Flutlichtanlage über einem Sportplatz

Flutlichtanlage über einem Sportplatz

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Energiekrise - wer hilft den Sportvereinen?

Energiekrise - wer hilft den Sportvereinen?

Sportvereine gehen im Entlastungspaket der Bundesregierung bisher leer aus. Der DOSB hat einen Maßnahmenkatalog für die Energiekrise erstellt, mögliche Kosten müssten die Vereine aber selbst übernehmen. Haben Amateursportler keine Lobby?

"Der organisierte Sport kann mit seinen 90.000 Sportvereinen und den 27 Millionen Mitgliedschaften eine ungeheure Kraft entwickeln, auch beim Thema Energiesparen. Aber auch diese Kraft ist endlich", sagt Torsten Burmester, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

In Deutschland geht bei Sportvereinen die Angst um, dass der bevorstehende Herbst und Winter noch einschneidender werden könnte also die Zwangspausen während des Corona-Lockdowns. Denn das Entlastungspaket drei der Bundesregierung hilft zwar zahlreichen sozial schwächeren Gruppen, unterstützt beispielsweise Familien, Rentner und Studenten. Aber der Sport bekommt aktuell noch keine finanzielle Unterstützung.

Nichts aus Corona gelernt?

"Eigentlich hätte man daraus lernen können, was während Corona passiert ist. Die Vereine waren am Existenzminimum. So richtig erholt sind die Vereine noch nicht", sagt BR-Sportreporter Lukas Schönmüller mit Blick auf die noch fehlende politische Unterstützung im "Eins gegen eins"-Meinungstalk von BR24 Sport.

Die BR24-Sportreporter Lukas Schönmüller (links) und Philipp Nagel

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12-seitiger Maßnahmenkatalog des DOSB zum Energiesparen

Auch die Kritik von Seiten der Sportverbände kam prompt. Allen voran der DOSB fühlte sich übergangen und nicht gehört. "Es kann nicht sein, dass die Politik die Fehler der Coronapandemie wiederholt und die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft so geringschätzt", sagte Burmester: "Unsere Sportvereine brauchen eine spürbare finanzielle Entlastung."

Der DOSB präsentierte prompt einen 12-setigen Maßnahmenkatalog, wie sich Sportvereine kurz-, mittel- und langfristig aufstellen sollten - und idealerweise bis zu 20 Prozent Energie sparen.

Gemeinsam mit Sportkollege Philipp Nagel hat sich BR-Reporter Schönmüller den DOSB-Maßnahmenkatalog vorgeknöpft. "Der grundsätzliche Ansatz des DOSB ist nicht verkehrt", so das Fazit. Aber: "Viele Dinge sind einfach nicht umsetzbar."

Wie soll man die DOSB-Empfehlungen umsetzen?

Zwei Beispiele: Klubs mit Flutlicht-Sportplätzen dürften geschluckt haben, bei der Empfehlung, Spiele und Trainingseinheiten in den Tageslichtbereich zu verlegen. Da vorwiegend schulpflichtige Kinder und Berufstätige in den Vereinen sind, ist das, da es bereits im Herbst am späten Nachmittag dunkel wird, kaum umsetzbar.

Und alles aufs Wochenende legen bei Tageslicht? Gespielt wird in den Amateurligen ohnehin schon fast ausschließlich, wenn es hell ist. Dann sind die meisten Plätze besetzt. Paralleler Trainingsbetrieb in Vereinen mit mehreren Teams übersteigt dann irgendwann die Platzkapazität.

Die Risiken beim Energiesparen

Nicht viel anders schaut es in Sporthallen aus. Training ohne Licht? Weniger Heizen? Obwohl der DOSB hier entsprechende Einsparmaßnahmen vorsieht, warnt er gleichzeitig: "Achtung Schäden drohen bei zu niedrigen Temperaturen/Taupunkte beachten." Der Versuch des Energiesparens wird für viele Hallenbetreiber dann auch ein Test, wie belastbar die vielfach schon älteren Heizungsanlagen noch sind.

Leere Kassen - kein Geld für Maßnahmenumsetzung

Auch der Kostenfaktor spielt beim Thema Freilufttraining natürlich mit. Langfristig sollten nach DOSB-Empfehlung beispielsweise Flutlichtanlagen auf LED-Technik umgerüstet werden. Maßnahmen, die nach der Corona-Pandemie in zahlreichen Amateurvereinen, die die vergangen zwei Jahre ohnehin finanziell schwer getroffen haben, kaum realisierbar sind.

Selbst der DOSB räumt ein, dass bei vielen Klubs nach zwei Jahren Corona-Pandemie "die Reserven aufgebraucht" seien, "viele Vereine werden die explodierenden Energiekosten kaum stemmen können", sagt Burmester.

Fußballer und Handballer wollen Energie sparen

Auf dem Papier formieren sich Sportverbände und Ligen, um mit noch mehr Nachdruck auf die Gefahren hinzuweisen. Die Profiklubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) sollen mindestens 15 Prozent Energie einsparen, der Deutsche Handballbund (DHB) forciert das 20-Prozent-Ziel. Doch so simpel funktioniert die Rechnung natürlich nicht, dass in der DFL oder dem DHB eingesparte Energie anderswo beliebig in Sportvereinen verwendet werden kann.

Vor allem im Amateurbereich sind die Sorgen größer denn je. "Wir können die Plätze nicht einen dritten Winter in Folge geschlossen halten", sagt beispielsweise Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): "Deshalb befürworten wir mit Blick auf Energiefragen Entlastungen für Vereine. Der Sport ist da gemeinsam energisch unterwegs."

Felix Neureuther - eine Stimme der Sportvereine und Kinder?

Trotz der angepeilten Solidarität der Verbände: Was fehlt, ist eine Sport-Persönlichkeit in Deutschland, die gerade für die Vereine und Amateursportler ein Sprachrohr ist. Wer das sein könnte, da sind sich die BR-Sportreporter Schönmüller und Nagel einig: "Felix Neureuther, der findet definitiv Gehör in diesem Land."

Der meldete sich tatsächlich in einem dpa-Interview bereits zu Wort. "Bitte nicht wieder die Zukunft unserer Kinder auf's Spiel setzen. Das kann unsere Gesellschaft und auch der Klimawandel schon aushalten, dass wir die Sportstätten offenlassen", sagte Neureuther. Auch der ehemalige Spitzenskifahrer macht sich fürs Energiesparen stark. Eine Schließung von Sportplätzen, Hallen und mehr will er aber verhindern: "Wenn es aber um das Essentiellste, um unsere Kinder, geht - dann müssen erst recht die Sportstätten offen bleiben."

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