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FC Bayern: Die "Leistungsgesellschaft" gibt Rätsel auf | BR24

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Blitz-Rückstand, Verletzungsschock für Niklas Süle - und dann der späte Nackenschlag. Bayern München spielt nur 2:2 beim FC Augsburg und Trainer Niko Kovac trauert den vergebenen Chancen nach.

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FC Bayern: Die "Leistungsgesellschaft" gibt Rätsel auf

Der FC Bayern München taumelt wie im Vorjahr auf ein Leistungsloch im Herbst zu. Nach dem 2:2 beim FC Augsburg pendelt die Stimmung zwischen Frust und Ratlosigkeit. Es hapert bei der Chancenverwertung. Erklärungen haben sie beim Rekordmeister nicht.

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Es gab beim FC Bayern einmal das ungeschriebene Gesetz des Trainers Louis van Gaal, dass Thomas Müller bei ihm "immer" spiele. Van Gaal wusste, warum: Selbst wenn das Bayern-Urgestein mal einen schlechten Tag erwischte - für ein Tor in entscheidenden Momenten war er immer gut.

Beim aktuellen Bayern-Übungsleiter Niko Kovac gilt das Van-Gaal-Credo nicht. Gegen den FC Augsburg saß Müller zum sechsten Mal in Folge bei Spielbeginn nur auf der Bank. "Wir sind beim FC Bayern und leben in einer Leistungsgesellschaft mit großem Konkurrenzkampf", hatte Kovac vor der Partie vage erklärt. Müller in Sachen Leistung also derzeit kein Kandidat für die erste Elf?

Auf Müllers geliebter "Zehn" spielte wieder der Brasilianer Philippe Coutinho. Der erwischte - seit seiner Verpflichtung durch die Bayern - erstmals ein schwächeres Spiel, setzte kaum Impulse, strahlte wenig Torgefahr aus. Müller, der ihn in den letzten zehn Minuten ersetzte, sorgte wie gewohnt rasch für Unruhe und Gefahr. Eine vermeintlich hundertprozentige Chance zur 3:1-Vorentscheidung setzte aber auch Müller nur neben den Pfosten (90.).

Eine Chancenverwertung, die keine ist

Diese Spielminute und die anschließende Nachspielzeit mit dem Augsburger Ausgleich waren symptomatisch für das, was die Bayern gegen Augsburg und zuletzt auch bei der Heimniederlage gegen Hoffenheim so undurchschaubar macht. Einerseits drückende Überlegenheit - in Augsburg 73 Prozent Ballbesitz und 24 Torschüsse. Andererseits aber eine unterirdische Chancenverwertung und eine Abwehr, die keinem Gegner Angst einflößt.

Schon die nüchternen Zahlen sind erschreckend. Im vierten Pflichtspiel in Serie gab es zwei Gegentore. Das gab es zuletzt 2004. Zehn Gegentreffer nach acht Bundesligaspielen - das gab es überhaupt erst einmal in der Bayern-Geschichte: in der wenig erfolgreichen elfmonatigen Trainer-Regentschaft von Jürgen Klinsmann 2008/09.

Kapitän Neuer: "Nicht Bayern-like"

"Nicht Bayern-like", urteilte Kapitän Manuel Neuer nach der Partie über den Spielverlauf. Vor allem, wenn man die Spielminuten der Gegentore (1. und 90.+1) sieht: "Ich denke, dass es natürlich auch ein Kopfproblem ist." Serge Gnabry, Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:1, sagte angefressen: "Wir haben es vergeigt."

"Wenn du die Chancen nicht machst und dann nicht so konsequent verteidigst, dann passiert sowas." FC-Bayern-Trainer Niko Kovac

Trainer Niko Kovac wirkte da weniger angefressen. "15 Großchancen", zählte der Bayern-Übungsleiter, er verwies auf den hohen Ballbesitz und die grundsätzliche Überlegenheit seines Teams, auch wenn das nach dem 2:2 "komisch" klinge. Nur: "Wir haben nur einen Punkt - und das ist das Schlimme."

Die gewöhnlich so wortgewaltigen Bayern-Bosse verließen weitgehend kommentarlos das Augsburger Stadion. "Leider nicht", antwortete Präsident Uli Hoeneß auf die Reporterfrage, ob er Zeit für ein Gespräch habe. "Ich habe Zeit, aber ich rede nicht", sagte der davoneilende Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Droht Trainer Niko Kovac - auch wenn er die Tore nicht selbst schießen kann - wieder wie in der vergangenen Saison ein unruhiger Herbst? Rückendeckung kam von seinem Augsburger Gegenüber Martin Schmidt.

FCA-Trainer Schmidt: "Bayern hätte 5:1 gewinnen können"

Der FCA-Coach war zuletzt nach der 1:5-Pleite gegen Mönchengladbach schon ein heißer Kandidat auf die Entlassung. Nach dem 2:2 gegen die Bayern ist er der gefeierte Mann. "Das war ein sehr, sehr wichtiges Zeichen an die Liga, dass wir doch nicht so die Lachnummer sind", sagte Schmidt.

Und ordnete die Partie dann korrekt ein: "Die glücklichere Mannschaft wurde belohnt. Die Bayern hätten 5:1 gewinnen können. Wenn da drei mehr reingehen, bin ich wieder der, der alles falsch macht. Jetzt bin ich der mit dem Händchen. So funktioniert der Fußball nicht, so funktioniert die Presse."