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FC Ingolstadt 04: Neuanfang auf allen Ebenen | BR24

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FC Ingolstadt-Trainer Jeff Saibene

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FC Ingolstadt 04: Neuanfang auf allen Ebenen

Der FC Ingolstadt 04 steht in der Dritten Liga vor dem ultimativen Neuanfang. Trainer Jeff Saibene soll aus einem nahezu komplett geänderten Kader ein Team formen. Auch die Sportdirektion ist nach dem bitteren Abstieg in neuen Händen.

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So lief die vergangene Saison

Das Fazit vom FCI-Vorstandsboss Peter Jackwert zum Saisonabschluss sagte alles: "Wenn man vier Trainer, einen Sportdirektor und einen Geschäftsführer verbrennt, sieht man, welche Probleme wir hatten".

Als Aufstiegskandidat gehandelt, befand sich der FC Ingolstadt am siebten Spieltag auf einmal auf einem Abstiegsplatz. Bis zur Winterpause hatten die Schanzer nur einen einzigen Sieg (errungen am vierten Spieltag, 3:2 gegen Erzgebirge Aue) vorzuweisen. Bis Jahresende hatten sie schon drei Trainer. Von Stefan Leitl hatte sich der FCI nach nur fünf Punkten aus den ersten sechs Saisonspielen getrennt. Sein Nachfolger Alexander Nouri holte in acht Spielen gerade einmal zwei Punkte. Jens Keller schaffte es immerhin, in zwölf Spielen drei Siege und zwei Unentschieden einzufahren.

Im April übernahm Tomas Oral den FCI und führte den Verein durch einen furiosen Saisonendspurt noch in die Relegation. Das Hinspiel hatten die Schanzer noch 2:1 beim SV Wehen Wiesbaden gewonnen. Doch im Rückspiel unterlagen sie ohne ihren gesperrten Kapitän Almog Cohen völlig führungslos agierend mit 2:3. Der FC Ingolstadt, der drei Jahre zuvor noch in der Bundesliga Platz elf gefeiert hatte, fand sich in der Dritten Liga wieder.

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Christian Träsch und Sonny Kittel nach der Niederlage im Relegations-Rückspiel, das den Abstieg besiegelte.

Wer kommt, wer geht?

Auch hier passt ein Zitat des FCI-Präsidenten wie die Faust aufs Auge: "Wir haben noch keine Mannschaft, kein Trainerteam und keine sportliche Leitung", hatte er nach dem sportlichen Absturz geäußert.

In der Tat: Geschäftsführer Harald Gärtner hatte bereits Ende März das Handtuch geschmissen. Trainer Tomas Oral verließ den FCI nach dem Abstieg. Das tat auch der erst im April zum FCI zurückgekehrte Sportdirektor Thomas Linke. Dazu musste der Kader gehörig Federn lassen.

Rekordspieler Marvin Matip verließ den FC Ingolstadt nach insgesamt 278 Partien. Die Toptorschützen Dario Lezcano und Sonny Kittel hatten keinen gültigen Vertrag für die Dritte Liga. Almog Cohen, Phil Neumann und Paulo Otavio gehören zu den weiteren prominenten Abgängen.

Die sportliche Leitung haben jetzt Michael Henke und Florian Zehe übernommen. Jeff Saibene wurde als Trainer verpflichtet. Sportdirektor Henke versprach zu Beginn der Vorbereitung: "Wir arbeiten an einer schlagkräftigen Mannschaft und haben schon sehr gute Signale setzen können. Es wird eine andere, eine neue Schanzer-Elf zu sehen sein, gespickt mit bekannten Gesichtern und Stützen".

Den Routinier Marcel Gaus konnten die Schanzer halten. Für die Defensive wurden Michael Heinloth vom polnischen Fußball-Erstligisten Zaglebie Sosnowiec und der Linksverteidiger Peter Kurzweg vom Bundesliga-Aufsteiger Union Berlin verpflichtet. Die Offensivakteure Maximilian Beister vom KFC Uerdingen und Maximilian Wolfram vom FC Carl Zeiss Jena sollen für die Tore sorgen. Ingolstadt hat also eine durchaus schlagkräftige Gruppe. Darüber hinaus setzt Ingolstadt mit Fatih Kaya, Fabijan Buntic und Thomas Keller auf junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die teils schon Profi-Erfahrung sammeln konnten.

Der mit dem FCI abgestiegene Fabijan Buntic ist als Torhüter Nummer eins gesetzt. Das Kapitänsamt wurde Stefan Kutschke zugeteilt, der die Aufgabe gerne annimmt: "Es ist für alle ein Neuanfang. Doch es ist ein neuer Geist in dem Verein und den wollen wir mit Leistung weitertragen", sagte er vor dem ersten Saisonspiel.

Der Trainer

"Jeff Saibene hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein Team formen kann und in seinem Handeln sehr klar ist", sagte Sportdirektor Henke bei der Vorstellung des neuen Coaches. Der war zuletzt bei Arminia Bielefeld aktiv. Dort führte er die Mannschaft nach dem knappen Klassenerhalt in der Folgespielzeit auf Tabellenplatz vier. Die Herausforderung der Dritten Liga sei ihm "als Fußballbesessenen" wohlbekannt, hatte er beim Amtsantritt gesagt. Die Vorfreude sei trotzdem groß, schließlich sei "Ingolstadt ja nicht ein normaler Drittligist – die haben ja vor ein paar Jahren noch erste Liga gespielt".

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FCI-Coach Jeff Saibene

Erwartungen an die Saison

Im Moment ist die Bundesliga allerdings noch eine entfernte Galaxie. Zuerst muss das neu zusammengestellte Team in der Dritten Liga Fuß fassen. Jetzt gilt es, das in der Vorbereitung und im Trainingslager Einstudierte und Erarbeitete "auf den Platz zu bringen", so Saibene. Die Rolle als möglicher Aufstiegsfavorit weist er weit von sich: "Ich kann mich an letztes Jahr erinnern. In der zweiten Liga war Ingolstadt auch Favorit für den Aufstieg", sagte der Coach und ergänzte: "Also schön den Ball flach halten". Sein Kapitän geht die Aufgabe aber mit viel Optimismus an: "Ich habe noch nie erlebt, dass ein Team mit so viel Lust aus einem intensiven Trainingslager geht. Wir haben einfach Bock gemeinsam etwas zu erreichen", sagte der Kapitän vor der ersten Partie. Die findet bei Carl Zeiss Jena (Montag, 22. Juli, 19.00 Uhr) statt. Zweieinhalb Wochen später empfängt der Absteiger aus der zweiten Liga im DFB-Pokal in der ersten Runde den Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg (9. August, 20.45 Uhr). Beide Vereine können sich dann an "gute alte Zeiten" in der ersten Liga erinnern.