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Fußball-Spielszene und Bildschirm mit dem Enthüllungsblog "Football Leaks"
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Autoren

Bernd Eberwein
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Fußball-Spielszene und Bildschirm mit dem Enthüllungsblog "Football Leaks"

Die Pläne zur Gründung einer europäischen Superliga gehen aus "Football Leaks"-Dokumenten vor, die dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorliegen und mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) und Partnerredaktionen des europäischen Recherchenetzwerks "European Investigative Collaborations" (EIC) geteilt wurden. Beteiligt sind Medien aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Kroatien, den Niederlanden, Rumänien und Portugal.

Die europäische Superliga - darum geht's

Nach den neuesten Enthüllungen haben elf europäische Fußballvereine eine "bindende Absichtserklärung", die noch im November 2018 von den beteiligten Klubs unterzeichnet werden soll. Zu den elf Gründungsmitgliedern, darunter der FC Bayern München, sollen sich auf Einladung noch fünf weitere Teams, darunter Borussia Dortmund, gesellen. 16 Teams, die dann ab der Saison 2021/22 in der "European Super League" (ESL) um den Titel spielen sollen.

Inwiefern der FC Bayern und Dortmund weiterhin in der Fußball-Bundesliga bleiben könnten, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Auch der genaue Spielmodus der ESL wird nicht skizziert. Nicht genannt ist im Entwurf der europäische Fußballverband UEFA, der offenbar komplett außen vor wäre.

Alle Recherche-Infos im Überblick bei Sportschau.de

Orientieren sich die Fußballklubs am Basketball?

Dem Fußball könnten somit Verhältnisse wie im Basketball drohen. Dort kehrten im Jahr 2000 24 Teams dem europäischen Basketballverband FIBA den Rücken und spielen seitdem den Champion in der EuroLeague aus. Der bis dahin von der FIBA ausgetragene Europapokal der Landesmeister verlor erst an Bedeutung und wurde schließlich komplett eingestellt.

Diese 16 Mannschaften wollen in die ESL

Kommt tatsächlich eine europäische Superliga, würde die UEFA Champions League ebenfalls merklich an Qualität verlieren, weil praktisch alle relevanten Topklubs in der neuen ESL spielen würden. Als Gründungsmitglieder werden in den "Football Leaks"-Dokumenten Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, Bayern München, Juventus Turin, FC Chelsea, FC Arsenal, Paris Saint-Germain, Manchester City, FC Liverpool und AC Mailand genannt. Die fünf Gastteams sind Borussia Dortmund, Atlético Madrid, Olympique Marseille, Inter Mailand, AS Rom.

Video: Die BR-Sport-Analyse der neuesten Football Leaks: "Der FC Bayern müsste die Bundesliga verlassen", sagt BR-Reporter Christoph Nahr

Video: Die BR-Sport-Analyse der neuesten Football Leaks: "Der FC Bayern müsste die Bundesliga verlassen", sagt BR-Reporter Christoph Nahr

Kommen noch weitere Enthüllungen?

Die ECI-Journalisten greifen bei ihren Recherchen unter anderem auf Informationen der Enthüllungsplattform "Football Leaks" zurück. Diese veröffentlicht seit 2015 brisante Informationen und vertrauliche Daten zu den Geldflüssen im Profifußball. Seit Anfang 2016 hat das ECI-Netzwerk Zugang zu diesen Daten. In einer ersten Veröffentlichungswelle seit Dezember 2016 wurden unter anderem Spielerverträge oder Dokumente über das Steuerzahlerverhalten von Profifußballern veröffentlicht. Mit der neuesten Enthüllung läutet die ECI die zweite Welle ein.

Bayerns Rummenigge fordert Superliga schon länger

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München, forderte die Einführung einer europäischen Superliga schon länger, erstmals 2016. "Ich schließe es nicht aus, dass man in Zukunft eine europäische Liga gründet, in der die großen Teams aus Italien, Deutschland, England, Spanien und Frankreich spielen", zitierte ihn die "Süddeutsche Zeitung" damals. "Ich vermute, dass diese Liga eines Tages kommen wird. Aber fragen Sie mich nicht, wann", wurde Rummenigge dann erst in der vergangenen Woche in einem Interview des Magazins "11Freunde" zitiert. "Ich bin froh, dass die Gründung nicht mehr in meine Verantwortung als Chef der ECA fällt", sagte er. Rummenigge war von Januar 2008 bis September 2017 Vorsitzender der "European Club Association" (ECA), einer unabhängigen Interessenvertretung europäischer Fußballklubs.

FC Bayern weiß nichts von Superliga-Plänen

Der FC Bayern München hat als Reaktion auf die Rechercheergebnisse ein Bekenntnis zur Bundesliga und zu den bestehenden Europokal-Wettbewerben abgegeben. "Der FC Bayern München steht zu seiner Mitgliedschaft in der Fußball-Bundesliga, und solange ich Vorstandsvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von UEFA und ECA gemeinsam organisierten Club-Wettbewerben", wird Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge in einer Mitteilung des Vereins zitiert.

TV-Tipp: Football Leaks - von Gier, Lügen und geheimen Deals

Die neuesten Enthüllungen des Recherchenetzwerks ECI, Sonntag, 4. November, 21.45 Uhr im Ersten