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Fußball-Genie und tragischer Held - Zum Tod von Maradona | BR24

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Die Fußball-Welt trauert um Diego Maradona. Der argentinische Ex-Fußball-Weltmeister erlag im Alter von 60 Jahren einem Herzinfarkt. Die Regierung in Buenos Aires hat bereits eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

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Fußball-Genie und tragischer Held - Zum Tod von Maradona

Auf dem Rasen narrte er seine Gegner, neben dem Platz stürzte Diego Maradona sich ins Delirium: Mehr als einmal sprang der argentinische "Goldjunge" dem Tod von der Schippe. Vom Leben eines Ausnahmespielers.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Bernd R. Eberwein
  • Bernhard Heckler

Die Fußball-Welt trauert um Diego Armando Maradona. Der argentinische Nationalheld, dieser geniale Künstler am Ball, dessen Leben so viele tragische Wendungen nahm, ist heute im Alter von nur 60 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Er war Weltmeister, Serienmeister, UEFA-Cup-Sieger, Dopingsünder, gescheiterter TV-Moderator und Kokain-Junkie in Personalunion - eigentlich viel zu viel für ein einziges Leben. Erst kürzlich hatte der "Goldjunge" einen Krankenhaus-Aufenthalt überstanden. Argentinien weint.

Es gibt unzählige Anekdoten über Maradona: Wie er seine Gegenspieler reihenweise narrte, wie er sogar den Tod gerade noch umdribbelte, wie er mit einem Luftgewehr auf Journalisten schoss oder sogar eine Kirche nach ihm benannt wurde. Als Fußballer war Maradona so unbeschreiblich gut wie vielleicht niemand davor oder danach. Als Mensch war er viele Jahre später mal so dick, dass er kaum sprechen konnte. Diego Armando Maradona: Dieser Name steht für ein Leben zwischen den Extremen, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Genie und Wahnsinn.

Maradona als Stargast bei Matthäus' Abschiedsspiel

Will man verstehen, wie eng bei Maradona Genie und Wahnsinn beisammen liegen, lohnt sich eine Zeitreise zurück ins Jahr 2000 nach München: Deutschlands Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus hatte zu seinem Abschiedsspiel ins Olympiastadion geladen. Misstrauisch wurde Matthäus' Ankündigung aufgenommen, dass Maradona - quasi als Stargast - kommen werde.

Denn der war Anfang 2000 nach Kuba geflüchtet. Nicht der Zigarren und des Rums wegen. Maradona war schwer krank und wegen einer Drogen-Entziehungskur auf Castros fideler Zuckerinsel, wo er bis 2005 neben dem Entzug auch noch mindestens drei, vielleicht auch vier, Kinder gezeugt hat.

Die Aura des einzigartigen Fußballspielers bleibt - trotz Übergewicht

Beim Matthäus-Abschiedsspiel war Maradona tatsächlich da. Vier Tage Pause nahm er sich vom Drogen-Entzug auf Kuba, um dem Wunsch seines Freundes - Matthäus und Maradona kennen und schätzen sich seit dem ersten Aufeinandertreffen in einem Länderspiel 1981 - zu folgen.

Und obwohl Maradona im Münchner Olympiastadion - übergewichtig, aufgedunsen, unbeweglich - nur wie eine Karikatur seiner selbst wirkte, blitzte in den Momenten, in denen er den Ball bekam, immer wieder auf, warum ihn der Mythos eines einzigartigen Fußballers umwehte.

Erst vor zwei Wochen aus Krankenhaus entlassen

Maradona war erst vor zwei Wochen, am 11. November, aus einem Krankenhaus in einem Vorort von Buenos Aires entlassen worden. Er hatte sich dort wegen einer Gehirnblutung einer Operation unterzogen. Maradona habe den möglicherweise schwierigsten Moment seines Lebens überstanden, sagte sein Anwalt Matías Morla da. Der frühere "Pibe de Oro" (Goldjunge) sei gewillt, sich wegen persönlicher Probleme zu rehabilitieren Der Anwalt kündigte an: "Es wird Maradona noch eine Weile geben."

Im September 2019 übernahm Maradona den Trainerposten beim Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata. Auf Instagram zeigte er sich mit einem kleinen Hund auf dem Arm, mit einer Taktiktafel im Garten oder mit einer einem Astronautenhelm ähnelnden Spezialmaske zum Schutz vor dem Coronavirus auf dem Kopf. Auf den Fotos sieht Maradona meist schlank und gesund aus, einmal trug er sogar eine modische Brille. Die Botschaft war: Es geht ihm gut. "Man muss anmerken, dass er seine Lebenskrise, die da entstanden ist nach dem Fußball, anscheinend gemeistert hat", sagte Günter Netzer kurz vor Maradonas 60. Geburtstag am 30. Oktober.

Maradonas Legende beginnt am Stadtrand von Buenos Aires

Maradona ist für viele Menschen ein Mythos geblieben. Seine Legende beginnt in der Siedlung Villa Fiorito am Rande von Buenos Aires, wo der Goldjunge früh vom Erstligisten Argentinos Juniors entdeckt wird. Als zwölf Jahre alter Balljunge soll er den Zuschauern mit seinen Kabinettstückchen während der Halbzeitpausen schon mehr Unterhaltung als die erste Mannschaft geboten haben. Im Alter von 15 Jahren gibt er sein Debüt in der ersten Liga, mit 16 ist er Nationalspieler, mit 17 Torschützenkönig und als 19-Jähriger erstmals Südamerikas Fußballer des Jahres.

Ob er der neue Pelé ist, wollen argentinische Reporter damals von ihm wissen. "Ich bin Maradona, kein neuer Irgendwas. Ich will einfach nur Maradona sein", antwortet der junge "Diegito". Und das ist ihm ohne Zweifel gelungen. Sein Lebensweg ist unvergleichlich. Am Anfang ist der Erfolg immens. 1982 wechselt Maradona für eine Rekordablösesumme zum FC Barcelona, wo er zwei Jahre bleibt. Für eine weitere Rekordablöse wechselt er dann zum SSC Neapel, also nicht zu den großen Clubs im Norden Italiens, sondern zum verspotteten Fast-Absteiger in den verachteten Süden. "Kloake Italiens", tönen Juve- oder Milan-Fans beim direkten Duell. In dieser "Kloake" beginnt Maradonas Verwandlung zum Halbgott.

In Neapel beginnt Maradonas Verwandlung zum Halbgott

Maradona steigt höher und höher, 1987 und 1990 führt er Neapel zu den bis heute einzigen Meisterschaften der Vereinsgeschichte. Schon bei seiner Begrüßung hatten mehr als 70.000 Fans ihn im Stadio San Paolo empfangen, später warten die Menschen immer wieder vor der Haustür des Idols, in der Hoffnung, ihn zu treffen. Einmal soll eine Krankenschwester eine Blutprobe von ihm gestohlen und in die Kirche gebracht haben. Die Neapolitaner verehren ihn wie einen Heiligen.

So lange er Fußball spielt, kommt Maradona mit dem Hype um seine Person zurecht. Auf dem Rasen wird er besser und besser."Auf dem Platz wird das Leben unwichtig. Die Probleme, all das wird unwichtig", sagt er in der Amazon-Dokumentation "Diego Maradona". Mit Argentinien wird er 1986 Weltmeister, 1989 gewinnt er mit Neapel auch noch den UEFA-Pokal.

Maradona verfällt dem Kokain

Später wird klar, dass es zwei Maradonas gibt: Den Goldjungen auf dem Rasen und den Draufgänger abseits des Platzes. Auf dem Rasen ist er unkontrollierbar für seine Gegner - abseits des Platzes verliert er die Kontrolle über sich selbst. Er verfällt dem Kokain.

"Eine Line - und ich fühlte mich wie Superman." Diego Maradona über seine Kokainsucht

Er zieht zum Teil von Sonntagabend bis Mittwoch um die Häuser, um danach bis zum nächsten Spiel am Wochenende wieder alles auszuschwitzen. Seine Nationalmannschaftskarriere endet bei der WM 1994 wegen einer zweiten, monatelangen Doping-Sperre durch die FIFA.

Argentinier beten das "Diego Unser" in einer Maradona-Kirche

Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd. Der Rummel um Maradona nahm bisweilen groteske Ausmaße an. So gab es ein Maradona-Museum, ein Maradona-Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das "Diego Unser" gebetet wurde. Nach seiner Fußballkarriere suchte Maradona auch immer wieder die Nähe zu den linken Caudillos Lateinamerikas. Gerne zeigte er sich an der Seite von Fidel Castro, Hugo Chávez oder Nicolás Maduro.

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Maradona und Fidel Castro (l.).

"Diego hatte ein Leben wie ein Traum. Und wie ein Alptraum", sagte sein langjähriger Fitnesstrainer Fernando Signorini. Unvergessen sind die "Hand Gottes", mit der er bei der WM 1986 gegen England getroffen hatte, oder sein Jahrhunderttor nach einem unfassbaren Dribbling im selben Spiel. Unvergessen sind aber auch die Jahre später erschienenen Bilder vom kugelrunden Maradona mit schrillblonden Haaren. Er scheiterte als TV-Moderator und argentinischer Nationalcoach, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, ließ sich den Magen verkleinern und schrammte mehrmals knapp am Tod vorbei.

Behandelnder Arzt: "Ich glaube, er hält sich für einen Gott"

"Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein", sagte vor vielen Jahren mal der Leiter der Klinik Güemes in Buenos Aires, Héctor Pezzella, wo Maradona 2007 in Behandlung war.

Der Ausnahme-Spieler hat sich nie geschont, weder auf noch neben dem Platz. "Er lebt jeden Moment, als wäre es sein letzter", sagte sein Fitnesstrainer Signorini einmal. "Wenn Diego einmal nicht mehr da ist, wird er noch mehr geliebt werden."

Mit dpa-Material

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