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Fitness aus der Schachtel: Mehr Bewegung im Alltag | BR24

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Inge Drechsel mit Schrittzähler

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    Fitness aus der Schachtel: Mehr Bewegung im Alltag

    Je älter wir werden, umso weniger bewegen wir uns. Hinzu kommt der Lockdown mit Home-Office und geschlossenen Sportstätten. Jetzt geht es dem Bewegungsmangel an den Kragen: Ein Startup aus Bayreuth hat eine Box voller Fitness-Anregungen entwickelt.

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    Von
    • Anja Bischof

    Inge Drechsel stellt ihren Schrittzähler auf Null, steckt das kleine grüne Kästchen in ihre Bauchtasche und läuft mit flotten Schritten in den Park hinein. Die Rentnerin aus Bayreuth ist eine der ersten, die eine SpoeGO-Box gekauft haben. In der recycelten Schuhschachtel stecken neben dem Schrittzähler ein Gymnastikband, ein Massageball und, als zentrales Element, ein Kalender mit Tagebuch-Funktion, Challenges und Übungen.

    Motivation und Fitness haben zugenommen

    Die Investition von 20 Euro für die SpoeGO-Box hat Inge Drechsel keine Minute bereut, denn sie hat ihr Leben bereichert: "Fast täglich geh ich raus und wenn es nur eine halbe Stunde ist. Es motiviert dazu, es spornt an." Vor allem der Schrittzähler hat es ihr angetan. Sie trägt ihn den gesamten Tag mit sich herum und addiert am Ende der Woche die Tagesergebnisse: Zwischen 30.000 und 40.000 Schritte legt Inge Drechsel zurück und das mache sich bemerkbar: "Ich bin fitter und ausgeschlafener", schwärmt sie und spannt das Theraband unter beide Füße, um zu demonstrieren, welche Kraft-Übungen sie zusätzlich regelmäßig macht.

    Mehr Bewegung für Menschen Ü55

    Die Erfinder der SpoeGO-Box sind Helena Müller, Nikolaj Penava und Isabella Baier. Alle drei sind Anfang 20 und studieren an der Uni Bayreuth. Im Rahmen eines Seminars haben sie das Start-up SpoeGO gegründet. "Uns war schnell klar, dass wir uns mit dem Thema Bewegungsmangel für Menschen ab Mitte/Ende 50 beschäftigen möchten", erklärt Helena Müller, die Sportökonomie studiert.

    Für das Start-up steuert sie ihre Expertise für Fitness bei, Nikolaj Penava ist der Betriebswirt im Team, eine von Isabella Baiers Stärken ist das Design. Die ersten Boxen haben sie Ende 2020 ausgeliefert. Auch nach dem Abschluss ihrer Studien möchten die drei GründerInnen SpoeGO weiterführen.

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    Inge Drechsel mit dem Theraband

    Viele kleine Anreize zum Loslegen

    "Das GO von SpoeGO wird bei uns groß geschrieben", sagt Helena Müller. "Es soll wie ein Startsignal sein." SpoeGO ist eine Ableitung von der Bezeichnung Spöko für Sportökonomie-Studierende. Als Fitnessexpertin weiß Helena Müller, dass viele kleine Anreize irgendwann Wirkung zeigen: "Deshalb haben wir Kleingeräte in die Box gepackt, die einfach zu handhaben sind und manchmal schon beim Anblick zum Loslegen animieren." Sie zieht den Deckel von der Schachtel und greift nach dem knallgrünen Gymnastikband.

    Klare Übungsbeschreibungen sollen Fehler verhindern

    Das Gymnastikband ist eines der effektivsten Kleingeräte überhaupt. Die SpoeGO-Gründer haben mehrere Übungen mit Band ausgewählt und sich in verschiedenen Positionen fotografiert. "In der Anfangs-, der Mittel- und der Endposition", erklärt Helena Müller und blättert durch das entsprechende Kapitel im SpoeGO-lender. "Hier stehen außerdem Informationen zur Ausführung und zur Intensität der Übungen, damit jeder individuell trainieren kann."

    Die Gefahr von Verletzungen hält die Studentin wegen der detaillierten Beschreibungen für gering. Nikolaj Penava ergänzt: "Wir haben bei den Übungen eine Telefonnummer hinterlegt, damit die Kunden bei Fragen anrufen können."

    Igelball für die Wohlfühlphase nach dem Training

    Nach dem Training soll eine Phase der Entspannung folgen. Dafür liegt der Igelball in der Box. Helena Müller nimmt den gelben Ball in die Hand und erklärt, wie er eingesetzt werden kann: "Es ist wichtig, nach dem Training die Faszien zu lockern und die Muskeln zu massieren. Dafür kann man mit dem Fuß über den Ball rollen oder ihn über die Oberschenkel kreisen. Das hat auch Wohlfühlcharakter."

    Die Verbesserungen schriftlich festhalten

    Der SpoeGO-lender ist wie ein kleines Buch mit mehreren Kapiteln. Er enthält beispielsweise einen Wochenplaner, der dazu motivieren soll, die Trainingsleistung aufzuschreiben. So kann man die Entwicklung verfolgen, zum Beispiel bei der Anzahl der Schritte pro Woche. "Die Kunden können ihr Training tracken und sehen, wie sie sich verbessert haben", betont Nikolaj Penava, denn das motiviere zum Weitermachen. Einige Challenges sollen auf spielerische Weise für weitere Motivation sorgen. Ein Beispiel für eine solche Challenge: "Mach einen Spaziergang in den Wald und bring fünf verschiedene Baumblätter mit."

    Sportwissenschaftlerin empfiehlt SpoeGO-Box für Gruppen

    Am Lehrstuhl Sozial- und Gesundheitswissenschaften des Sports der Uni Bayreuth freut sich Professor Susanne Tittlbach über die Kreativität, die in der SpoeGO-Box steckt. Gleichzeitig hält die Sportwissenschaftlerin eine derartige Box für zeitgemäß und sinnvoll: "Ganz tolle Anleitungen, ein toller 'Nudge', der die Menschen anstupst und ihnen zeigt: Bewegung ist ein Teil unseres Lebens, unseres Alltags, denn das ist vielen nicht bewusst."

    Nach der Pandemie sollte aber noch der soziale Aspekt dazukommen, meint Tittlbach. Die Box biete tolle Möglichkeiten, als Gruppe zum Beispiel an den Challenges zu arbeiten oder miteinander zum Beispiel noch ein paar Schritte fürs Wochenziel zu gehen. "Aus der Gesundheitsforschung wissen wir, dass es die Anbindung an eine Gruppe braucht, weil der soziale Aspekt ganz wichtig ist."

    Walken mit dem Schrittzähler

    Inge Drechsel kann sich zwar alleine motivieren, freut sich aber auch auf das künftige Training in ihrer Gruppe Lebendige Nachbarschaft Bayreuth e.V.. Sie packt ihr Gymnastikband ein und verabschiedet sich zu einer Verabredung: Eine Bekannte hat ebenfalls eine SpoeGO-Box erworben. Ihr wird sie nun den Schrittzähler erklären und danach gleich noch eine Runde walken gehen.