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Hansi Flick (l.) und Hasan Salihamidzic

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Flick und Salihamidzic: Chronik eines Zerwürfnisses

Beim FC Bayern München könnte der Konflikt zwischen Trainer Hansi Flick und Sportdirektor Hasan Salihamidzic abrupt eine erfolgreiche Ära beenden. Das Verhältnis ist schon länger gestört, wie der Blick in die Vergangenheit zeigt.

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Von
  • Julian Ignatowitsch
  • Christoph Nahr

Vor dem entscheidenden Champions-League-Spiel in Paris (Di., 21 Uhr auf B5 aktuell) scheint das Tischtuch endgültig zerschnitten zu sein. Trainer Flick hatte sich zuletzt einen Maulkorb verpasst, nach dem 1:1 gegen Union Berlin aber erneut seinen Unmut kundgetan: "Glauben Sie mir macht das Ganze Spaß?", fragte er am BR-Mikrofon rhetorisch. Torwart Manuel Neuer forderte "mehr Ruhe" und Präsident Herbert Hainer bemühte sich diese herzustellen, indem er davon sprach, dass Flick auch über den Sommer hinaus Bayern-Trainer sein werde.

Daran glauben aber nur noch die wenigsten. Auch Flick-Biograph Günter Klein ist skeptisch: "Entweder er setzt durch, dass beim FC Bayern mehr auf ihn gehört wird, oder er sagt, dann gehe ich als Trainer, der sechs Titel in einer Saison erreicht hat", sagt Klein. Flick ist erster Kandidat für die Bundestrainer-Nachfolge von Joachim Löw.

Zwist beginnt im Januar 2020

Die Unstimmigkeiten bei den Bayern begannen bereits im Januar 2020, nur ein paar Wochen nach Flicks Amtsantritt. Im Trainingslager in Katar bemängelte Flick die Kaderzusammenstellung und forderte öffentlich Verstärkung. Salihamidzic reagierte empfindlich: "Ich war überrascht, dass Hansi mediale Kaderplanung betrieben hat. Davon bin ich kein Freund", antwortete er. Dass der in der Folge verpflichtete Rechtsverteidiger Alvaro Odriozola nur 179 Pflichtspielminuten bestritt, machte den Meinungsstreit nur größer.

Kaderplanung bleibt ein Streitpunkt

Schon vor seiner Vertragsverlängerung sprach Flick von einem "Veto-Recht" des Trainers bei Transfers, Salihamidizic und der Vorstand widersprachen. Die Transferphase im Sommer brachte neue Probleme: Flick bedauerte den Abgang von Thiago und nahm die Verpflichtungen von Leroy Sané und Alexander Nübel zur Kenntnis. Am Deadline Day kamen mit Marc Roca, Douglas Costa, Eric Maxim Choupo-Moting und Bouna Sarr weitere vier Neue - meistens blieben sie auf der Bank.

Immer wieder war zu hören, dass Flick mit der Transferpolitik nicht zufrieden sei. Daneben führte auch die Leihe des jungen Portugiesen Tiago Dantas, der auf Initiative Flicks kam, zu Unruhe auf dem Bayern-Campus. Dort hätte man lieber Spieler aus den eigenen Reihen den Vorzug gegeben.

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Der Konflikt beim FC Bayern München zwischen Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic schwillt an. Über die Beweggründe von Flicks Aussagen spricht sein Biograph Günter Klein bei Blickpunkt Sport.

Verbale Entgleisung

Das nächste Kapitel Anfang des Jahres 2021: Im Poker um Verteidiger David Alaba deutete sich eine Abschied an. Auch hier machte Flick kein Geheimnis daraus, dass er den Spieler gerne behalten würde. Die Bayern stoppten wenig später die Vertragsverhandlungen. Die persönlichen Differenzen zwischen Flick und Salihamdizic nahmen kein Ende. Im Mannschaftsbus soll Flick zu Salihamidzic gesagt haben: "Jetzt halt endlich mal das Maul" - er entschuldigte sich.

Dazu kam der Rücktritt von Jogi Löw als Bundestrainer. Flick war von Beginn an ein heißer Kandidat auf die Nachfolge, was immer wieder für Unruhe beim FCB sorgte. "Wir sind eher Opfer. Es wird über unseren Trainer diskutiert, weil im DFB eine Stelle frei wird", sagte Präsident Hainer jüngst zu den Gerüchten.

Eskalation beim Paris-Spiel

Als Salihamidzic sich dann vor dem Champions-League-Hinspiel gegen Paris hinstellte und den Abgang von Jerome Boateng bestätigte, machte Flick erneut öffentlich sein Unverständnis für diese Personalentscheidung deutlich. Anschließend ließ er sich sogar zu der Aussage hinreißen, dass er als Bayern-Trainer immer wieder "schauspielern" müsse.

Verhältnis nicht mehr intakt

Offensichtlich ist: Das Verhältnis zwischen Trainer und Sportdirektor ist nicht mehr intakt - und das zeigt insbesondere Flick auch nach außen hin deutlich. "Es ist ungewöhnlich, wie offensiv Hansi Flick mit der Situation umgeht", urteilt sein Biograph Günter Klein, der es so erklärt: "Es spricht dafür, dass er versucht, ehrlich zu sein." Die Mehrheit der Bayern-Fans steht hinter dem Trainer. Vorstand und Aufsichtsrat scheinen dagegen eher Salihamidzic den Rücken zu stärken, der auch Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß auf seiner Seite haben dürfte.

Dass Flick und Salihamidizic zusammen weitermachen, ist sehr fraglich. "Das Maximum wäre ein fachliches Miteinander", meint Klein. Wahrscheinlicher ist, dass Flick und der FC Bayern spätestens am Ende der Saison getrennte Wege gehen.

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