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Ex-Nationaltrainerin Theune bekommt Preis für Frauen-Fußball | BR24

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Fußball-Bundestrainerin Tina Theune (rechts) unterhält sich bei einem Spiel im Jahr 2003 mit einer Spielerin.

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    Ex-Nationaltrainerin Theune bekommt Preis für Frauen-Fußball

    Sie hat in ihrer Karriere als Trainerin sechs Mal die Europameisterschaft und einmal die Weltmeisterschaft gewonnen: Nun ist Ikone Tina Theune in Würzburg mit dem Frauenfußball-Preis "Lotte" ausgezeichnet worden. Zusammen mit weiteren Fußballerinnen.

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    Fußball-Ikone Tina Theune ist in Würzburg mit dem Frauen- und Mädchenfußball-Preis "Lotte" ausgezeichnet worden. Die heute 66-Jährige hat als Trainerin bzw. Co-Trainerin der Frauen-Nationalmannschaft sechs Mal die Europa- und einmal die Weltmeisterschaft gewonnen. Vor allem der Triumph bei der EM 1989 sei ihr in Erinnerung geblieben, sagte sie bei der Preisverleihung. Den Jubel und die Begeisterung nach dem Sieg zu erleben, sei der eigentliche Preis gewesen. Sie verknüpft die Erlebnisse außerdem eng mit dem Mauerfall.

    Theune war erste Frau mit Fußball-Trainer-Lizenz

    Theune stammt aus Nordrhein-Westfalen. Sie hatte zwischen 1974 und 1986 bei Grün-Weiß Brauweiler gespielt. Als Spielertrainerin hatte sie die Frauen-Mannschaft des Fußball-Verbands Mittelrhein gecoacht. 1976 war sie die erste Frau, die eine Trainer-Lizenz des Deutschen Fuball-Bunds (DFB) bekam. 1996 wurde "TTM" – wie sie damals genannt wurde – Chef-Trainerin der National-Elf.

    Seit 30 Jahren Einsatz für den Frauen-Fußball

    Seit mehr als 30 Jahren setzt sie sich unermüdlich für den Frauen-Fußball ein und ist bis heute in der Nachwuchsförderung aktiv. Für den DFB begleitet sie unter anderem die Eliteschule des Mädchenfußballs.

    "Wir würden doch 'Lotte' nicht vergeben, wenn es Frauen wie Tina Theune nicht würde, die den Frauenfußball so vorangebracht haben.“ Heinz Reinders, Initiator der "Lotte"-Verleihung
    © picture-alliance/dpa

    Schon 1989 haben die damaligen Siegerinnen der Frauen-Fußball-EM ein Kaffeeservice bekommen, heute wieder. Mit einem Augenzwinkern.

    Den Frauenfußball-Preis bekamen in diesem Jahr außerdem die Europameisterinnen von 1989. Die 18 Spielerinnen hatten den Titel erstmals nach Deutschland geholt und den Beginn einer "sagenhaften Erfolgsgeschichte im Frauen-Fußball" markiert, so die Begründung der Jury.

    Nach EM-Sieg 1989: Kaffeeservice für Spielerinnen

    Die deutschen Frauen, darunter große Namen wie Silvia Neid und Heidi Mohr, gewannen mit 4 zu 1 gegen Norwegen. Tina Theune war damals Co-Trainerin. Mit ihrem Sieg lösten sie im ganzen Land eine Frauenfußball-Euphorie aus. So hätten sie den Weg für künftige Generationen geebnet, würdigte US-Fußballprofi Gina Lewandowski die Mannschaft. Der Sieg der legendären DFB-Frauen-Elf war seinerzeit vom DFB lediglich mit einem Kaffee-Service belohnt worden.

    Auszeichnung für TSV Prosselsheim aus Unterfranken

    Der Lotte-Sonderpreis ging an die Frauenmannschaft des TSV Prosselsheim (Lkr. Würzburg), die seit 30 Jahren besteht. Der unterfränkische Verein wird für seine unermüdliche Arbeit im Breitensport der Mädchen und Frauen und vor allem sein langfristiges Engagement geehrt. Der Preis: Ein Kinder-Fußballcamp in Prosselsheim, das von den Trainern der Spielvereinigung Greuter Fürth geleitet wird.

    Frauen-Fußball: Mehr Unterstützung vom DFB gefordert

    Thema bei der Preisverleihung waren auch die Nachwuchssorgen im Frauenfußball. Laut einer aktuellen Statistik des Deutschen Fußball-Bunds kicken in den bayerischen Vereinen derzeit fast 5.000 Juniorinnen weniger als noch im Vorjahr. Einen Grund dafür sieht "Lotte"-Jurymitglied und Erziehungsforscher Heinz Reinders von der Uni Würzburg bei der strukturschwachen Förderung des DFB. Besonders Nordbayern sei davon betroffen. Die Unzufriedenheit der Mädchenfußball-Vereine in Bayern steige immer mehr an. Reinders sieht deswegen den DFB in der Pflicht: Es sei wichtig, für Jungen und Mädchen gleiche Bedingungen bei der Förderung zu schaffen, betonte er.

    Berliner Projekt als Vorbild

    Eine mögliche Lösung sei die Förderung von Projekten wie "Alle kicken mit" vom Berliner Fußball-Verband. Mit Schul-AGs, Turnieren und Feriencamps soll das Interesse von jungen Mädchen am Fußball geweckt werden. So könne man deren Talente fördern, hieß es. Das Projekt ist mit dem Mädchen-Fußball-Preis ausgezeichnet worden.

    Hintergrund: Frauen- und Mädchenfußball-Preis "Lotte"

    Der Frauen- und Mädchenfußball-Preis "Lotte" ist der erste seiner Art in Deutschland und nach der Frauenfußball-Pionierin Charlotte Specht benannt. Sie hatte 1930 den ersten Frauen-Fußballverein gegründet, der nach Beschimpfungen und Verboten der Eltern wieder aufgelöst wurde.

    Der Preis wird von der Stadt Würzburg gestiftet und geht vom Nachwuchsförderzentrum für Juniorinnen der Universität Würzburg aus. Diese zeichnet alle zwei Jahre Personen, Projekte und Institutionen aus ganz Deutschland für ihr Engagement um die Förderung des Frauenfußballs aus. Die Preisverleihung fand erstmals 2017 statt.