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Julian Gressel in einem Fußballspiel der Major League Soccer
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Bernd Eberwein
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Julian Gressel in einem Fußballspiel der Major League Soccer

Nach seiner Premierensaison war Julian Gressel im Januar 2018 nach über einem Jahr wieder einmal in seiner Heimat Neustadt an der Aisch. "Ich denk auch öfters dran, wenn ich in Atlanta bin, wenn ich ehrlich bin, wie wär das jetzt, wenn ich in der kleinen Stadt Neustadt wär", sagte er dem Bayerischen Rundfunk damals: "Aber, ja, es ist einfach schön, beide Seiten, beide Leben sind schön und ich freue mich, dass ich hier bin jetzt und die Zeit hier genießen kann."

In die USA - nicht nur wegen des Studiums

Sein melodisch-ausgeglichenes Fränkisch hat Gressel noch nicht verloren. Obwohl er schon länger in den USA lebt. Bereits 2013 verließ er das beschauliche Franken Richtung US-Bundesstaat Rhode Island. Nicht nur, um am dortigen Providence College zu studieren. Sondern auch, um seine stockende Fußballkarriere wieder voranzubringen.

Gressel spielte im Jugendbereich lange bei der Spielvereinigung Greuther Fürth. "Greuther Fürth hat mich im Alter von 15 Jahren nicht mehr übernommen", erinnert er sich heute. Gressel spielte weiter Fußball, wenn auch nicht in den höchsten Ligen, und konzentrierte sich erst einmal auf sein Abitur. Dann wagte er den Schritt in die USA: von Regionalligist Eintracht Bamberg zu den Providence Friars in Rhode Island.

Atlantas Glücksgriff - oder umgekehrt?

Der Lohn nach vier Spielzeiten (2013 bis 2016) bei den Friars: Gressel rutschte in die Drafts der MLS, in dem sich die Klubs die besten Nachwuchsspieler sichern. Atlanta United sicherte sich Gressels Dienste 2017. Ein Verein, der erst 2014 seine MLS-Lizenz erhalten hat und 2017 überhaupt erstmals in der Liga antrat. Dazu ein junger Spieler aus Deutschland, dem man in der Heimat quasi schon den Stempel "gescheitert" verpasst hatte.

Die Symbiose funktioniert bisher perfekt. Gleich in seiner ersten Saison überzeugte Gressel mit fünf Toren und neun Vorlagen in 32 Spielen. Vier Tore und 14 Vorlagen sind es bisher in Spielzeit zwei. Die Fans verehren Gressel mit markigen Spruchbändern. Dabei ist die Saison noch nicht beendet, sondern steuert geradewegs auf den großen Final-Showdown am Samstag (08.12.18) zu: Gressel und Atlanta United stehen im MLS-Finale gegen die Portland Timbers.

Gressel-Fan: "Gressel Mania" ist eine Anspielung auf das US-amerikansiche Profiringen und dessen Topevent "Wrestle Mania".

Gressel-Fan: "Gressel Mania" ist eine Anspielung auf das US-amerikansiche Profiringen und dessen Topevent "Wrestle Mania".

Ein Trainer, der schon beim FC Barcelona auf der Bank saß

Da, wo man vielleicht einen Bastian Schweinsteiger mit Chicago Fire oder einen Zlatan Ibrahimovic mit LA Galaxy erwartet hätte, spielt also nun eine junge Truppe der bisher Unbekannten. Der vermeintlich bekannteste Name bei Atlanta United sitzt auf der Bank: der Argentinier Gerardo "Tata" Martino.

Auch dem wurde schon das Prädikat des Unvollendeten, ähnlich wie Gressel, zugeschrieben. Zwar war Martino in Paraguay schon vier Mal Meister. Mit dem FC Barcelona verpasste er am letzten Spieltag 2013/14 aber die Meisterschaft und trat zurück. Als argentinischer Nationaltrainer verpasste er gleich zwei Mal (2015 und 2016) im Elfmeterschießen die Copa América - und trat zurück.

MLS-Titel als Schub für Spieler und Trainer

Julian Gressel träumt natürlich davon, irgendwann auch einmal in Deutschlands höchster Spielklasse aufzulaufen. "Auf der einen Seite gefällt es mir super in Atlanta. Andererseits ist es auch der sportliche Ansporn, der mich antreibt", sagte er dem "Kicker". Auch Martino könnte sich durch den MLS-Titel wieder bei europäischen Spitzenklubs ins Visier bringen. Aus persönlichen Gründen hört er auf jeden Fall nach dem Finale auf. "Ich möchte Atlanta einfach dafür danken, dass ich an der Geburt dieses neuen Klubs von Anfang an teilhaben konnte", sagt er. Der MLS-Titel nach nur zwei Jahren wäre die Krönung einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte.