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Doping: 21 Athleten im Visier der Ermittler | BR24

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21 Sportler aus acht Ländern und fünf Sportarten sollen in Europa, in Südkorea und sogar auf Hawaii verbotenes Eigenblut-Doping betrieben haben. Ob deutsche Athleten in den Fokus der Staatsanwaltschaft gerückt sind, ist nicht klar.

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Doping: 21 Athleten im Visier der Ermittler

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt derzeit gegen 21 Athleten aus acht verschiedenen europäischen Nationen wegen Dopings. Die Beweislage sei "grandios", hieß es.

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Die "Operation Aderlass" sei von Anfang an "eine spannende Geschichte" gewesen, in der allerdings längst nicht alle Kapitel geschrieben sind. Dies betonte Oberstaatsanwalt Kai Gräber bei einer Pressekonferenz der zuständigen Staatsanwaltschaft München I, die am 20. März ihr zehnjähriges Bestehen feiert.

Staatsanwaltschaft nennt keine Namen

Konkret ging es am Mittwoch (20.03.) um die Ermittlungen im Zuge der Dopingrazzien während der Nordischen Ski-WM im österreichischen Seefeld. Der Hauptbeschuldigte, der Erfurter Sportarzt Dr. Mark S., wurde inzwischen vernommen. Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte Gräber allerdings keine genauen Angaben zu dessen Aussagen machen. "Insbesondere auch nicht dazu, welche Athleten konkret betroffen sind, oder aus welchen Nationen diese stammen. Die Angaben seien äußerst umfangreich, müssten aber erst auf ihre Stichhaltigkeit, auf ihre Glaubhaftigkeit, auf ihre Schlüssigkeit und Vollständigkeit überprüft werden", so Gräber.

21 Athleten betroffen

Gegenstand der Ermittlungen seien auch Personen, die bislang nichts davon wissen. Zum derzeitigen Stand der Ermittlungen stehe jedoch fest, dass "Eigenblutdoping an 21 Athleten und Athletinnen ermittelt werden konnte. Diese stammen aus acht verschiedenen europäischen Nationen", erklärte Gräber. "Der Zeitraum erstreckt sich von Ende 2011 bis zur WM in Seefeld 2019". Die Frage, ob auch deutsche Athleten darunter sind, wollte Gräber nicht beantworten.

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Weitere Information zur Verweildauer

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Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt glaubt, dass die Dopingermittlungen "erst am Anfang stehen". Er erwartet, "dass noch mehr Sportarten betroffen sind" und bezeichnet "Thüringen als Epizentrum des Dopings in Deutschland".

Fünf Sportarten betroffen

Weltweit hätte eine dreistellige Anzahl von Blutentnahmen und Rückführungen stattgefunden. "In Deutschland, Österreich, Italien, Schweden, Finnland, in Estland, in Kroatien, Slowenien aber auch in Südkorea und auf Hawaii", führte Gräber weiter aus. "Es sind fünf verschiedene Sportarten betroffen, von denen drei dem Wintersport zugerechnet werden können."

Fünfte Person festgenommen

Am Montag wurde in Erfurt zudem eine fünfte Person aus dem Netzwerk um den Hauptbeschuldigten festgenommen, die sich aktuell in Untersuchungshaft befindet. Dieser fünften Person, die keine medizinische Ausbildung habe, wird angelastet "Blutbeutel transportiert zu haben und vielleicht auch Blutdoping durchgeführt zu haben, und das ohne medizinische Ausbildung."

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ARD-Dpoingeyperte Hajo Seppelt zu den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft I.: "Wir reden inzwischen von 21 Sportlern" und von acht europäischen Nationen. Betroffen sind fünf Sportarten. Offensichtlich ist es nur die Spitze des Eisbergs.

Ermittler vergleicht Erfurter Doping-Netzwerk mit Mafia

Während der Nordischen Ski-WM Anfang März hatte es Razzien und Festnahmen im österreichischen Seefeld und in Erfurt gegeben. Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen ein ARD-Interview mit dem österreichischen Langläufer Johannes Dürr, der kurzzeitig ebenfalls festgesetzt wurde. Dürr hatte umfangreich über internationale Doping-Praktiken gesprochen. Die Ermittler hatten insgesamt neun Verdächtige festgenommen, darunter fünf Sportler.

Anfang März kamen immer brisantere Erkenntnisse des Geschehens um den mutmaßlichen Dopingarzt Dr. Mark Schmidt ans Licht. Der leitende Ermittler Dieter Csefan sprach dabei von "mafiösen Strukturen". Csefan ließ am Montag (11.03.) während einer Pressekonferenz in Wien keine Zweifel an der immensen kriminellen Energie der Drahtzieher in der Erfurter und Seefelder Blutdopingaffäre aufkommen. "Ich kann ganz klare Parallelen der Machenschaften dieser Gruppierung um den festgenommenen Arzt Dr. Mark Schmidt und anderer Mafia-Organisationen wie der russischen Mafia, der italienischen Mafia oder auch der Balkan-Mafia feststellen", sagte Csefan.

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Kai Gräber, Leiter der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping in München, gab Details der aktuellen Ermittlungen bekannt. Demnach hat die Behörde 21 Sportler aus acht Nationen und in fünf Sportarten im Visier.