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Gehaltsverzicht: Streit zwischen Eishockey-Liga und Spielern | BR24

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Im Streit um einen Gehaltsverzicht ist zwischen Deutscher Eishockey-Liga (DEL) und den Spielern noch keine Einigung in Sicht. Während die DEL den Verzicht sogar an das Lizenzierungsverfahren knüpft, wollen die Spieler eine Gewerkschaft gründen.

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Gehaltsverzicht: Streit zwischen Eishockey-Liga und Spielern

Im Streit um einen Gehaltsverzicht ist zwischen Deutscher Eishockey-Liga (DEL) und den Spielern noch keine Einigung in Sicht. Während die DEL den Verzicht sogar an das Lizenzierungsverfahren knüpft, wollen die Spieler eine Gewerkschaft gründen.

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Die Coronakrise stellt die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) und ihre wichtigsten Protagonisten, die Spieler, vor eine schwere Probe. Am Montag verkündete die DEL, dass alle 14 Erstligisten fristgerecht "ihre Unterlagen für das Lizenzierungsverfahren für die Saison 2020/2021 bei der Ligagesellschaft eingereicht" hätten. Das deutsche Eishockey scheint also auf dem besten Weg, in der nächsten Saison wieder den Weg in die Normalität zurückzufinden. Am 18. September soll die neue Saison beginnen.

Allerdings: Bei den meisten Klubs fehlte ein entscheidender Teil der Lizenzunterlagen noch - die Einwilligung der Spieler zu einem 25-prozentigen Gehaltsverzicht. Diesen fordert die DEL wegen der Coronakrise. Bis zum Montag gab es solche Einwilligungen allerdings nur bei den Augsburger Panthern und den Fischtown Penguins aus Bremerhaven. Augsburg bestätigte in einer Mitteilung, dass die entsprechende Erklärung "von jedem bereits unter Vertrag stehenden Akteur unterschrieben" worden sei.

Gehaltsverzicht auch bei Saisonstart mit Zuschauern

Derzeit ist unklar, wie schnell auch die übrigen Klubs nachlegen können - und ob überhaupt. Während die DEL einen pauschalen Gehaltsverzicht "die fairste Lösung" nennt, um den sinkenden Einnahmen im Bereich Zuschauer und Sponsoren wegen der Coronakrise entgegenzuwirken, gehen nämlich zahlreiche die Spieler auf die Barrikaden. Selbst bei einem regulären Saisonbeginn im September ohne Corona-Einschränkungen will die DEL den Gehaltsverzicht. Nur bei Spielern wohlgemerkt. Trainer und Manager sollen ihr volles Gehalt bekommen.

Eishockeyspieler fühlen sich übergangen

Nationalspieler Moritz Müller von den Kölner Haien verteidigte die Position der Spieler. Diese stellten sich nicht grundsätzlich gegen einen Gehaltsverzicht. Nur die Art und Weise und auch die Verquickung mit der DEL-Lizenzierung stoße den meisten sauer auf.

"Grundsätzlich bin ich sicher, dass die Spieler wissen, was gerade abgeht, und zu einem Gehaltsverzicht bereit sind", sagte Müller in einem Interview mit dem Fachmagazin Eishockey News. Aber: "Die Jungs tun sich nur schwer mit einem Vorstoß, der nicht vom eigenen Klub kommt, und mit einer Unterschrift, die an einen Zeitpunkt geknüpft ist."

Zudem fühlen sich die Spieler übergangen. Müller wünscht sich, dass sich DEL und Vereinsmanager gemeinsam mit ihren Angestellten an einen Tisch setzen, "dann können wir gemeinsam versuchen, die beste Lösung zu finden - fernab von zeitlichen Begrenzungen und Drohungen."

Reimer im BR-Interview: Spielergewerkschaft wichtig für Kommunikation

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers, neben Müller eine der treibenden Kräfte, eine Spielergewerkschaft zu gründen. "Ich glaube, es ist wichtig für die Kommunikation zwischen Liga, den Klubs und den Spielern eine Ebene zu schaffen, wo man sich unterhalten kann. Wo die Spieler mit einer Stimme sprechen können. Man sieht, wie schwierig es tatsächlich ist, wenn jeder für sich selber sprechen muss", sagte Reimer im Interview mit BR24 Sport.

Reimer blickt auch durchaus selbstkritisch auf die aktuell sehr eingefahrene Situation. "Man hätte frühzeitig miteinander sprechen können, um gewisse Dinge zu planen hinsichtlich der neuen Saison und die Problematik, die aufkommt. Und deswegen war es vielleicht auch ein Versäumnis der Spieler, dass man das nicht schon viel früher angepackt hat."

Kritik am DEL-Vorgehen

Hinsichtlich des von der DEL angestrebten Gehaltsverzichts zeigte sich Reimer realistisch: "Wir sind uns alle der aktuellen Situation bewusst und dass es für jeden, nicht nur im Sport, Einschnitte gibt. Das würden die Spieler auch mittragen. Aber ähnlich wie Müller kritisiert er das DEL-Vorgehen, "wie es an einen herangetragen wird. Es wäre schön gewesen, wenn man von oben herab gesagt hätte, wir gehen mit den Einschnitten voran. Seid ihr mit uns im selben Boot und seid ihr bereit zu helfen?"

"Wir haben lange genug über die Probleme gesprochen. Jetzt ist es wichtig, miteinander zu sprechen." Patrick Reimer im BR-Interview

DEL-Geschäftsführer verteidigt Vorgehen

"Wir haben wirklich wirtschaftliche Zwänge, die wir zusammen durchstehen müssen", erklärt indes Gernot Tripcke. Der DEL-Geschäftsführer kann die Kritik am Vorgehen der DEL nicht ganz nachvollziehen. Auch er habe auf Teile seines Gehalts verzichtet. "Es bereichert sich da keiner", ergänzt Tripcke im BR-Interview: "Wir werden alles verteilen was reinkommt." Zudem weist er darauf hin, dass man damit rechnen müsse, dass "der Topf leider auch kleiner wird."