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Sadio Mané jubelt nach einem Tor in "Anfield"
© picture-alliance/dpa
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Sadio Mané jubelt nach einem Tor in "Anfield"

Mit 18 Meistertiteln zählt der FC Liverpool zu den erfolgreichsten Klubs Europas. Fünf Mal gewann der Traditionsverein bisher den Europapokal der Landesmeister, den Vorläufer der Champions League. Nur: die Zeit der großen Titelgewinne ist in Liverpool lange vorbei. Im Europapokal siegten die "Reds" zuletzt 2005, die letzte Meisterschaft liegt schon fast 30 Jahre zurück. 1990 triumphierte Liverpool das bisher letzte Mal in der englischen ersten Liga. Trainer damals: der Schotte Kenny Dalglish.

Seitdem versuchten sich durchaus namhafte Übungsleiter beim FC Liverpool, darunter große Namen wie der Schotte Gaeme Souness, die Englänger Roy Evans und Roy Hodgson oder der Spanier Rafael Benitez, Coach beim Europapokalgewinn 2005. Sie alle scheiterten aber daran, den Liverpooler Fans den Traum von Meisterschaft und weiteren großen Titeln zu erfüllen.

Der Trainer

Seit Jürgen Klopp 2015 den Verein als Trainer übernahm, ist die Sehnsucht nach frischen Titeln intensiv wie lange nicht an der Mersey. Mit seinem Humor war Klopp, der sich in Anspeilung an Manchesters José Mourinho als "The Normal One" vorgestellt hatte, sofort in den Herzen der Fans.

Zwar brauchte auch er eine Weile, um sich an die Besonderheiten der englischen Liga zu gewöhnen und seinem Team eine Handschrift zu verpassen. Mittlerweile spielt der FC Liverpool aber so, wie man es von Klopp-Teams gewohnt ist: pressingintensiver Hochgeschwindigkeitsfußball, der die Gegner in der englischen Liga aktuell zur Verzweiflung treibt.

Klopp und Liverpool stehen nach 17 Spieltag ungeschlagen an der Tabellenspitze, einen Punkt vor Pep Guardiolas Macnhester City. Der Traum von der Meisterschaft ist groß wie lange nicht. Einen Makel hat Klopp aber mit nach England gebracht: Kann er auch große Finalspiele gewinnen? Mit den "Reds" stand er bereits in den Finals der Champions League (2018), Europa League (2016) und im englischen Ligapokal (2016) - alle drei Partien gingen verloren. Mit dem FC Bayern München hat er noch eine persönliche Rechnung offen: Das Champions-League-Finale 2013 verlor er, damals mit Dortmund, gegen die Bayern.

Audio: FC-Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic über den FC Liverpool und dessen Trainer Jürgen Klopp

Audio: FC-Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic über den FC Liverpool und dessen Trainer Jürgen Klopp

Die Stars

Das Sahnestück des FC Liverpool ist der Sturm. Mit dem Ägypter Mohamed Salah, dem Senegalesen Sadio Mané und dem Brasilianer Robert Firmino hat sich Klopp ein Offensivdreieck zusammengebaut, das so ziemlich jede Abwehr aushebeln kann. Die Krux: Fehlt einer der drei - wie im letzten Champions-League-Finale Salah nach einer Verletzung - fehlt den Liverpoolern prompt Offensivkraft. Die "zweite Reihe" hat zwar durchaus Potenzial, ersetzbar ist aber eigentlich kein Spieler des Toptrios.

Gelöst hat Klopp mittlerweile auch das Torwartproblem. Der Deutsche Lorisu Karius und der Belgier Simon Mignolet bauten zuviele Patzer ein, der Verein handelte. Für 75 Millionen Euro, die aktuelle Rekordsumme für einen Torhüter, wurde Alisson Becker vom AS Rom geholt. Der brasilianische Nationaltorwart mit deutschen Wurzeln spielte bisher auch nicht fehlerfrei, verlieh der Liverpooler Defensive aber allein durch seine Ausstrahlung neue Sicherheit.

Aber nicht allein: Klopps wichtigster Pfeiler in der Defensivreihe ist der Niederländer Virgil van Dijk, von Klopp vor der Saison für angeblich 75 Millionen Pfund verpflichtet. Klub und Klopp wurden ungläubig belächelt, einen Innenverteidiger für eine solche Summe verpflichtet zu haben. Nach 17 Liga-Spieltagen zeigt sich aber bereits: Die Neueinkäufe überzeugen komplett. Mit erst sieben Gegentreffern hat Liverpool mit Abstand die beste Abwehr der Liga.

FC Liverpool: Firmino, Gomez, Van Dijk, Fabinho, Becker, Salah (hinten v.l.). Wijnaldum, Alexander-Arnold, Robertson, Shaqiri, Mané (vorne v.l.)

FC Liverpool: Firmino, Gomez, Van Dijk, Fabinho, Becker, Salah (hinten v.l.). Wijnaldum, Alexander-Arnold, Robertson, Shaqiri, Mané (vorne v.l.)

Das Stadion, die Bilanz gegen Bayern

Den FC Bayern erwarten 54.000 Zuschauer in einer der heiligsten Hallen des Fußballs. "Anfield", das Liverpool-Stadion, konnte bisher noch nie von einem deutschen Verein mit einem Sieg verlassen werden. Besonders in Erinnerung: Borussia Dortmund verlor im April 2016 nach 3:1-Führung noch 3:4 und schied aus. Der FC Bayern spielte in der Saison 1971/72 zumindest 0:0 an der Anfield Road und war nach einem 3:1-Heimsieg im Rückspiel eine Runde weiter.

Auch 1980/81 gab's ein 0:0 der Bayern in Liverpool im Halbfinale, damals kamen jedoch die Engländer nach einem 1:1 in München weiter. Im Viertelfinale der Europa League 1970/71 kassierten die Bayern in Liverpool eine 0:3-Klatsche und kamen zu Hause ebenfalls nicht über ein 1:1 hinaus, was ebenfalls das "Aus" bedeutete. Auch den bisher letzten Vergleich auf europäischer Ebene in einem Pflichtspiel verloren die Bayern. 2:3 hieß es im Supercup-Finale 2001.

Dieses Match fand allerdings auf neutralem Boden in Monaco statt. 17 Jahre danach gibt's den nächsten europäischen Vergleich zwischen dem FC Bayern und Liverpool. Für den FC Bayern damals übrigens auf dem Feld: der heutige Trainer Niko Kovac und sein Bruder Robert. Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:3: der heutige Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Eingang zur Liverpool-Fantribüne "The Kop"

Eingang zur Liverpool-Fantribüne "The Kop"