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Nach Monaten der Geisterspiele will die UEFA bei der EM unbedingt Fans in die Stadien bringen. Das Geisterspiel-Verbot von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat beim EM-Gastgeber München für Unverständnis und Kritik gesorgt.

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Fußball-EM: Münchens OB Reiter kontert Ceferin-Forderung

Die UEFA plant die Fußball-Europameisterschaft weiter in zwölf Städten. Allerdings will UEFA-Präsident Aleksander Ceferin Staatsgarantien dafür, dass Zuschauer in die Stadien dürfen. Die Stadt reagierte mit einer Stellungnahme.

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Bis zum 7. April möchte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin die verbindliche Zusage der zwölf EM-Gastgeberstädte, dass Fans bei den Spielen zugelassen werden. "Wir haben mehrere Szenarios, aber die eine Garantie können wir geben, nämlich dass es keine Option ist, in leeren Stadien zu spielen", so der Slowene in einer Mitteilung der UEFA. "Jeder Gastgeber muss garantieren, dass Fans im Stadion sein werden."

Die UEFA relativierte später diese Aussagen: Keine der Ausrichterstädte werde "automatisch" gestrichen, sollten Zuschauer dort ausgeschlossen bleiben, teilte der Dachverband mit. Es müsse dann aber abgewogen werden, ob es nicht sinnvoller wäre, die Partien an einen anderen Ort zu verlegen.

OB Reiter irritiert: "Kann nicht in die Zukunft sehen"

Das trifft natürlich auch München, wo dies nach bisheriger Rechtslage momentan nicht möglich wäre. Oberbürgermeister Dieter Reiter ließ am Mittwoch erklären: "So sehr ich mir wünschen würde, in die Zukunft schauen zu können, ich kann es leider nicht. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, ob es das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie zulässt, im Juni Zuschauer zuzulassen oder nicht. Klar ist aber, dass Veranstaltungen dieser Art mit Zuschauern nach den aktuellen Vorschriften nicht erlaubt sind."

Dass die Ceferin-Aussage im Rathaus zu leichten Irritation geführt hat, schimmert in der Erklärung ebenfalls durch: "Ich würde mir gerade in diesen Zeiten wünschen, dass die Verantwortlichen der UEFA hier den direkten Austausch mit den Gastgeber-Städten suchen, um gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten.“

DFB-Vize Koch: "Gesundheit geht vor"

Bei Exekutivmitglied Rainer Koch klang das kürzlich noch etwas anders. Der DFB-Vizepräsident sagte, er hoffe darauf, dass die UEFA Fans zulassen kann und formulierte es so: "Wir werden alles daransetzen, auch bei der UEFA, die Menschen wieder in die Stadien zu bringen (...) so weit es verantwortet werden kann. Natürlich geht die Gesundheit vor."

Freitag: Forderung entlarvt "Hybris" der UEFA

Dagmar Freitag, Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, meldete sich am Mittwoch ebenfalls zu Wort. Laut Freitag dokumentiert die UEFA-Forderung "nur einmal mehr die dort herrschende Hybris und zeigt erneut, wie weit sich die Parallelwelt des Fußballs von der aktuellen Lebenswirklichkeit unserer Gesellschaften entfernt hat, in der wir Kindern und Jugendlichen seit mehr als einem Jahr das Vereinstraining verbieten".

Die SPD-Politikerin verwies die UEFA zudem verbal in die Schranken. "Noch ist es allerdings so, dass nicht die UEFA entscheidet, unter welchen Bedingungen die Spiele stattfinden werden, sondern dass staatlich erlassene Maßnahmen Geltung haben", sagte sie. "Niemand weiß, wie die Situation in wenigen Monaten sein wird, aber ich erwarte, dass in Deutschland der Gesundheitsschutz grundsätzlich einen höheren Stellenwert hat als Forderungen eines Sportverbandes. Wenn andere Länder einknicken, ist es so. Deutschland, Bayern oder die Stadt München sollte da allerdings nicht zugehören."

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UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

Fragezeichen hinter dem EM-Turnier werden größer

Knapp drei Monate vor dem Endrunden-Beginn am 11. Juni werden die Fragezeichen hinter dem Turnier, das nach wie vor unter dem Titel EURO 2020 läuft, größer statt kleiner.

Und konkrete Antworten hat die UEFA noch nicht parat. Ob die Entscheidung über das Format tatsächlich schon Anfang April fällt, erscheint aufgrund der dynamischen Entwicklungen rund um die Pandemie fraglich. Es ist durchaus möglich, dass der Verband erst beim Kongress am 20. April oder sogar noch später einen Entschluss fasst. Die zwölf Spielstätten inklusive München, die bei der ersten paneuropäische EM dabei sein sollen, müssen sich also weiter in Geduld üben.

UEFA will "flexibel über Turniermodalitäten entscheiden"

Dass die UEFA nach wie vor auf Zeit spielt, ist ihr angesichts der unübersichtlichen Lage nicht einmal zu verdenken. Schließlich will sich der Verband so lange wie möglich die Option offen halten, kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen wie das derzeitige Aussetzten der Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff zu reagieren. Daraus machte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nie einen Hehl: "Es ist notwendig, flexibel über die Modalitäten des Turniers zu entscheiden."

So bleibt es vorerst bei der offiziellen Sprachregelung, wonach die EM in zwölf Städten (München, Amsterdam, Baku, Bilbao, Budapest, Bukarest, Dublin, Glasgow, Kopenhagen, Rom, St. Petersburg und London) ausgetragen werden soll. "Wir sind im ständigen Austausch mit der UEFA", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff zuletzt: "Die UEFA plant weiter mit zwölf Standorten. Andere Infos habe ich nicht."

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