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Franz Beckenbauer - Lichtgestalt mit Schattenseiten | BR24

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Weltmeister als Spieler und Trainer, Organisator der Heim-WM 2006, dazwischen FC-Bayern-Präsident und Werbe-Ikone. Doch in der "Sommermärchen"-Affäre fällt Schatten auf die Lichtgestalt. Am 11. September 2020 wird Franz Beckenbauer 75 - ein Porträt.

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Franz Beckenbauer - Lichtgestalt mit Schattenseiten

Franz Beckenbauer ist 75. Der "Kaiser" hat sich immer als Glückskind gesehen, in den vergangenen Jahren sind auf die Lichtgestalt aber auch Schatten gefallen. Und zum ersten Mal, sagt er, sei er "ein bisschen nachdenklich."

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Er ist der "Kaiser", ein begnadeter Fußballer, der alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt und der als Trainer seinen Erfolg fortsetzte, um zur Lichtgestalt aufzusteigen. Mit dem "Sommermärchen" 2006 krönte er als WM-OK-Chef sein Lebenswerk. Doch ausgerechnet die Fußball-WM 2006 sollte später noch einen dunklen Schatten auf Beckenbauer werfen.

Erfolge von Anfang an

Der Sohn eines Postobersekretärs aus dem Münchner Stadtteil Obergiesing spielte in der Jugend zunächst für den SC 1906 München. Und schon damals zeichnete sich ab: Der Junge konnte wie kein anderer mit dem Ball umgehen. Sein Weg war vorgezeichnet.

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Wie alles begann: Wegen einer "Watschn" in einem Spiel gegen den TSV 1860 München wechselte Beckenbauer vom SC 1906 zum FC Bayern

Debüt beim FC Bayern mit 18 Jahren

Mit 18 Jahren debütierte er beim FC Bayern, mit gerade einmal 20 Jahren verzauberte er im 1966er-WM-Team ganz Fußballdeutschland. Und war schon in jungen Jahren Werbe-Ikone und Vorbild für eine ganze Fußballnation.

"Alle Sonntage der Welt sind in mir vereint." Franz Beckenbauer
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Franz Beckenbauer war schon früh in der Werbung gefragt. Dass er damit auch Geld verdiente, dafür sorgte Manager Robert Schwan.

Die glorreiche FC-Bayern-Mannschaft der 70er-Jahre

Was dann folgte, war eine einzige große Erfolgsgeschichte, die mit dem dreimaligen Gewinn des Europapokals der Landesmeister, der heutigen Champions League, in den Jahren 1974 bis 1976 gekrönt wurde.

Außerdem wurde Beckenbauer mit dem FC Bayern als Spieler viermal Deutscher Meister, viermal DFB-Pokalsieger, holte einmal den Europapokal der Pokalsieger und gewann 1976 den Weltpokal.

Gegen Ende seiner Karriere spielte er für Cosmos New York und den Hamburger SV. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1966 in England zunächst Vize-Weltmeister, 1972 Europa- und schließlich bei der Heim-WM 1974 Weltmeister.

"Ich wollte raus, ich wollte Fußballspielen." Franz Beckenbauer

"Teamchef" Beckenbauer wird Weltmeister in Rom

Nach seinem Karriereende als aktiver Spieler im Jahr 1983 wechselte Beckenbauer auf die Trainerbank. 1984 übernahm er als Teamchef (Bundestrainer durfte er sich wegen des fehlenden Trainerscheins nicht nennen) die Nationalmannschaft von Jupp Derwall. 1990 holte der damals 44-Jährige auch als Trainer den Weltmeisterpokal und wurde damit endgültig zur Lichtgestalt des deutschen Fußballs.

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1990 holte Franz Beckenbauer als Trainer den Weltmeistertitel

Skandal um das "Sommermärchen"

Nach seiner Zeit als Spieler und Trainer war Beckenbauer von 1994 bis 2009 Präsident des FC Bayern München. Zusammen mit dem damaligen Manager Uli Hoeneß formte er den FCB zu einem international wettbewerbsfähigen Verein.

1998 wurde er Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und machte die Bewerbung für die WM 2006 zur "Kaisersache".

Für das "Sommermärchen" in Deutschland flog er rund um die Erde und kassierte dafür offenbar eine ordentliche, aber ungeklärte Aufwandsentschädigung. Erste Schatten fielen auf die Lichtgestalt. Beckenbauer musste sich erklären, aber er blieb vage in seinen Ausführungen.

"Ich habe damals alles Mögliche unterschrieben." Franz Beckenbauer

Aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen

Zu einer gerichtlichen Aufklärung kam es nicht - seine Gesundheit sei zu stark angegriffen, hieß es. "Was da alles war in den letzten Jahren. Mit all den Operationen und auch mit der Geschichte 2006. Das hat mich schon sehr mitgenommen", sagte Beckenbauer kurz vor seinem Geburtstag in einem Zeitungsinterview.

Seit 2016 musste Franz Beckenbauer unter anderem zweimal am Herzen operiert werden. Aus der Öffentlichkeit hat er sich weitgehend zurückgezogen - immerhin war er nach der Corona-Pause zweimal im Stadion beim FC Bayern.

Alter macht Beckenbauer "zum ersten Mal nachdenklich"

Dem FC-Bayern-Klubmagazin "51" hat er nun ein selten gewordenes Interview gegeben zu seinem 75. Geburtstag und bekannt: Dieses Alter mache ihn "zum ersten Mal in meinem Leben ein bisschen nachdenklich." Über den Tod hat Beckenbauer häufig philosophiert, und er war auch direkt mit ihm konfrontiert: Am 31. Juli 2015 starb sein drittgeborener Sohn Stephan im Alter von 46 Jahren an einem Hirntumor.

Das Grübeln zum 75., sagt er nun, rühre daher, "dass man zwangsläufig mal an den Punkt kommt, an dem man darüber nachdenkt, dass das Leben endlich ist: Wann ist es so weit, dass Du entschwindest?" Wenn er zurückblicke, sei er "sehr zufrieden", versichert Beckenbauer, und das sei "das Wichtigste."

"Glück ist kein Dauerzustand. Aber es gibt glückliche Momente im Leben. Wenn man sie lange festhalten und sie wiederholen kann: Das ist großes Glück." Franz Beckenbauer

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