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Fußball-Regionalligist SpVgg Bayreuth fordert Saisonabbruch | BR24

© SpVgg Bayreuth/Peter Glaser

Wie geht es weiter in der Regionalliga Bayern? Wolfgang Gruber, Geschäftsführer der SpVgg Bayreuth, plädiert für einen Saison-Abbruch.

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    Fußball-Regionalligist SpVgg Bayreuth fordert Saisonabbruch

    Wettbewerbsverzerrung und eine nicht vertretbare Rechtsauffassung: Das sind zwei der Vorwürfe, die die SpVgg Bayreuth in einem offenen Brief gegen den Bayerischen Fußballverband erhebt. Geschäftsführer Wolfgang Gruber droht mit rechtlichen Schritten.

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    Der Fußball-Regionalligist SpVgg Bayreuth hat sich in einem offenen Brief an den Bayerischen Fußballverband (BFV) gewandt. Darin fordert er einen Abbruch der laufenden Saison. Wolfgang Gruber, Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH, wirft dem BFV zudem vor, dass dessen Vorschlag, die Saison ab dem 01.09.20 fortzusetzen, zwar im Interesse des Verbandes sei. Die Vereine der Regionalliga, die mit wenig Geld professionelle Strukturen aufrecht erhalten müssten, stelle das Szenario aber vor große wirtschaftliche und juristische Probleme.

    BFV schlägt Amateuren Fortsetzung der Saison vor

    Zwar hatte der Verband den Vorschlag bislang ausdrücklich nur für die Ligen unterhalb der Regionalliga gemacht. Er sieht eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs frühestens ab dem 01.09.20 vor. Etwa zwei Drittel der Vereine, die das betreffen würde, hatten sich bei einer Umfrage dafür ausgesprochen. Für die vierthöchste deutschen Spielklasse, die Regionalliga, heißt es seitens des BFV hingegen: Wie und wann es weitergehe, hänge vor allem auch davon ab, wann der Spielbetrieb in der 3. Liga wieder aufgenommen werde. Das allerdings entscheidet nicht der BFV, sondern der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Der würde den Spielbetrieb in den drei höchsten deutschen Spielklassen am Liebsten schon Mitte Mai wieder aufnehmen.

    "Diese Entscheidung gilt für den Spielbetrieb der Männer und Frauen einschließlich der Bayernligen und abwärts. Die Regionalliga folgt einer anderen Regelung, da sie auch von den DFB-Entscheidungen zur 3. Liga abhängig ist." Rainer Koch, Präsident des BFV

    SpVgg-Geschäftsführer Gruber vermutet daher, dass der Vorschlag des BFV früher oder später auf die Regionalliga ausgeweitet wird. Entsprechende Andeutungen, dass der Ball in der Regionalliga ab dem 01.09.20 wieder rollen solle, hat der Verband bereits gemacht. In einer Mail an alle Regionalligisten, die Koch selbst veröffentlichte, heißt es:

    "Der Vorschlag, die unterbrochene Saison 19/20 ab 1. September wieder aufzunehmen, ist den Regionalliga-Vereinen ja schon seit einiger Zeit bekannt. Wir haben auch schon mehrmals darüber in unseren Webkonferenzen gesprochen." Aus einer Mail des BFV-Geschäftsführers Jürgen Igelspacher

    Gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs wehrt sich Gruber aber und nennt dafür gleich mehrere Gründe:

    Spielerverträge könnten nicht angepasst werden

    In dem Brief kritisiert Gruber unter anderem, dass die Vereine die aktuell laufenden Spielerverträge über die eigentliche Spielzeit hinaus verlängern müssten. Daraus würden sich Widersprüche mit dem deutschen Arbeitsrecht ergeben, das eine Verlängerung um mindestens ein Jahr vorsehe. Die könne aber nicht im Interesse der Klubs sein, die sich unter Umständen für die nächste Saison personell verändern wollten. Gruber schreibt, die SpVgg Bayreuth sei entsetzt darüber, dass der BFV die Vereine dadurch in Rechtsunsicherheit bringe.

    "Ein solches Handeln und eine solche Rechtsempfehlung an die Vereine der Regionalliga würde zu zahlreichen und vor allem aussichtslosen und kostspieligen Rechtsstreitigkeiten vor den Arbeitsgerichten führen." Wolfgang Gruber, Geschäftsführer SpVgg Bayreuth

    Sponsorenverträge laufen aus

    Zudem beklagt die SpVgg Bayreuth, dass eine Verlängerung der Saison über den September hinaus die Vereine Geld kosten würde, das durch Sponsorenverträge nicht gedeckt werde. Einige dieser Verträge seien nämlich nur bis zum 30.06.20 abgeschlossen. Nur etwa zehn Prozent des Etats der SpVgg Bayreuth werde durch Ticketverkäufe finanziert. Der Rest fliese über Sponsorengelder, die dann aber fehlten.

    Abhängigkeit von Profi-Ligen

    In dem Brief wirft die SpVgg Bayreuth dem BFV auch eine Wettbewerbsverzerrung vor. Die Pläne des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) sehen nämlich vor, die Saison in den höchsten drei Fußballligen ab Mitte Mai ohne Zuschauer zu Ende zu spielen. Entsprechend könnte dort bereits im August die nächste Spielzeit beginnen. Welche Aufsteiger aus der Regionalliga Bayern daran dann beteiligt wären, wäre nach den Plänen des BVF aber erst im November entschieden. Gruber kündigt in dem offenen Brief bereits an, es rechtlich prüfen zu lassen, sollte der BFV einen Aufsteiger vorzeitig benennen.

    "Einer vorzeitigen Benennung eines Aufsteigers noch vor Ende der Saison 19/20 (...) wird sich die SpVgg vehement – gegebenenfalls auch mit Rechtsmitteln – entgegen stellen (...)." Wolfgang Gruber, Geschäftsführer SpVgg Bayreuth

    Aufsteiger bei Saisonabbruch akzeptieren

    Grubers Vorschlag: Sollte sich der Verband dazu entscheiden, die Saison abzubrechen, werde man zustimmen, dass der derzeitige Tabellenführer, Türkgücü München, in die 3. Liga aufsteigt. Türkgücü München liegt elf Spieltage vor Schluss mit neun Punkten Vorsprung vor dem 1. FC Schweinfurt auf Platz eins. Die SpVgg Bayreuth belegt Rang vier. Einen Absteiger solle es in diesem Jahr dann nicht geben. Stattdessen solle sich der BFV daran machen, einen geregelten Spielbetrieb für die nächste Saison zu erarbeiten.

    BFV-Präsident Koch äußert sich auf Facebook

    Auf Facebook hat sich BFV-Präsident Rainer Koch bereits zu Grubers Brief geäußert. Dort schreibt er, dass die gemachten Vorschläge explizit nicht für die Regionalliga gelten und das den Vereinen auch mitgeteilt worden sei. Von Grubers Ankündigung, sich notfalls juristisch zu wehren, sei er enttäuscht.

    "Es ist aber für die weiteren vertrauensvollen Gespräche des BFV mit den Vereinen hilfreich zu wissen, dass der BFV bereits von der SpVgg Bayreuth mit Klageandrohungen konfrontiert wird, wo er noch nicht einmal mit einem Beschlussvorschlag an die Regionalligisten herangetreten ist." Rainer Koch, Präsident des BFV

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