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Franz Beckenbauer und das "Sommermärchen" | BR24

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Weltmeister als Spieler und Trainer, Organisator der Heim-WM 2006, dazwischen FC-Bayern-Präsident und Werbe-Ikone. Doch in der "Sommermärchen"-Affäre fällt Schatten auf die Lichtgestalt. Am 11. September 2020 wird Franz Beckenbauer 75 - ein Porträt.

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Franz Beckenbauer und das "Sommermärchen"

Franz Beckenbauer wird 75. Der Macher, dem fast alles gelingt, musste in seinem Leben auch schwierige Phasen durchleben. Seine Rolle als Organisationschef der WM 2006 und beim "Sommermärchen"-Skandal wurde nie ganz aufgeklärt.

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"Ein bisschen nachdenklich", sei er, wenn er auf die Zahl "75" blickt, sagte Franz Beckenbauer wenige Tage vor seinem Geburtstag am 11. September 2020 in einem Interview mit dem FC-Bayern-Vereinsmagazin. Beckenbauer, der in seiner langen Spieler-, Trainer- und Funktionärskarriere fast immer vom Glück verfolgt schien, erlebte mit der "Sommermärchen"-Affäre die wohl düstersten Momente im Leben einer Lichtgestalt.

Der Versuch einer Chronologie

Am 27. April 2005 überwies das Organisationskomitee (OK) der Fußball-WM 2006 unter Beckenbauer zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) an den Weltverband FIFA mit Sitz in der Schweiz. Das Geld wurde als Beitrag für eine WM-Gala deklariert. Diese fand allerdings nie statt. Das Geld landete stattdessen noch am selben Tag auf einem Konto des französischen Unternehmers Robert Louis-Dreyfus - als Rückzahlung eines Kredits.

Geld "verschwindet" auf Konto eines FIFA-Funktionärs

Bereits im Jahr 2002 hatte der damalige WM-OK-Chef Franz Beckenbauer ein Darlehen von Louis-Dreyfus (damals Chef von adidas) in gleicher Höhe erhalten. Das Geld "verschwand" auf Konten des damaligen FIFA-Exekutiv-Mitglieds Mohamed bin Hammam. Die FIFA sperrte den Geschäftsmann aus Katar 2011 wegen Korruption lebenslang. Wofür bin Hammam das Geld aus Deutschland erhielt, bleibt unklar.

Gefälligkeit, Schmiergeld oder verdeckte Vergütung?

Die wegen Betrugs ermittelnde Schweizer Justiz ging davon aus, dass es sich um eine Gefälligkeit Beckenbauers an bin Hammam handelte, damit sich dieser im Gegenzug für einen FIFA-Zuschuss über 250 Millionen Franken an das WM-OK einsetzte.

Darüber hinaus gibt es Vermutungen, es habe sich um Schmiergeld für Stimmen bei der Wahl des WM-Gastgebers 2006 gehandelt (Deutschland hatte die Wahl im Jahr 2000 mit 12:11 Stimmen gegen Südafrika gewonnen) - oder das Geld sei als verdeckte Vergütung für Beckenbauers WM-Engagement verwendet worden. Beckenbauer bestritt stets alle Vorwürfe oder schwieg.

Vorwürfe gegen Beckenbauer inzwischen verjährt

Nach Schweizer Recht verjährt ein Betrugsvorwurf 15 Jahre nach der Straftat, wenn bis dahin kein Urteil in erster Instanz ergangen ist. Im konkreten Fall war dies am 27. April 2020.

Auch die beiden Ex-DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach, der ehemalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und der frühere FIFA-Generalsekretär Urs Linsi standen im Fokus der Ermittlungen. Bis in alle Details wird die "Sommermärchen"-Affäre wohl nie aufgeklärt.

"Was da alles war in den letzten Jahren. Mit all den Operationen und auch mit der Geschichte 2006. Das hat mich schon sehr mitgenommen", sagte Beckenbauer. Nachdenklich.