Neuzugang Ermedin Demirovic (l.) und Felix Uduokhai klatschen sich ab

Neuzugang Ermedin Demirovic (l.) und Felix Uduokhai klatschen sich ab

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    FC Augsburg: Die Zeichen stehen auf Sturm

    FC Augsburg: Die Zeichen stehen auf Sturm

    Vieles spricht nicht dafür, dass der FC Augsburg eine entspanntere Saison erleben wird als die vergangene, in der der Klassenerhalt lange auf der Kippe stand. Ein neuer Trainer soll dem Team aber endlich eine klare Spielphilosophie implementieren.

    Keine Vision, kein spielerischer Fortschritt, keine Euphorie, dazu ein zurückgetretener Präsident und ein beleidigter Trainer, der ohne Vorankündigung seinen Abschied verkündete: Das Bild, das der FC Augsburg am Ende der abgelaufenen Saison abgab, war das eines Absteigers. Dabei hatten die Schwaben gerade zum elften Mal in Folge die Klasse gehalten.

    Zwei Monate später soll das alles vergessen sein. Wieder mal gibt es einen Neuanfang in Augsburg, und das mit einem Trainer, der bisher nur in der 3. Liga gearbeitet hat und für den die Bundesliga Neuland ist.

    So lief die vergangene Saison

    Nach 34 Spieltagen hatte der FC Augsburg 38 Punkte auf dem Konto. Mit einem 2:0-Auswärtssieg beim VfL Bochum hatte die Mannschaft vier Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt so gut wie perfekt gemacht. Ziel erreicht, hätte man sagen können. Alles gut in Augsburg. Doch weit gefehlt.

    Denn wieder einmal wurde nicht erreicht, was sich die Vereinsbosse seit Jahren als großes Ziel auf die Fahnen schreiben, nämlich der Mannschaft eine klare Handschrift und Spielphilosophie zu implementieren. Woran schon Markus Schmidt und Heiko Herrlich gescheitert waren, bekam auch Markus Weinzierl in seiner zweiten Amtszeit beim FCA nicht hin.

    Nach einem schwierigen Saisonstart mit zwei hohen Heimniederlagen gelang erst am 5. Spieltag der erste Sieg (1:0 gegen Borussia Mönchengladbach). Danach dauerte es wiederum bis zum 10. Spieltag, ehe mit dem 4:1 gegen den VfB Stuttgart der zweite Sieg eingefahren werden konnte. Im DFB-Pokal war die Mannschaft da durch ein 4:5 im Elfmeterschießen in Bochum bereits ausgeschieden.

    Im weiteren Saisonverlauf pendelte der FCA dauerhaft zwischen Rang 14 und 16. Das Abstiegsgespenst war Stammgast in der WWK-Arena. Ein kleiner Zwischenspurt im Frühjahr, als man zehn Punkte aus fünf Partien einsammelte, verschaffte dem Team dann etwas Luft. Mit dem Sieg in Bochum am 31. Spieltag waren die bösen Abstiegsgeister dann vertrieben.

    Trotz der sportlichen Rettung kam es zum Abschluss der Saison zu einigen Irritationen: Präsident Klaus Hofmann, der seit 2014 im Amt war, trat kurz vor dem letzten Spieltag zurück - offiziell aus gesundheitlichen Gründen und wegen der Doppelbelastung beim FCA und seiner Firma. Nach dem abschließenden 2:1 über die SpVgg Greuther Fürth erklärte auch Trainer Markus Weinzierl seinen Rückzug. Grund: Der Verein in Person von Stefan Reuter hatte seine Vertragsverlängerung immer weiter aufgeschoben. Weinzierl fühlte sich hingehalten und nahm seinen Hut.

    Wer kommt, wer geht

    Anders als viele andere Klubs hielt sich der FC Augsburg mit der Verpflichtung von Neuzugängen in diesem Sommer zurück. Trotz der unbefriedigenden vergangenen Spielzeit bauen die Verantwortlichen in erster Linie auf den vorhandenen Kader, der behutsam ergänzt wurde.

    Zwei verdiente Spieler, die lange das FCA-Trikot trugen, gehören nicht mehr dazu: Jan Moravek und Alfred Finnbogasson dürfen sich einen neuen Verein suchen. Beide waren in den letzten Jahren sehr verletzungsanfällig und kamen nicht mehr regelmäßig zum Einsatz.

    Das war bei Michael Gregoritsch anders. Der österreichische Nationalspieler war mit neun Saisontreffern bester Augsburger Torschütze in der abgelaufenen Spielzeit und dürfte deutlich schwerer zu ersetzen sein. Gregoritsch ist aber auch der einzige Stammspieler, der den Klub verlassen hat.

    Den offensiven Mittelfeldspieler, der in Augsburg auch schon mal die Wut der Verantwortlichen auf sich gezogen hatte, weil er den FCA verlassen wollte, zieht es zum SC Freiburg. Im Tausch kam Ermedin Demirovic von den Breisgauern an den Lech. Der Bosnier und der spät verpflichtete Mittelfeldspieler Elvis Rexhbecaj (VfLWolfsburg/VfL Bochum) sind die namhaftesten Neuzugänge. Mittelfeldspieler Arne Maier, bisher von Hertha BSC ausgeliehen, wurde fest verpflichtet. Von Rekordeinkauf Ricardo Pepi (kam im Januar für 16 Millionen Euro vom FC Dallas), der die Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte, wird der nächste Schritt erwartet.

    Und sonst? Einige Leihspieler sind zurück in Augsburg, etwa Maurice Malone, der im Pokalspiel bei BW Lohne (4:0) traf. Zuletzt gab es Meldungen, dass die Augsburger doch noch nachlegen und sich auf zwei oder drei Positionen verstärken könnten. So soll Stürmer Toni Martinez vom FC Porto ein Kandidat, bei dem ein Leihgeschäft angestrebt wird.

    Engagiert: Der neue FCA-Trainer Enrico Maaßen

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    Der Trainer: Enrico Maaßen

    Sich selbst zählt Enrico Maaßen zu den ruhigeren Vertretern seiner Zunft, der versuche, die Dinge sachlich zu lösen: "Es gibt bestimmt mal Momente, wo man lauter wird. Das muss auch so sein, aber grundsätzlich bin ich eher ein sachlicher Typ."

    Der 38-Jährige, der aus Wismar stammt und noch nie höherklassig trainiert hat, ist einer, der in der vergangenen Saison in der 3. Liga auf sich aufmerksam gemacht hat, als er mit Aufsteiger Borussia Dortmund II eine starke Saison spielte und diese auf einem beachtlichen neunten Tabellenplatz abschloss. Er bringt definitiv frischen Wind nach Augsburg.

    Beim FCA haben sie seine Entwicklung genau beobachtet und Maaßen nach einem kurzen Flirt mit dem gebürtigen Schwaben Peter Zeidler (FC St. Gallen) nach Augsburg gelotst: Geschäftsführer Stefan Reuter spricht ganz bewusst von seinem "Wunschtrainer": "Dass wir Enrico Maaßen mit einem Dreijahresvertrag ausgestattet haben, ist ein klares Zeichen, wie überzeugt wir von ihm sind und, dass wir da natürlich eine Kontinuität anstreben."

    Wieder eine "eigene Spielidentität" zu entwickeln, auch im Ballbesitz aktiv zu sein, "ist ganz wichtig und gibt den Spielern ein gutes Gefühl", sagte der Weltmeister von 1990 nun mit Blick auf Maaßen, "die klare Spielphilosophie tut uns gut." Maaßens Ansprachen und wie er seine Ideen konsequent einfordere, machten einen sehr guten Eindruck. Die Spieler zögen super mit: "Wir haben diese Entscheidung mit der nötigen Akribie getroffen, uns nach der Saison bewusst Zeit genommen, das Profil eines neuen Trainers und die Erwartungshaltung an ihn zu besprechen. Mit der Entscheidung für Enrico sind wir sehr glücklich."

    Erwartungen an die Saison

    Beim FCA bleibt man auch in der zwölften Bundesligasaison realistisch. Eine neue, klare Spielphilosophie mit mehr Ballbesitz wünscht sich Stefan Reuter, Trainer Enrico Maaßen möchte einen offensiven Fußball spielen lassen, der die Fans wieder mitnimmt und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

    Erhofft wird sich eine Weiterentwicklung von Talenten, insbesondere von Ricardo Pepi. Dass er das kann, hat Maaßen schon nachgewiesen, Spieler wie Steffen Tigges (1. FC Köln), Ansgar Knauff (Eintracht Frankfurt) und Tobias Raschl (SpVgg Greuther Fürth) hatten Maaßen und sein Team unter ihren Fittichen und formten sie zu gefragten Bundesligaprofis.

    Über allem steht aber natürlich die Erwartung, auch im zwölften Jahr wieder die Klasse zu halten. Und das wird schwer genug. Ein Plus könnte sein, dass die Mannschaft eingespielt ist und dass Automatismen deshalb früher greifen als bei anderen Klubs. Andererseits spielte der kaum verstärkte Kader vergangene Saison lange gegen den Abstieg. Eine echte Blutauffrischung gab es (bislang) nicht.

    Was die Vorfreude zudem trübt, sind Verletzungssorgen. Mit Ruben Vargas und Reece Oxford verpassten zwei Schlüsselspieler fast die gesamte Vorbereitung, bei der Generalprobe gegen Stade Rennes (2:3) erlitt Niklas Dorsch einen Mittelfußanbruch. Der U-21-Europameister, der im System von Maaßen eine zentrale Rolle einnehmen sollte, fällt lange aus.

    Es ist keine gewagte Prognose, dass es für den FCA auch in der neuen Saison nur um den Klassenerhalt gehen kann. Beim 4:0-Erfolg beim Oberligisten Blau-Weiß Lohne zeigten die Schwaben keine Glanzleistung und überzeugte lange Zeit wenig.

    Es muss wieder Ruhe einkehren im Verein. Mit seiner offensiven Ausrichtung ist Enrico Maaßen zumindest sportlich ein Fortschritt zuzutrauen. Sollte das Experiment mit dem unerfahrenen Coach aber nicht klappen, stehen die Zeichen anders auf Sturm.

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