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Fußball in Corona-Zeiten: Flick-Aussagen sorgen für Wirbel | BR24

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Bildrechte: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

Die Ausnahmestellung des Profisports in der Coronapandämie wird von immer mehr Politikern kritisiert. Das wollte Bayerntrainer Hansi Flick jetzt nicht auf sich sitzen lassen.

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Fußball in Corona-Zeiten: Flick-Aussagen sorgen für Wirbel

Die Debatte um eine Sonderrolle des Fußballs in Corona-Zeiten und Reisen von Profivereinen schwelt weiter. Nach der scharfen Kritik von Bayern-Trainer Flick an SPD-Mann Lauterbach melden sich mehrere Politiker zu Wort.

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  • BR24 Redaktion

Kevin Kühnert spricht vom "Klima des Hasses", Bundestagsvize Wolfgang Kubicki bereitet die "Unerbittlichkeit in der Debattenkultur mittlerweile große Sorgen": Die kritischen Aussagen von Hansi Flick zur angeblichen Sonderrolle des Fußballs in Zeiten der Corona-Pandemie sorgen für mächtig Wirbel.

Am Montag schalteten sich mehrere Politiker in die Debatte ein. Während FDP-Politiker Kubicki dem Bayern-Trainer Flick bei der Kritik am SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zur Seite sprang, verteidigte SPD-Vize Kühnert seinen Parteifreund vehement und forderte öffentlich eine Entschuldigung von Flick.

Flick-Kritik an Lauterbach

Flick war beim Namen Lauterbach am Sonntag an die Decke gegangen. Angesprochen auf Reisen der Fußballer trotz Pandemie und die Kritik des SPD-Gesundheitsexperten daran entgegnete Flick: "Der Herr Lauterbach hat immer zu irgendwas einen Kommentar abzugeben." Das sei vor allem immer dann der Fall, wenn man selbst nicht in der Verantwortung stehe und nur ein Ergebnis bewerten müsse, kritisierte Flick. "So langsam kann man die sogenannten Experten gar nicht mehr hören, auch Herrn Lauterbach."

Der reagierte postwendend. "Sogenannte Experten" äußern sich, weil Journalisten sie um Einschätzung bitten. Wenn Hansi Flick anderer Meinung ist, soll er einfach seine Argumente bringen", twitterte Lauterbach.

Kühnert erwartet Entschuldigung von Flick bei Lauterbach

Kühnert betonte, Lauterbach und andere Experten seien in diesen Tagen "Morddrohungen" und "Gewaltphantasien" ausgesetzt. Wenn man dann "einfach unreflektiert draufhaut, sie als "sogenannte Experten" bezeichnet und in der Sache gar nicht begründet, wo der Widerspruch liegt, dann trägt man auch eine Mitverantwortung, dass so ein Klima des Hasses gesät wird", sagte Kühnert im Interview mit dem Sportinformationsdienst. "Deswegen", so der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD weiter, "würde ich mir wünschen, dass man diese Aussagen noch einmal überdenkt und sich auch bei Karl Lauterbach entschuldigt."

Dass Flick zum Zeitpunkt seiner Aussage von den heftigen Drohungen gegen Lauterbach nichts wissen konnte, ließ Kühnert nicht gelten. Im Gegenteil, Kühnert legte nach, dass ihm im Profifußball "Demut" fehle und dass die Gruppe der Fußballer "zu den Privilegierten in unserer Gesellschaft gehört".

Kubicki fehlt die Differenzierung in der Debattenkultur

Unterstützung bekommt Bayern-Trainer Flick von FDP-Politiker Wolfgang Kubicki. "Auch ich halte den Alarmismus von Karl Lauterbach für kontraproduktiv - vor allem, weil er sich nicht damit beschäftigt, wie es gelingen kann, mit dem Virus zu leben. Selbstverständlich brauchen wir bei der Bewältigung der Corona-Krise mehr Licht am Ende des Tunnels." Kubicki mahnte eine bessere Debattenkultur an. Ihm bereite "die Unerbittlichkeit in der Debattenkultur mittlerweile große Sorgen. Corona hat leider ein dumpfes Schwarz-Weiß-Denken befördert, das Differenzierungen nicht mehr zulässt. Dann geht es am Ende nicht mehr um den besseren Weg, sondern um Selbstbehauptung. Das ist eine fatale Entwicklung."

Linke empfiehlt Flick das "Vorhalten eines Spiegels" vor sich selbst

Laut Andre Hahn, Obmann der Linken im Sportausschuss, drehe sich der Profifußball vor allem um sich selbst. Das geringe Verständnis für die Wünsche der Spieler und des Managements des FC Bayern bezüglich bevorzugter Impfungen mache sich jetzt eben auch in sinkenden Sympathiewerten für den Fußball bemerkbar, meinte Hahn: "Insofern sollte Herr Flick auch mal selbst in den Spiegel schauen."

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