Gefordert: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (l.) und Oliver Kahn
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Gefordert: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann (l.) und Oliver Kahn

    FC Bayern: Nagelsmann nach WM als Seelsorger gefordert

    Der FC Bayern war mit 16 Spielern bei der FIFA WM in Katar vertreten. Weltmeister wurde keiner, dafür kehren die Profis mit Verletzungen und jeder Menge Enttäuschungen zurück. Für Bayern-Trainer Julian Nagelsmann eine schwierige Situation.

    Kaum hatten Kingsley Coman im Elfmeterschießen die Nerven versagt, kaum waren deshalb auch er und Dayot Upamecano bei dieser WM als Verlierer vom Platz gegangen, da twitterte Klubchef Oliver Kahn schon aufmunternde Worte. Unter den Schlagwörtern "#MiaSanMia" und "#WeiterImmerWeiter" schrieb der Bayern-Boss an seine geknickten Franzosen: "Nach einem verlorenen Endspiel geht es darum, wieder aufzustehen und weiterzumachen."

    "Aufstehen und weitermachen"

    Allerdings: Aufstehen und weitermachen sollen oder müssen nicht nur die Franzosen, nicht nur Coman, Upamecano, der zum Dauerreservisten degradierte Benjamin Pavard und der schwer verletzte Lucas Hernandez. 16 Spieler des FC Bayern flogen als selbstbewusste Wintermeister nach Katar, darunter die sieben deutschen - doch mit Ausnahme von Josip Stanisic, der mit Kroatien das Spiel um Platz drei gewann, werden sie am 3. Januar enttäuscht zum Trainingsauftakt erscheinen.

    Nagelsmann muss die richtigen Worte finden

    Vor allem Trainer Julian Nagelsmann wird als Seelsorger gefordert sein, muss die richtige Ansprache finden. Und das noch dazu am Ort der Enttäuschungen: Am 6. Januar fliegt der FC Bayern ins Trainingslager - nach Katar. Dort werden drei Spieler dann ohnehin fehlen: Manuel Neuer fällt nach seinem Skiunfall noch mindestens ein halbes Jahr aus, gleiches gilt für Hernandez, der am 22. November im WM-Spiel gegen Australien einen Kreuzbandriss erlitt. Sadio Mané muss wohl bis Anfang März pausieren.

    In der Champions League wartet Paris mit Messi und Mbappé

    Aufbauarbeit ist vonnöten. Bei Coman, der nach seinem Elfmeter-Fehlschuss auf seinem Instagram-Account rassistisch beleidigt wurde. Vor allem aber auch bei den sechs verbliebenen deutschen Nationalspielern, die sich nun wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren sollen. Joshua Kimmich etwa sagte nach dem Scheitern der DFB-Auswahl: "Ich habe Angst, in ein Loch zu fallen."

    Auf die Bundesliga, und ganz besonders auf die Champions League, wo schon am 14. Februar das Achtelfinal-Hinspiel bei Paris St. Germain ansteht - mit Weltmeister Lionel Messi und WM-Torschützenkönig Kylian Mbappé.

    Präsident Hainer versucht sich als Motivator

    Viele Seelen sind verwundet. Joshua Kimmich etwa sagte nach dem Scheitern der DFB-Auswahl: "Ich habe Angst, in ein Loch zu fallen." Neben Stanisic kann allenfalls noch Noussair Mazraoui nach dem märchenhaften Marsch der Marokkaner bis ins Spiel um Platz drei mit einem guten Gefühl nach München zurückkehren, ansonsten hätte diese WM für den FC Bayern schlechter nicht laufen können: Verletzte und Enttäuschte - auf Nagelsmann und seine Bosse wartet viel Arbeit, vor allem im psychologischen Bereich.

    Da hilft es auch wenig, dass Präsident Herbert Hainer sagte, dass seit 1982 "immer mindestens ein Spieler des FC Bayern das WM-Finale" erreicht habe. Im Moment spricht nur wenig für das mentale Wohlbefinden des Münchner Kaders, auch wenn Hainer nach dem Finale lobende und tröstende Worte fand.

    "Wir freuen uns auf die Rückkehr unserer Vizeweltmeister", sagte er, "sie haben ein starkes Turnier gespielt." Nun aber gilt: weiter, immer weiter. "2023", ergänzte der Präsident, "heißt es dann wieder mit neuem Elan ,Allez les Rouges!'." Wenn's nur so einfach wäre.

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