung war. Deshalb hat der Mann so viele Tore geschossen, weil er so komplett gewesen ist.

Bayern 2-radioWelt: Wie haben Sie - außer in den Archiven - Ihre Recherchen betrieben?

Hans Woller: Ich hatte noch einen anderen Weg der Recherche: Ich habe nämlich mit Frau Müller gesprochen, der wichtigsten Person im Leben von Gerd Müller. Frau Müller war so souverän, mir vier oder fünf Gespräche zu gewähren. Die waren ausgesprochen intensiv, ausgesprochen interessant, und diese Gespräche haben einiges an dem Bild, das sich auch die Öffentlichkeit von Gerd Müller macht, geändert. Gerd Müller wird ja ganz oft als, wie soll ich sagen, als etwas unbedarfter Tropf dargestellt, als ein etwas eindimensionaler Mensch. Bei näherer Betrachtung wird man dieses Bild revidieren müssen. Gerd Müller ist ein vielschichtiger Mensch, ein ziemlich schlauer Bursche, dem man Unrecht tut, wenn man ihn in die Schublade des eindimensionalen Menschen hineinsteckt.

Bayern 2-radioWelt: Wie kam jetzt das große Geld in den Fußball? Das ist ja der zweite Teil des Buchtitels. Es ging darum, Geld in die Kasse zu bringen.

Hans Woller: Eine dieser Innovationen war etwa, dass der FC Bayern München um diese Zeit, um 1970 herum, im Sommer oder auch in der Weihnachtszeit ausgedehnte Tourneen in Südamerika gemacht hat. Dort hat man nicht wenige Dollars kassiert, und diese Gelder wurden mitunter schon auf dem Heimflug nach München an die verdienten Spieler verteilt. Das schreibt auch beispielsweise Franz Beckenbauer in seinen Memoiren. Diese Innovation, um es nochmal so zu nennen, ging zurück auf eine Anregung aus dem Bayerischen Finanzministerium. Konkret auf eine Anregung von Finanzminister Ludwig Huber, der diese Anregung in einem Gespräch mit dem Präsidenten Wilhelm Neudecker gegeben hat. Also unter dem Strich: Schwarzgeld. [...] Politisch gedeckter Steuerbetrug, genau um das geht es. Das ist aber nur eine Form der "innovativen Bezahlung der Großstars". Die andere Form war, dass man dem FCB Zahlungen gestundet hat von Seiten des Staates. Und dass nicht zuletzt auch wieder Ludwig Huber gerade für die Weltstars - Gerd Müller und auch Franz Beckenbauer - so Pakete geschnürt hat. Da gab es dann den Versuch des Finanzministers, Gerd Müller beispielsweise eine Versicherungsagentur zuzuschanzen und dergleichen mehr.