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Fußball, Corona und Zuschauer - die "flexiblen" Beschränkungen | BR24

© imago images/MIS

FC-Bayern-Verantwortliche auf der Tribüne beim Spiel gegen Schalke

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Fußball, Corona und Zuschauer - die "flexiblen" Beschränkungen

Während sich Trainer Hansi Flick vor der Supercup-Reise ins Corona-Risikogebiet Ungarn sorgt, sitzen die Bayern-Bosse maskenfrei auf der Tribüne beim 8:0-Sieg gegen Schalke 04. Der Umgang des Fußballs mit Zuschauern in Coronazeiten bleibt speziell.

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Immer, wenn die Fernsehkamera beim 8:0-Sieg des FC Bayern gegen Schalke 04 zum Bundesligaauftakt die Tribüne zeigte, entwickelte sich ein kleiner Shitstorm in den sozialen Netzwerken. Sowohl die Verantwortlichen des FC Bayern wie auch die der Gäste saßen dort ungeniert im Zehn-Personen-Pulk ohne Mund-Nase-Maske.

Vorstand Oliver Kahn versuchte nach der Partie im ZDF-Interview etwas Klarheit in die Situation zu bringen. "Nein, es gab keine Vorgaben, weil wir uns da an die bayerische Verordnung gehalten haben, die genau das erlaubt", erklärte Kahn.

Was er damit vermutlich meinte: In der aktuellen Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung ist unter "§2 Kontaktbeschränkung im öffentlichen Raum" zu lesen, dass der "gemeinsame Aufenthalt im öffentlichen Raum" unter anderem "in Gruppen von bis zu 10 Personen" gestattet ist.

Eigentlich keine Ausnahme auf der Tribüne möglich

Unter "§9 Sport" wird zudem festgelegt, dass das Ablegen der obligatorischen Mund-Nasen-Bedeckung, also der Maske, am Platz möglich ist. Nur: Die bayerische Verordnung fordert unverändert "wo immer möglich", den "Mindestabstand zwischen zwei Personen von 1,5 Metern einzuhalten."

Ob sich die Bayern-Entourage auf eine der Ausnahmeregelung stützt, etwa, dass das Masketragen "aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar ist"? Oder die Ehrentribüne der Allianz Arena gar mit einer Gastwirtschaft gleichsetzt, wo zehn Personen ohne Maske am Tisch sitzen dürfen? Die Bosse hätten sich jedenfalls viel Hohn und Spott im Netz ersparen können, wenn sie die unnötige Rudelbildung auf der Tribüne vermieden hätten.

DFL-Hygienekonzept ad absurdum geführt

Unabhängig von der bayerischen Gesetzesgrundlage und der Frage, wie dehn- und auslegbar diese denn ist, ignorierten die Verantwortlichen beider Klubs auf der Tribüne aber auch das Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Denn dort - und da gibt es eigentlich keinen Auslegungsspielraum - steht für den Tribünenbereich unmissverständlich: "Alle Personen sind zum permanenten Tragen des Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet."

Auf Nachfrage von Nachrichtenagenturen äußerte sich ein DFL-Sprecher am Samstagnachmittag: "Die DFL ist hierzu im direkten Gespräch mit dem FC Bayern." Offenbar sehen die Liga-Verantwortlichen durchaus Klärungsbedarf.

Was der Situation einen zusätzlichen Hauch Skurrilität verlieh: Die Ersatzspieler der Teams, ebenfalls auf der Tribüne platziert, saßen dort - mit Abstand.

Hansi Flick: Corona-Bedenken vor dem Supercup in Budapest

FC-Bayern-Trainer Hansi Flick kommentierte die Tribünen-Situation beim Spiel gegen Schalke nicht. Aber die aktuelle Corona-Situation behagt ihm nicht. In München hatte ursprünglich sogar vor 7.500 Zuschauern gespielt werden sollen, am Donnerstag untersagte dies aber die Stadt wegen der aktuell hohen Inzidenzwerte. Flick zeigte sich da noch verständnisvoll, man müssen "den Zahlen Rechung" tragen, sagte er da.

Weniger Verständnis zeigte er allerdings nach dem Schalke-Spiel mit Blick auf die nächste Pflichtpartie: Am Donnerstag soll der FC Bayern im europäischen Supercup-Finale gegen den FC Sevilla antreten. In Ungarns Hauptstadt Budapest, die vom Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwochabend in die Liste der Risikogebite aufgenommen wurde.

"Das ist eine Sache, die man nicht ganz so versteht. Aber wir sind nicht die, die die Entscheidung treffen, die haben andere getroffen", sagte ein skeptischer Flick.

© BR

FC-Bayern-Trainer Hansi Flick betrachtet den bevorstehenden europäischen Supercup gegen den FC Sevilla im Corona-Risikogebiet Ungarn skeptisch.

UEFA will 30 Prozent des Stadions füllen

Bisher hält Europas Fußballverband UEFA an seinen ursprünglichen Plänen fest, in der Budapester Puskás Arena vor Zuschauern zu spielen. 67.000 passen maximal rein, zu 30 Prozent will die UEFA das Stadion füllen.

Flick geht pragmatisch in die Partie. "Wir wollen versuchen, dort zu gewinnen und den nächsten Titel zu holen. Das wäre eine schöne Abrundung." Alles andere, was die Corona-Pandemie mit sich bringt, liege ohnehin nicht in seiner Hand.