BR24 Logo
BR24 Logo
Sport

FC Augsburg ohne Trainer und ohne Punkte | BR24

© BR Sport

Riesenenttäuschung bei Augsburgs Philipp Max nach der 1:2-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg: "Wir hätten einen Punkt verdient gehabt und müssen jetzt zusehen, dass wir unbedingt Punkte holen."

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

FC Augsburg ohne Trainer und ohne Punkte

Fußball-Bundesligist FC Augsburg hat das erste Geisterspiel in seiner Geschichte verloren. Daniel Ginczek sorgte in der Nachspielzeit für den am Ende glücklichen Sieg des VfL Wolfsburg in der leeren Augsburger Arena.

Per Mail sharen

Die Sorgenfalten werden nicht weniger beim FC Augsburg: Im ersten Bundesligaspiel seit dem 8. März kassierte der FCA eine unglückliche 1:2 (0:1)-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg und rutscht in der Tabelle weiter ab. In einer über weite Strecken schwachen Partie drehten die Schwaben, bei denen Trainer Heiko Herrlich freiwillig nicht auf der Bank saß, zunächst einen 0:1-Rückstand und glichen durch ein Eigentor des Wolfsburgers John Anthony Brooks aus. In der Nachspielzeit sorgte dann aber der eingewechselte Daniel Ginczek mit einer seiner ersten Ballberührungen für den "lucky punch" der Gäste.

"Das schmerzt extrem. Es war für alle das erste Mal in so einer Geisteratmosphäre, wir wollten uns nichtsdestotrotz von unserer besten Seite zeigen. Wenn du in der Nachspielzeit das Tor kriegst, ist das extrem bitter." Augsburgs Philipp Max

Schwerfälliger Beginn - Wolfsburg legt vor

Vor dem Stadion war vor und während des Spiels nach Angaben einer Polizeisprecherin "nicht viel los". Und so sah es in der Anfangsphase auch auf dem Platz aus. Beiden Mannschaften war anzumerken, dass sie sich mit der "Geisterspielatmosphäre" erst anfreunden mussten. Entsprechend wenig ging im Spiel nach vorne zusammen: Der Spielfluss fehlte, Automatismen wollten noch nicht greifen.

Erst nach 17 Minuten brachte der FCA den ersten Ball auf das Wolfsburger Tor, den Schuss von Ruben Vargas hielt VfL-Keeper Koen Casteels aber im Nachfassen. Die Schwaben mussten ihre erste Schrecksekunde in der 29. Minute überstehen: Nach einer Hereingabe in den Strafraum schoss sich Tim Jedvaj die Kugel selbst an die Hand - Schiedsrichter Felix Brych entschied aber nicht auf Elfmeter - die richtige Entscheidung.

Kurz vor der Pause fiel dann doch noch der erste Treffer der Partie: Bei einer Flanke von Paulo Otavio ließen die Augsburger Verteidiger Renato Steffen viel zu viel Platz. Der nur 1,70 Meter große Mittelfeldspieler nutzte diesen Freiraum und köpfte aus etwa 15 Metern unhaltbar für FCA-Torhüter Andreas Luthe zum 0:1 ein (43.). Und so ging es zur Pause in die Kabine.

© picture-alliance/dpa

Renato Steffen bejubelt seinen Treffer zum 1:0 für den VfL Wolfsburg

Frischer Wind nach der Pause

Nach seinem Quarantäneverstoß verfolgte der neue Augsburger Cheftrainer Heiko Herrlich die Partie aus einer Loge im Stadion. Der 48-Jährige verzichtete freiwillig auf den Platz auf der Bank, nachdem er öffentlich über einen unerlaubten Einkauf in einem Supermarkt während des Quarantäne-Trainingslagers Auskunft gegeben hatte. Für ihn coachte Co-Trainer Tobias Zellner das Team. Ob Herrlich in der Pause Kontakt zu Zellner hatte, ist nicht bekannt.

Die Augsburger Spieler agierten nach dem Wechsel jedenfalls frisch und mutiger und wurden in der 54. Minute prompt belohnt: Philipp Max zirkelte einen Freistoß mit viel Effet in den Sechzehner, Wolfsburgs Brooks verlängerte die Kugel mit dem Kopf in Richtung Tor, so dass Casteels nicht mehr richtig an den Ball kam - 1:1. Jedvaj drückte das Leder zur Sicherheit zwar noch per Kopf ins Tor, ihm wurde der Treffer schließlich auch angerechnet.

Augsburger Jubel kommt zu früh

Nach 68 Minuten dann erneut Torjubel beim FCA - doch der kam diesmal zu früh. Wieder hatte Max einen Freistoß in den Strafraum gezirkelt. Der kurz zuvor eingewechselte Felix Uduokhai, der ja von Wolfsburg an die Schwaben ausgeliehen ist, traf per Kopf. Doch Brych nahm den Treffer nach Einsatz des Videobeweises zurück. Florian Niederlechner hatte beim Kopfball im Abseits gestanden und Casteels zudem behindert.

Ginczek versetzt FCA den "Todesstoß"

Das Beinahe-Gegentor war so etwas wie ein Weckruf für die Gäste, die deutlich mehr Ballbesitz hatten und nun ihrerseits wieder mehr aufs Gaspedal drückten. In der 71. Minute kam plötzlich Admir Mehmedi im Sechzehner frei zum Schuss - Pfosten. Und wenige Minuten später war es erneut Mehmedi, der das 2:1 für die Wölfe auf dem Fuß hatte. Luthe im Augsburger Kasten konnte den Direktschuss aber parieren.

In der Nachspielzeit war es dann aber doch so weit: Kevin Mbabu drang rechts in den Strafraum und durfte ungehindert vor das Tor passen, wo Ginczek am zweiten Pfosten lauerte und die Kugel nur noch einzuschieben brauchte. Der Todesstoß für den FCA, der in der Rückrundentabelle den letzten Platz einnimmt und nun am kommenden Wochenende auf Schalke versuchen muss, die nächsten Zähler im Kampf um den Klassenerhalt zu sammeln.

FC Augsburg - VfL Wolfsburg 1:2 (0:1)

Augsburg: Luthe - Framberger, Jedvaj, Suchy (65. Uduokhai), Max - Khedira, Baier - Richter (87. Sarenren-Bazee), Löwen (87. Cordova), Vargas (79. Iago) - Niederlechner. - Trainer: Zellner

Wolfsburg: Casteels - Mbabu, Pongracic, Brooks, Paulo Otavio (87. Roussillon) - Schlager, Arnold - Steffen, Mehmedi, Brekalo (61. Ginczek) - Joao Victor (74. Klaus). - Trainer: Glasner

Tore: 0:1 Steffen (43.), 1:1 Jedvaj (54.), 1:2 Ginczek (90.+1)

Zuschauer: keine

Schiedsrichter: Felix Brych (München)

© BR Sport

André Siems berichtete als Hörfunkreporter von der Partie des FC Augsburg gegen den VfL Wolfsburg. Auch für den erfahrenen Radiomann war es eine ungewöhnliche Partie mit "Testspielcharakter" für Spieler wie Journalisten.