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Felix Neureuther: "Der Skisport muss stattfinden" | BR24

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Am Wochenende beginnt in Sölden der alpine Ski-Weltcup. Die Saison inklusive der WM in Italien wird vor allem geprägt sein von großen logistischen Herausforderungen. Dennoch: Der Sport muss stattfinden - aus mehreren Gründen.

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Felix Neureuther: "Der Skisport muss stattfinden"

Am Wochenende beginnt in Sölden der alpine Ski-Weltcup. Die Saison inklusive der WM in Italien wird vor allem geprägt sein von großen logistischen Herausforderungen. Dennoch: Die Sportveranstaltungen müssen durchgeführt werden - aus mehreren Gründen.

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Die Reise ins Ungewisse beginnt zumindest an einem bekannten Ort. Das österreichische Sölden ist wie in jedem Jahr Schauplatz der ersten Weltcup-Rennen der alpinen Ski-Rennläufer - und doch wird am kommenden Wochenende alles anders sein. Felix Neureuther beendete erst letztes Jahr seine aktive Karriere, dementsprechend gut kann er sich in die Athleten hineinversetzen: "Wenn man das ganze Jahr auf etwas trainiert, und dann findet nichts statt, das wäre extrem bitter", so der Wintersportexperte im BR-Interview.

Die Geisteratmosphäre - in Sölden sind keine Zuschauer zugelassen - sei schon belastend genug, Neureuther selbst bezeichnete sich "als Athlet, der von den Zuschauern gelebt hat". Für Skisportler, die mit Druck schwerer umgehen können, könnte das Zuschauerverbot laut dem Experten unter Umständen aber auch von Vorteil sein. Normalerweise bejubeln bis zu 30.000 Zuschauer die Zieleinläufe.

Zukunft des Wintersports steht auf dem Spiel

Zuschauer hin oder her - die Veranstaltungen müssen stattfinden. In Zeiten von Corona und damit drohender Absagen steht nicht weniger als die Zukunft des gesamten Wintersports auf dem Prüfstand. "Eine Absage wäre für die Verbände und die Veranstalter eine Katastrophe", meint Neureuther. Die Angst ist verständlich: Ohne Rennen gibt's kein Geld von Sponsoren oder vom Fernsehen. Für den DSV hieße dies: Finden gar keine Weltcup-Wettbewerbe statt, fehlen ihm 93 Prozent seiner Einnahmen.

Für den Verband ist es daher überlebenswichtig, dass seine zehn Weltcups bei Alpinen und Nordischen stattfinden - nur so kann er trotz der Corona-Pandemie Einnahmen generieren. "Da hängen auch eine Menge Arbeitsplätze dran", erklärt der 36-Jährige. Außerdem sei es im Hinblick auf Kinder und Jugendliche wichtig, dass Sport zumindest im Fernsehen verfolgt werden kann.

In Zeiten, in denen Kinder immer weniger Sport machen, haben wir eine Vorbildfunktion zu erfüllen. Felix Neureuther
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Am Wochenende beginnt in Sölden der alpine Ski-Weltcup. Die Saison inklusive der WM in Cortina d'Ampezzo wird vor allem geprägt sein von großen logistischen Herausforderungen.

Kaum Einschränkungen im Training

Der Trainingsalltag der Wintersportler ist von der Corona-Pandemie nur wenig beeinträchtigt, weiß Neureuther. "Die Bedingungen sind für alle gleich, niemand konnte dieses Jahr zum Training wegfliegen." Und weiter: "Maske tragen in der Gondel, Abstand halten, und wir sind ja sowieso Frischluftsportler", so der 36-Jährige.

Von "Sektoren" bis "Bubbles" - das Hygienekonzept der FIS

Neureuther zeigte sich angesichts des Hygienekonzept, das der internationale Ski-Verband (FIS) erarbeitet hat, vorsichtig optimistisch. Man habe sich viele Gedanken gemacht, nun soll die Strecke in mehrere Sektoren aufgeteilt werden, um Athleten und ihre Betreuer von Helfern und Medienvertretern trennen zu können. "Außerdem sind wir ja an der frischen Luft, das erleichtert vieles", so Neureuther. Auch kursiert derzeit die Idee, Weltcuprennen in sogenannten "Bubbles" stattfinden zu lassen - also an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden am selben Ort -, um Reisen zu vermeiden. Wie gut das Konzept am Ende umsetzbar ist, wird sich am Wochenende in Sölden zum ersten Mal zeigen.

Wie steht es um das deutsche Team?

Neureuther traut den deutschen Wintersport-Männern in dieser Saison einiges zu. "Thomas Dreßen ist ein ganz großer Favorit. Aber auch Andreas Sander, Josef Ferstl, Linus Strasser und Alexander Schmid sind in super Form", analysiert der ARD-Experte. Auch Riesenslalom-Spezialist Stephan Luitz sollte man auf dem Zettel haben: "Ich glaube an ihn, er wird nicht die selben Fehler machen wie letztes Jahr", prognostiziert Neureuther.

Anders sieht es wohl bei den Frauen aus: In die Fußstapfen von Viktoria Rebensburg, die diesen Sommer ihr Karriereende bekannt gab, sei ein "Ding der Unmöglichkeit". In Kira Weidle sieht Neureuther aber immerhin eine Erfolgsaspirantin in den Speeddisziplinen. In den technischen Disziplinen sei die Personaldecke derzeit allerdings eher dünn.