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FC Schalke 04 benötigt einen Kredit über 35 Millionen Euro | BR24

© picture alliance/Martin Meissner

Heimat des FC Schalke 04: Veltins-Arena

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FC Schalke 04 benötigt einen Kredit über 35 Millionen Euro

Schalke 04 hat in den letzten Jahren finanziell über seine Verhältnisse gelebt und ist durch die Corona-Krise noch mehr Schwierigkeiten geraten. Der Klub hofft auf einen Kredit über 35 Millionen Euro und die Bürgschaft vom Land Nordrhein-Westfalen.

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Lange war über die Höhe spekuliert worden, jetzt ist sie klar: Der FC Schalke 04 braucht einen Kredit über 35 Millionen Euro. Damit die Banken das Geld auch geben, hat der Verein beim Land Nordrhein-Westfalen einen Antrag gestellt, das Geld über Bürgschaften abzusichern.

Antrag noch nicht genehmigt

Schalke 04 ist als Bundesliga-Profi-Verein ein Wirtschaftsunternehmen, das grundsätzlich diesen Antrag stellen kann. Aufgrund der Corona-Krise darf das Land nach EU-Recht inzwischen in Höhe von 90 Prozent absichern. Das Land könnte Schalke mit einer Bürgschaft von maximal 31,5 Millionen Euro helfen. Allerdings ist noch nicht über den Antrag entschieden.

Rigoroser Sparkurs angesagt

Fest steht, dass Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider künftig einen rigorosen Sparkurs fahren muss. Als er im März 2019 seinen Job antrat, hatte er eine andere Vorstellung von seinem Job. Seine Vorgänger haben alle kräftig in neue Spieler investieren können: Christian Heidel hat in drei Jahren 155 Millionen Euro ausgegeben, Horst Heldt in fünf Jahren 81 Millionen Euro, Felix Magath in zwei Jahren 45 Millionen Euro. Davon kann Schneider nur noch träumen.

© BR/Christoph Ullrich

Schalke 04 hat in den letzten Jahren finanziell über seine Verhältnisse gelebt und ist durch die Corona-Krise noch mehr Schwierigkeiten geraten. Der Klub hofft auf einen Kredit über 35 Millionen Euro und die Bürgschaft vom Land Nordrhein-Westfalen.

Sportliche Situation schuld am Schuldenberg

Aber der Sportvorstand stellt deutlich heraus, dass man differenzieren muss, denn vor allem unter Horst Heldt hatte der Klub eine sehr gute sportliche Bilanz: "Der Verein hat sich in seiner Amtszeit immer international qualifiziert, meistens für die Champions League. In dieser Zeit hat Schalke enorme Einnahmen generiert. Aber die Wettbewerbssituation hat sich seitdem entscheidend verändert. Neue Vereine wie RB Leipzig und Hoffenheim sind dazugekommen. Leipzig hat mittlerweile quasi ein Abo auf die Champions League. Andere Klubs, insbesondere Gladbach oder Frankfurt, aber auch die Vereine mit Konzernen im Rücken wie Leverkusen oder Wolfsburg haben es in den letzten Jahren einfach besser gemacht als Schalke. Von 2005 bis 2016 hat sich Schalke zehnmal international qualifiziert, in den letzten vier Jahren jedoch nur einmal."

Neue Spieler müssen vor allem billig sein!

Nun gilt es für Schneider, einzukaufen, ohne Geld zu haben. Wie das funktionieren soll: "Indem man in anderen Regalen schaut, kreativ sein muss. Es ist schwieriger, man muss noch genauer prüfen, an anderen Stellen suchen, aber es ist möglich. Es bringt nichts, im Traumland zu leben. Es ist nirgendwo mittel- und langfristig möglich, mehr Geld auszugeben als einzunehmen - weder im Privaten noch in der Wirtschaft. Und selbstverständlich auch nicht im Fußball, auch wenn das oft ignoriert wird", so der Sportvorstand der Gelsenkirchener.

Leihspieler, junge Spieler aus der 2. Bundesliga und vielversprechende Talente könnten ein Konzept darstellen. Sie sollen in der Knappenschmiede zu Bundesligaspielern entwickelt werden.

"Für absehbare Zeit müssen wir uns davon verabschieden, gestandene Topspieler zu verpflichten, weil wir sie uns nicht leisten können." Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider

Sportlicher Misserfolg wäre katastrophal

Klar ist, dass die wertvollsten Spieler nicht alle verkauft werden dürfen, denn der sportliche Erfolg ist die Grundlage für Einnahmen. Mittelfristig möchte der Verein wieder international spielen. Davon war nach dem Re-Start der Bundesliga in der abgelaufenen Saison nicht viel zu sehen. Es bleibt spannend, ob Schalke 04 in der kommenden Saison von Beginn an im Abstiegskampf stecken wird.

Durch Corona wird die Schere zwischen reich und arm auch im Profi-Fußball noch weiter auseinander gehen. "Prinzipiell sind natürlich die Vereine, die über entsprechende wirtschaftliche Mittel verfügen, in einer solchen Krisensituation deutlich im Vorteil", weiß auch Schneider.

Schneider lobt FC Bayern für gute Arbeit

Obwohl Bayern zum achten Mal in Folge Meister geworden ist, und die Wahrscheinlichkeit von Langeweile in der Bundesliga besteht, hält Schneider nichts davon, den Modus zu ändern: "Die Bundesliga ist eine Erfolgsgeschichte par excellence. Das Format unserer Liga hat sich über Jahrzehnte hinweg bewährt. Daran sollte man nicht rütteln, auch nicht mit der Einführung von Play-offs, weil dann der Großteil der Saison nicht mehr die Bedeutung wie jetzt hat. Ich warne dringend davor, hier Hand anzulegen. Darüber hinaus muss man den FC Bayern nicht dafür bestrafen, dass er seit vielen, vielen Jahren gute Arbeit macht. Alle anderen, auch wir, sind angehalten, selber gut zu wirtschaften, gute Entscheidungen zu treffen, um wieder näher heranzukommen."