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#Faktenfuchs: Gelten die Corona-Regeln für Fußballer nicht? | BR24

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Die Rückkehr des Corona-infzierten Thomas Müller aus Katar erregte die Gemüter

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    #Faktenfuchs: Gelten die Corona-Regeln für Fußballer nicht?

    Warum müssen Teamkollegen von infizierten Bayern-Spielern nie in Quarantäne? Warum dürfen Fußball-Teams in Risikogebiete reisen, ohne nach der Rückkehr in Quarantäne zu müssen? Ein #Faktenfuchs zur Frage, ob Fußballer hier Sonderrechte haben.

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    Von
    • Bernd Oswald

    Das Coronavirus hat auch die Sport-Welt ziemlich durcheinander gebracht. Während Breitensport weitgehend verboten ist, dürfen Profis und Leistungssportler ihrem Beruf nachgehen, wenn es ein entsprechendes Hygienekonzept gibt. Dennoch kommt es auch im Profisport immer wieder zu Corona-Fällen.

    Für besonders große Aufmerksamkeit sorgten jüngst die Fälle beim FC Bayern München. Vor allem Thomas Müller, der während der Klub-WM in Katar positiv auf Corona getestet wurde und trotzdem zurück nach Deutschland fliegen durfte, stand im Fokus. BR24 widmete diesen Fällen ein "Possoch klärt" zur Frage "Darf König Fußball alles?"

    Dieses Thema wurde auf verschiedenen BR24-Kanälen heftig diskutiert, dabei tauchten auch einige Nutzer-Fragen auf, die der #Faktenfuchs an dieser Stelle beantwortet. Die meisten drehten sich um zwei Fragen:

    1. Warum müssen die Teamkollegen eines infizierten Fußballers nicht in Quarantäne, die Teamkollegen eines infizierten Sportlers in einer anderen Sportart aber schon?
    2. Warum dürfen Fußballer in Risikogebiete reisen – ohne nach der Rückkehr in Quarantäne zu müssen?

    Der #Faktenfuchs ist diesen Fragen nachgegangen.

    Fünf Corona-Fälle beim FC Bayern

    Serge Gnabry, Niklas Süle, Joshua Zirkzee, Leon Goretzka, Benjamin Pavard, Javi Martinez, Thomas Müller. Sieben positive Corona-Fälle gab es beim FC Bayern bereits, wobei sich bei Gnabry und Süle im Nachhinein herausstellte, dass es sich um "falsch positive" Tests handelte. Bleiben also fünf Corona-Fälle.

    Normalerweise werden Menschen, die länger als 15 Minuten näher als 1,5 Meter ohne Mundschutz Kontakt mit einer Corona-infizierten Person hatten, von den Gesundheitsämtern zu Kontaktpersonen 1 erklärt und müssen in eine 14-tägige Quarantäne. Nicht so beim FC Bayern. Dort mussten die Mannschaftskollegen der oben genannten positiv getesteten Bayern-Spieler nicht in Quarantäne. Eine Entscheidung, die bei vielen Menschen für Unverständnis sorgt:

    "Der größte Witz ist das nur der positiv getestete in Quarantäne muss. Im Normalfall müssen ganze Familien und auch andere Kontaktpersonen in Quarantäne , die gegebenfalls auch noch verlängert wird. Wo ist da die Gleichbehandlung?", kommentierte eine Facebook-Nutzerin das Possoch-klärt-Video "Darf Fußball alles?"

    Gesundheitsamt München: Kontaktermittlung erfolgt unabhängig von Beruf, Verein oder Liga

    Für die Fußballer des FC Bayern, die auch in München wohnen, ist das Gesundheitsreferat der Stadt München zuständig. Das Gesundheitsreferat kommentiert keine Einzelfälle, erläutert dem #Faktenfuchs aber das grundsätzliche Vorgehen, das sich an den Kriterien des Robert Koch-Instituts orientiert: Die infizierte Person wird nach ihrem Gesundheitszustand und dem häuslichen und persönlichen Umfeld einschließlich relevanter Kontaktpersonen befragt und wird unter Quarantäne gestellt.

    Dabei ermittelt das Gesundheitsamt auch die Kontaktpersonen 1. Kategorie (KP1). Dafür wird jeweils der Einzelfall geprüft. Personen, die vom Gesundheitsamt als KP1 identifiziert werden, werden kontaktiert, in 14-tägige Quarantäne gestellt und getestet. "Dieses Vorgehen wird bei jeder infizierten Person angewendet, unabhängig von ihrer Profession, Vereins- oder Ligaangehörigkeit", schreibt das Gesundheitsreferat dem #Faktenfuchs.

    Für weitere Auskünfte verweist das Gesundheitsreferat an den Verein, der FC Bayern antwortet auf zweimalige Anfrage des #Faktenfuchs jedoch nicht.

    FC-Bayern-Arzt: Hygienekonzept zielt auf Kontaktvermeidung

    Welche Faktoren tragen dazu bei, dass die Teamkollegen positiv getesteter Fußballspieler nicht zur Kontaktperson 1 erklärt werden?

    Zu dieser Frage hat sich Roland Schmidt, verantwortlicher Mannschaftsarzt für die Bereiche Innere Medizin und Kardiologie beim FC Bayern, im Dezember 2020 im Vereinspodcast geäußert. Dort erläutert er, wie der FC Bayern versucht, Kontakte so gering wie möglich zu halten: Die Spieler trügen konsequent Mund-Nasen-Schutz, sobald sie aus dem Auto ausstiegen, nähmen ihn ab für die Testung, setzten den Mund-Nasen-Schutz wieder auf, gingen dann in die Umkleidekabinen. Diese seien über das ganze Gebäude an der Säbener Straße verteilt und dort sei ein entsprechender Abstand zwischen den Spielern sichergestellt. Auch die Duschen seien so verteilt, "dass man Kontaktsituationen vermeiden möchte".

    "Das ganze Hygienekonzept verfolgt den Zweck, dass man nach Möglichkeit eben nicht eine Situation generiert, wo zwei Spieler so nahen Kontakt haben, dass wenn einer dieser Spieler im weiteren positiv getestet werden würde, die anderen Spieler eine sogenannte Kontaktpersonen eins sind und sich entsprechend in Quarantäne begeben müssten." Robert Schmidt, Mannschaftsarzt FC Bayern

    Vereinsarzt: Wenn Hygienekonzept beachtet wird, gibt es keine Kontaktpersonen 1

    Auch Schmidt verweist im Podcast des FC Bayern auf die RKI-Kriterien, in denen eine Kontaktperson 1 definiert ist. Durch das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) werde vermieden, dass die Spieler 15 Minuten mit einem Abstand von weniger als 1,50 Meter ohne Mund-Nase-Schutz Kontakt zueinander haben. Deswegen habe man bei einem positiven Test keine weiteren Kontaktpersonen 1. Kategorie innerhalb der Mannschaft oder innerhalb des Teams. Schmidt sagt: "Somit ist es dann auch möglich, dass eben nicht eine Quarantäne für die ganze Mannschaft ausgesprochen werden muss."

    Das Gesundheitsamt Rhein-Neckar, das für den Bundesligisten TSG Hoffenheim zuständig ist, bestätigte dem #Faktenfuchs gegenüber diese Aussage: Das DFL-Hygienekonzept spiele bei der Kontaktermittlung dahingehend eine Rolle, "dass bei dessen Einhaltung möglichst keine oder nur wenige Kontaktpersonen der Kategorie 1 durch einen Fall verursacht werden (sollen)."

    Im Hygienekonzept der DFL, das für 1. Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga, den DFB-Pokal und die Frauen-Bundesliga gilt, gibt es allein für das Mannschaftstraining 32 Vorgaben, die nach hohem, mittlerem und niedrigem Pandemie-Level abgestuft sind. "Die Aufenthaltsdauer in der Kabine vor und nach dem Training sollte minimiert werden, ebenso Dauer und Intensität des Kontakts zu Mitspielern und Betreuern", heißt es unter Punkt 2. Außerdem müssen alle am Trainingsbetrieb beteiligten Personen in einem Mindestabstand von 48 Stunden zwei Corona-Tests machen.

    Schmidt zufolge hat der FC Bayern das DFL-Konzept den Gesundheitsämtern der Stadt München und des Landkreises München Land zukommen lassen. "Die Gesundheitsämter haben das Konzept für gut befunden und das haben, glaube ich, alle Vereine in der Bundesliga jeweils mit ihren zuständigen Gesundheitsämtern analog gemacht", so Schmidt im Podcast weiter.

    TSG Hoffenheim hatte im November neun Corona-Fälle

    Der FC Bayern ist nicht der einzige Bundesligist, bei dem es Corona-Fälle gegeben hat. Im November 2020 gab es bei der TSG Hoffenheim sieben Corona-Fälle in der Mannschaft und zwei im Betreuerstab. Damals begab sich das gesamte Team in eine fünf Tage dauernde Quarantäne - freiwillig. Weil die Bundesliga vom 14. bis zum 16. November wegen der Länderspiele in der UEFA Nations League pausierte, mussten die Hoffenheimer damals kein Bundesliga-Spiel ausfallen lassen. Am 16. November kehrte das Team mit Zustimmung des Gesundheitsamtes ins Mannschaftstraining zurück.

    Corona-Fälle bei Jahn Regensburg führen zur Absage des DFB-Pokal-Spiels

    Der Zweitligist Jahn Regensburg gab in dieser Woche acht positive Corona-Fälle bekannt, was zur Absage des DFB-Pokalspiels gegen Werder Bremen führte. In diesem Fall ordnete das Gesundheitsamt Regensburg "eine Quarantäne für den gesamten Mannschaftskader inklusive Trainer- und Betreuerstab des SSV Jahn an, nachdem sich die Kontaktsituation nicht eindeutig aufklären ließ", wie der Verein auf seiner Website schreibt.

    "Bei nicht exakt aufklärbarer Kontaktsituation und dem Auftreten von mehreren Fällen in einem mutmaßlichen Zusammenhang (sog. Cluster) muss insbesondere bei hochgradigem Verdacht auf das Vorliegen einer sogenannten besorgniserregenden Variante (Virusmutation) ein erhöhtes Infektionsrisiko für den gesamten Mannschaftskader angenommen werden", heißt es dort weiter.

    Manche sehen darin eine Ungleichbehandlung zwischen dem FC Bayern und Jahn Regensburg. Das sorgte auch bei einem Twitter-Nutzer für Kopfschütteln:

    "Jahn Regensburg muss KOMPLETT in Quarantäne! Die Bayern mussten das nicht Überaktives Gesundheitsamt in Regensburg ! Oder schlafendes Gesundheitsamt in München! Alles dazwischen ist eine billige AUSREDE! Die @DFB Flaschen nehmen DAS hin"

    Allerdings muss man der Beurteilung berücksichtigen, dass die Corona-Fälle beim FC Bayern einzeln und nacheinander aufgetreten sind, während bei nun bei Jahn Regensburg der Trainer, mehrere Spieler und Betreuer gleichzeitig positiv getestet wurden. Bei mindestens vier Personen wurde dabei die hochansteckende britischen Virusvariante nachgewiesen.

    Ob und für wen Gesundheitsämter eine Quarantäne verhängen, hängt auch von der Zahl der infizierten Personen und den Ergebnissen der Kontaktermittlungen ab, sprich: wer, wie oft, wie lange, wo, in welchem Abstand und mit oder ohne Mundschutz mit einem Infizierten Kontakt gehabt hat. So sind auch die unterschiedlichen Entscheidungen der jeweiligen Gesundheitsämter zu erklären.

    Andere Sportarten: Ein Spieler infiziert, gesamte Mannschaft in Quarantäne

    Das gilt auch für den Blick auf andere Sportarten. In der Basketball-Bundesliga mussten mehrere Partien abgesagt werden, nachdem die Gesundheitsämter nach Coronafällen eine Quarantäne für ganze Teams verordnet hatten – unter anderem für s.Oliver Würzburg.

    Auch im Handball gibt es Beispiele, bei denen die Regeln strenger ausgelegt wurden: Nachdem ein Spieler positiv auf Corona getestet worden war, musste das gesamte Team der Spitzenmannschaft THW Kiel in Quarantäne. Das Gesundheitsamt Mannheim untersagte den Rhein-Neckar Löwen die Austragung des Champions-League-Heimspiels gegen den slowenischen Klub RK Trimo Trebnje, weil ein Teammitglied von Trebnje sich mit dem Virus infiziert hatte.

    In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) kam es vereinzelt ebenfalls zu Corona-bedingten Spielabsagen. Das Team der Grizzlys Wolfsburg war Anfang Februar geschlossen in Quarantäne - ihr Auswärtsspiel in Köln musste verlegt werden.

    Basketball-Präsident: Zwischen Outdoor- und Indoor-Sportarten unterscheiden

    Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes und Sprecher der Spitzenverbände im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), hat Verständnis dafür, dass die Gesundheitsämter Fußball im Gegensatz zu anderen Mannschaftssportarten anders behandeln:

    "Fußball ist eine Outdoor-Sportart, die außerhalb einer Halle betrieben wird. Von daher gibt es dort andere Vorschriften, auch in Bezug auf Hygienekonzepte. Wenn man das in einem Gesamtkontext sieht, dann kann ich schon verstehen, dass bei der einen Sportart eben nur die einzelnen Sportler, die bedauerlicherweise erkranken, in Quarantäne verwiesen werden und bei den Hallensportarten Spiele entsprechend abgesagt werden." Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes

    Mutationsgebiet Großbritannien: Leipzig - Liverpool nach Budapest verlegt

    Seit August 2020 finden auch die Europapokal-Wettbewerbe im Fußball wieder regulär statt - ohne Zuschauer. Im Sommer wurde das noch weitgehend als unproblematisch empfunden, mit steigenden Corona-Zahlen im Herbst und Winter wurde dieses Thema wieder kritischer diskutiert. Seit Beginn dieses Jahres verkompliziert die sogenannte britische Corona-Variante, die als ansteckender als die ursprüngliche SARS-CoV2-Version gilt, auch die Lage im Fußball. Großbritannien gilt als Virusmutationsgebiet, was dazu führte, dass RB Leipzig sein Champions-League-Heimspiel gegen den FC Liverpool am 16. Februar im ungarischen Budapest austrug.

    Innenministerium: Auch Fußballvereine sollen vermeidbare Reisen vermeiden

    Grundsätzlich sind berufsbedingte Reisen ins Ausland erlaubt, auch für Profi-Sportler. Gerade die Europapokalwettbewerbe, insbesondere die Champions League, sind für Profi-Fußballvereine eine lukrative Einnahmequelle. Nicht nur im Fußball finden internationale Wettbewerbe statt, sondern auch in anderen Sportarten wie Handball, Basketball, Volleyball oder auch im Wintersport, wo gerade die Nordische Ski-WM in Oberstdorf stattfindet. Andererseits soll "jede vermeidbare Reise vermieden werden. Das gilt für jeden Bürger, für jedes Unternehmen und auch für Fußballvereine", wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am 12. Februar auf der Bundespressekonferenz sagte.

    FC Bayern reiste zum Weltpokal ins Risikogebiet Katar

    An jenem Tag war der FC Bayern vom Finale der Klubweltmeisterschaft in Katar nach München zurückgekehrt. Das arabische Land wird vom Robert Koch-Institut seit dem 15. Juni 2020 als Risikogebiet geführt.

    Prinzipiell gilt für jeden, der aus einem Corona-Risikogebiet wieder nach Deutschland einreist, dass er seine Einreise bei den zuständigen Behörden anmelden und einen negativen Corona-Test vorlegen muss. So steht es in der Coronavirus-Einreiseverordnung, einem Bundesgesetz. Dort steht auch, dass die Bundesländer eigene Quarantäne-Regelungen für Personen treffen können, die aus einem Risikogebiet einreisen.

    Die bayerische Einreise-Quarantäneverordnung bestimmt, dass solche Personen sich für zehn Tage in Quarantäne begeben müssen.

    "Man muss bei der Rückkehr ein negatives Testergebnis vorweisen und anschließend auch Quarantäneregeln einhalten. Das gilt natürlich auch für Mitglieder von Fußballvereinen", wie Innenministeriumssprecher Steve Alter auf der Bundespressekonferenz sagte.

    Die bayerische Einreise-Quarantäneverordnung enthält eine Reihe von Ausnahmen von häuslicher Quarantäne für Rückreisende aus einem Risikogebiet. Davon befreit sind zum Beispiel Personen, "die zur Vorbereitung, Teilnahme, Durchführung und Nachbereitung internationaler Sportveranstaltungen durch das jeweilige Organisationskomitee akkreditiert werden oder von einem Bundessportfachverband zur Teilnahme an Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen eingeladen sind." Dieser Passus gilt also auch für den FC Bayern.

    Warum durfte der infizierte Thomas Müller einreisen?

    Noch pikanter wurde die Katar-Reise der FC Bayern durch den Fall Thomas Müller. Der Offensivspieler war noch in Katar positiv auf das Coronavirus getestet worden und durfte trotz Infektion zurück nach Deutschland reisen. Dieser Fall ist in der bayerischen Einreise-Quarantäneverordnung gar nicht explizit geregelt.

    Allerdings steht in der Verordnung auch dieser Satz: "In begründeten Einzelfällen kann die zuständige Behörde auf Antrag weitere Ausnahmen bei Vorliegen eines triftigen Grundes erteilen." Und genau das ist im Fall Thomas Müller offenbar passiert - auch wenn das Münchner Gesundheitsreferat keine Auskunft zu dem Fall erteilt.

    Auch diese Entscheidung stieß bei einer BR24-Facebook-Nutzerin auf Unverständnis: "Und wieso fliegt Herr Müller heim???? Wenn er denn positiv getestet wurde ???? Vor Ort in Quarantäne gibts wohl nicht oder wie "

    Müller war am 11. Februar in Katar positiv getestet und nach Angaben des Vereins umgehend isoliert worden. Daraufhin wurde die gesamte Mannschaft des FC Bayern erneut getestet - ohne weiteren positiven Befund. Die Mannschaft spielte am selben Abend im Finale um den Weltpokal und flog danach nach München zurück.

    Müller kehrte einige Stunden später separat in einem Sanitätsflieger zurück, in dem er von Pilot und Personal isoliert war. An der Organisation des Rückflugs von Müller war der FC Bayern intensiv beteiligt. Nach seiner Ankunft auf dem Münchner Flughafen am 12. Februar nachts verließ Müller das Flugzeug in einem weißen Ganzkörperanzug sowie mit Visier, Maske und Schuhüberziehern.

    Müller begab sich nach seiner Rückkehr wegen des positiven Corona-Tests sofort in eine zweiwöchige häusliche Quarantäne, seine Teamkollegen mussten nach ihrer Rückkehr jedoch nicht in Quarantäne, obwohl sie aus einem Risikogebiet nach Hause reisen.

    Der FC Bayern erklärte, dass er sich mit den zuständigen Behörden über das weitere Vorgehen abgestimmt habe. Das Gesundheitsreferat München gibt auch zu diesem Fall keine näheren Informationen bekannt.

    Sportausschussvorsitzende: Fußball beansprucht Sonderrolle

    Es gibt ganz unterschiedliche Meinungen zur Frage, ob der Fußball Sonderrechte hat. Die Sportausschussvorsitzende des Bundestags Dagmar Freitag (SPD) sagte anlässlich der Katar-Reise des FC Bayern dem Deutschlandfunk: "Es ist völlig unstrittig, dass der Fußball eine Sonderrolle für sich beansprucht. Der Fußball ist weltweit die beliebteste Sportart. Und da steht eine geballte Macht hinter, die offensichtlich auch weiß, sich entsprechend zu positionieren." Sportler wie etwa die Profis des FC Bayern, die zur Klub-WM nach Katar gereist waren, sollten nach ihrer Rückkehr in Quarantäne, forderte Freitag.

    Anderer Ansicht ist Ingo Weiss, Sprecher der Spitzenverbände im DOSB. Er findet zwar, dass der Fußball in Deutschland etwas Besonderes ist, aber keine Sonderrechte hat. Dem #Faktenfuchs sagte er: "Wenn ich für den Profisport öffne, damit die Sportler ihrem Beruf nachgehen können, dann muss ich ihnen auch die Möglichkeit geben, dass sie entsprechend reisen - auch zu Auswärtsspielen, ob es nun in der Bundesrepublik ist oder im Europapokal. Ob nun die Reise nach Katar clever war oder nicht oder notwendig war, lasse ich dahingestellt. Das muss jeder für sich entscheiden."

    Steffen Augsberg, Professor für Öffentliches Recht an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Mitglied des Deutschen Ethikrats, stellt im Gespräch mit dem #Faktenfuchs zwar auch eine "relativ enge Verbindung von Fußball und Politik und auch vom Fußball und Gesellschaft" fest. Er sieht das aber "gar nicht nur kritisch", sondern sieht im Umgang des Fußballs mit den Corona-Regeln auch ein Experimentierfeld:

    "Da kann man in einem kleinen Setting vielleicht auch mal Dinge ausprobieren. Zum Beispiel lässt sich mit einer ausgeklügelten Teststrategie ein Quarantäne-Verfahren vermeiden. Das könnte uns ja langfristig allen zugute kommen." Steffen Augsberg, Professor für Öffentliches Recht an der Justus-Liebig-Universität Gießen

    Fazit

    Auf dem Papier hat der Profi-Fußball keine Sonderrechte, weder bei Quarantäne-Regelungen noch bei Reisen. Ob und für wen die Gesundheitsämter nach einem oder mehreren positiven Corona-Fällen eine Quarantäne verhängen, hängt von einer Einzelfallprüfung ab, die zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen kann: Beim FC Bayern wurden bislang immer nur die betroffenen Spieler in Quarantäne geschickt, in anderen Fällen auch schon die gesamte Mannschaft. Auch bei Hallensportarten wurde nach einem Corona-Fall oft die ganze Mannschaft in Quarantäne geschickt.

    Profi-Fußball gilt als Beruf, weswegen - wie in anderen Berufen und anderen Sportarten auch - Reisen ins Ausland erlaubt sind.

    Wer nach einer Rückreise aus Risikogebieten gegebenenfalls in Quarantäne muss und für wie lange, ist in den Einreise-Quarantäneverordnungen der Bundesländer geregelt. Normalerweise müssen Rückreisende danach in häusliche Quarantäne, es gibt jedoch auch eine Reihe von Ausnahmen. In der bayerischen Einreise-Quarantäneverordnung ist auch die Teilnahme an internationalen Sportveranstaltungen als eine solche Ausnahme aufgeführt. Deswegen musste zum Beispiel das Team des FC Bayern nach seinen Europacupreisen oder der Weltpokal-Reise nicht in Quarantäne.

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