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Eishockey: Die Erfolgsformel des EHC München | BR24

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Spielszene EHC München

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    Eishockey: Die Erfolgsformel des EHC München

    Vizemeister EHC München galt im Sommer eher als Herausforderer denn Topfavorit auf den Titel in der Deutschen Eishockey Liga. Nach einem makellosen Saisonbeginn samt Startrekord sieht das anders aus - der Tabellenprimus wirkt so souverän wie nie.

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    Vermutlich verspürten die Trainer und Spieler der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Dienstagabend einen Hauch von Erleichterung. Der EHC München verlor in der Champions Hockey League 1:3 beim schwedischen Meister Färjestad Karlstad. Es war die erste Pflichtspielniederlage des Vize-Meisters, der mit der makellosen Bilanz von elf Siegen in elf Spielen in die aktuelle DEL-Saison gestartet ist. Der EHC München ist also doch noch schlagbar.

    Vielleicht aber auch nur auf den ersten Blick. Weil der EHC schon vor der Partie als Gruppensieger feststand, schonte Coach Don Jackson gleich neun Leistungsträger. Kurios: Weil Stammtorwart Danny aus den Birken in München blieb und der dritte Goalie Daniel Fiessinger wegen einer Erkrankung kurzfristig ausfiel, saß EHC-Manager Christian Winkler, 48 Jahre, als Ersatztorwart auf der Bank.

    Trotzdem: Auch mit der B-Mannschaft wäre ein Münchner Sieg drin gewesen, Flügelspieler Trevor Parkes sprach von "kleinen Fehler im eigenen Drittel (...), die ein gutes Team wie Färjestad eiskalt ausnutzt." Die Münchner ärgerten sich also doch, auch wenn Parker versicherte: "Wir müssen aus dem Spiel lernen, dürfen uns aber auch nicht zu viele Gedanken darüber machen."

    Die Münchner Erfolgsformel: Balance und Kaderbreite

    Was der aktuelle DEL-Überflieger auf jeden Fall aus Schweden mitnehmen kann: Das Wissen, das der Kader breit genug ist, um in einer langen, kräftezehrenden Saison in zwei Ligen - DEL und CHL - um den Titel mitzuspielen. Das war ein Manko am Ende der vergangenen Saison. Am Saisonende waren teilweise bis zu acht Spieler verletzt.

    Die Lehren aus der vergangenen Saison

    Mit einem Rumpfkader musste sich München im DEL-Finale relativ deutlich 1:4 gegen Adler Mannheim geschlagen geben. Die Doppelbelastung DEL und CHL war zuviel. Hinzu kam, dass nicht alle Neuzugänge wie erhofft eingeschlagen hatten, Abgänge wie die von Olympia-Silberheld Dominik Kahun oder Toptorjägers Keith Aucoin wurden nicht kompensiert.

    In München haben sie offenbar aufmerksam ihre Fehler studiert, wenn man die Aktivitäten in der vergangenen Transferperiode verfolgt hat und auf den aktuellen Kader schaut. Wieder gab es schmerzhafte Abgänge, darunter München-Legende und Kapitän Michael Wolf. Doch diesmal schlug der Vize-Meister gezielt zu - und die Neuzugänge ein.

    © picture-alliance/dpa

    Erfolgstrainer Don Jackson

    Die Routiniers treffen zuverlässig

    Neben Chris Bourque, Sohn von NHL-Legende Ray, kam mit Philipp Gogulla von der Düsseldorfer EG einer der besten deutschen Stürmer der vergangenen Jahre. Beide punkteten in der aktuellen DEL-Saison schon zweistellig. Das gilt auch für die EHC-Routiniers Mark Voakes und Yasin Ehliz. Und weitere Neuzugänge haben das Potenzial, den Münchner Sturmwirbel - 44 Tore in den ersten elf Spielen - noch weiter zu verstärken. Der Kanadier Derek Roy beispielsweise. Olympia-Bronze, WM-Silber, knapp 800 NHL-Spiele. Obwohl schon 36 hat er das Zeug, dem EHC München im Sturm eine weitere spezielle Note zu verpassen.

    Die Talente spielen unerwartet stark

    Das erfahrene Eishockey-Cracks schnell in München Fuß fassen würden, konnte man erahnen. Nicht rechnen konnte man dagegen damit, dass die als Talente verpflichteten Neuzugänge sofort ins Team drängen. Der 19-jährige Justin Schütz und der erst 17-jährige John Jason Peterka kamen aus der Red-Bull-Nachwuchsakademie in Salzburg und sollten eigentlich behutsam ans Team herangeführt werden.

    Die wollten sich offenbar beide aber gar nicht soviel Zeit lassen. Beide haben schon drei Tore und drei (Schütz) bzw. zwei (Peterka) Assists auf dem Konto. Und Schütz traf in Karlstadt sogar erstmals auch in der Champions League. "Es läuft gerade einfach", kommentierte Schütz seinen und den derzeitigen Lauf des EHC München lapidar.

    Münchner Balanceakt zwischen Offensivwirbel und Abwehrarbeit

    Trainer Don Jackson reibt sich angesichts der Flexibilität und Kaderbreite der Münchner in dieser Saison natürlich die Hände und lobt die "großartige Balance im Team, wenn man auf das Scoring schaut." Die Münchner sind kaum ausrechenbar, weil die Torgefahr von so vielen Kufen-Virtuosen ausgeht - die gleichzeitig aber auch nicht die Grundlagen des modernen Spiels vernachlässigen.

    "Die haben nicht nur das Selbstvertrauen, das Richtige mit Puck zu tun, sondern wissen auch defensiv, was sie machen müssen", unterstreicht Jackson am Beispiel seiner Jungstars. Mit gerade einmal 19 Gegentoren hat der EHC bisher die stärkste Defensive der Liga.