BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

"Falsch-positive" Befunde: Wie sicher sind die Corona-Tests? | BR24

© dpa-Bildfunk/Matthias Balk
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Matthias Balk

Bayern München - Serge Gnabry

15
Per Mail sharen

    "Falsch-positive" Befunde: Wie sicher sind die Corona-Tests?

    Der Fall Gnabry wirft Fragen auf: Warum wurde der Bayern-Profi zunächst positiv auf Corona getestet, dann mehrfach negativ? Wissenschaftlich betrachtet sind falsche Testergebnisse möglich, aber selten.

    15
    Per Mail sharen
    Von
    • Moritz Pompl

    Wenn Fußballspieler positiv auf das Coronavirus getestet werden, hat das für den Verein weitreichende Folgen: Der betroffene Spieler wird vom Training ausgeschlossen, im Zweifel werden ganze Spiele abgesagt. Deshalb hat der Fall von Bayern-Profi Serge Gnabry für Schlagzeilen gesorgt und Teile der Bevölkerung ganz grundsätzlich an den PCR-Tests zweifeln lassen.

    Erst positiv, dann negativ

    Gnabry war am vergangenen Dienstag in einem Routine-Test zunächst positiv getestet worden. Weitere PCR- und auch Antikörper-Tests lieferten dagegen ein negatives Ergebnis. Der Spieler hatte also im Verlauf weder Anzeichen für eine frische noch für eine bereits durchgemachte Infektion mit Corona. Das zuständige Münchner Gesundheitsamt geht davon aus, dass der erste Test Gnabrys "falsch positiv" war.

    Im Fall des Drittligisten Türkgücü München mit drei positiven Corona-Meldungen war indes ein technischer Fehler im Labor aufgetreten, der später bemerkt und behoben wurde.

    Kein Test ist perfekt

    Wissenschaftlich betrachtet sind falsch-positive PCR-Tests möglich, aber selten. Sie kommen zustande, weil die vorhandenen PCR-Tests nicht 100 Prozent exakt funktionieren, sondern nur mit einer Genauigkeit von rund 98 Prozent.

    Das hat ein Ringversuch ergeben, bei dem verschiedenen Labors in Deutschland Proben zugeschickt wurden. Der PCR-Test sucht im Probenmaterial nach dem Virus-Erbgut, vervielfältigt es millionenfach künstlich, und macht es so nachweisbar.

    Fehlerwahrscheinlichkeit geringer dank Mehrfachtests

    Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass zwei Prozent der Getesteten ein falsch-positives Ergebnis erhalten. Denn die Fehlerwahrscheinlichkeit bezieht sich auf einen Gen-Ort, auf den getestet wird. Viele Labore testen aber auf zwei oder sogar drei Gen-Orte ("Dual-Target-System"), und senken damit die Fehlerwahrscheinlichkeit auf bis zu 0,01 Prozent.

    Sprich: Nur einer von 10.000 Tests ist dann noch falsch positiv. Darüber hinaus sind selten auch falsch-negative Test-Ergebnisse möglich, bei denen eine Person negativ auf Corona getestet wird, in Wahrheit aber positiv ist. Diese können etwa dann auftreten, wenn der Abstrich nicht tief im Rachen durchgeführt worden ist, oder die Probe ungekühlt transportiert oder gelagert wurde. Auch der Zeitpunkt, an dem getestet wird, ist entscheidend: Ist die Infektion noch ganz frisch bzw. schon länger her, kann der Test ebenfalls negativ ausfallen.

    Je mehr Tests, desto mehr "falsch positive"

    Eine gewisse Rest-Wahrscheinlichkeit für ein falsches Testergebnis bleibt also. Und je mehr Menschen getestet werden, desto mehr Personen mit falschem Ergebnis sind dann dabei. In Deutschland werden derzeit rund 1,2 Millionen PCR-Tests pro Woche durchgeführt. Bei einer falsch-positiv-Rate von 0,01 Prozent bedeutet das immer noch: 120 falsch-positive Tests.

    Fußballer wie Serge Gnabry vom FC Bayern werden häufiger getestet als der Durchschnitt der Bevölkerung. Damit steigt bei ihnen auch die Wahrscheinlichkeit für ein falsch-positives Testergebnis.

    Hinzukommt die mediale Aufmerksamkeit, die dafür sorgt, dass schnell der falsche Eindruck entsteht, die Tests seien per se unzuverlässig – obwohl sie (gerechnet mit 0,01 Prozent Fehlerwahrscheinlichkeit und 1,2 Millionen Tests pro Woche) für 1.199.880 Patienten das richtige Ergebnis liefern.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!