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Ein Frankenderby zum Meisterschafts-Jubiläum | BR24

© picture-alliance/dpa

Endspiel um die deutsche Fußball-Meisterschaft 1920 zwischen Nürnberg und Fürth

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    Ein Frankenderby zum Meisterschafts-Jubiläum

    Vor 100 Jahren, am 13. Juni 1920, gewann der 1. FC Nürnberg erstmals die deutsche Fußball-Meisterschaft - gegen den damaligen Dauer-Rivalen aus Fürth. Ein Jahrhundert später ist der Glanz dahin, Club und Kleeblatt kämpfen in Liga zwei um Punkte.

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    Die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren zweifelsohne die größte Zeit des fränkischen Fußballs in Deutschland. Fünf deutsche Meisterschaften feierte der 1. FC Nürnberg, zwei die damalige SpVgg Fürth. Nie wieder waren fränkische Teams so dominant.

    Am 13. Juni 1920 standen sich die Rivalen im Endspiel um die Meisterschaft im Frankfurter Germania-Stadion gegenüber. Der gebürtige Nürnberger Luitpold Popp und der Ungar Péter Szabó trafen für den Club. Schiedsrichter damals übrigens Peco Bouwens, der nach dem Zweiten Weltkrieg erster Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach der Neugründung wurde.

    Die Nürnberger Meisterschaft 1920 war die erste nach dem Weltkrieg. Zuvor wurde sechs Jahre lang nicht gespielt. Der letzte Meister und somit Titelverteidiger aus dem Jahr 1914 war - die SpVgg Greuther Fürth.

    © 1. FC Nürnberg

    Die Nürnberger Meistermannschaft 1920

    Nationalmannschaft: Nürnberger und Fürther nur auf dem Platz vereint

    A propos DFB: Deutschlands Fußballverband wurde wie der 1. FC Nürnberg 1900 gegründet, seit 1908 gab es Länderspiele und eine Nationalmannschaft. Die bestand in den 20er-Jahren fast nur aus Nürnberger und Fürther Spielern.

    Erwähnt sei eine Anekdote aus dem Jahr 1924. Am 21. April spielte Deutschland, bestehend aus fünf Nürnbergern und sechs Fürthern - in den Niederlanden. Die DFB-Auswahl gewann 1:0, der erste Sieg überhaupt bei einer Oranje-Elf - obwohl die Spieler auf dem Feld nicht einmal miteinander redeten. Und auch jenseits des Platzes herrschte eisiges Schweigen.

    Eine Woche zuvor hatten sich der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth in einem Spiel um die Süddeutsche Meisterschaft 0:0 getrennt. Dabei ging's durchaus etwas rustikaler zu, diverse Rote Karten inklusive. Zum Länderspiel fuhren die Nationalspieler zwar in einem Zug, aber in getrennten Waggons.

    Die Rivalität ist bis heute geblieben. Jahrzehntelang musste sich die heutige SpVgg Greuther Fürth Häme aus der Nachbarstadt anhören. Während Fürth lange in den Niederungen von Bayernliga oder gar Landesliga verschwunden war, spielte der 1. FCN meist Bundesliga, gewann nach dem Zweiten Weltkrieg drei Meisterschaften und durfte sich lange sogar "Rekordmeister" nennen.

    Doch seit dem ersten Abstieg 1969 avancierte der 1. FC Nürnberg mehr und mehr zum Pendler zwischen den Ligen eins und zwei - sehr zur Schadenfreude der Fürther.

    Hans Sutor: Vereinswechsel wegen Hochzeit

    Mit bisher 265 Austragungen seit 1904 gilt das Frankenderby zwischen Nürnberg und Fürth als ältestes und am häufigsten ausgetragenes Derby in Fußball-Deutschland. Das Zweitligaduell an diesem Bundesliga-Spieltag (Samstag, 13.00 Uhr) ist Nummer 266, das Meisterschaftsendspiel 1920 war Vergleich Nummer 64.

    Für einen Fürth-Spieler war es damals die letzte Partie im Kleeblatt-Dress. Hans Sutor, seit der Jugend bei Vereinen in Fürth aktiv, verließ die Spielvereinigung nicht ganz freiwillig. Er hatte eine Nürnbergerin geheiratet, wodurch er jeden Respekt bei Verein und Mitspielern verlor. Sutor wechselte, vielleicht auch aus Trotz, zum 1. FC Nürnberg, wo er drei Meisterschaften feierte und Nationalspieler wurde.

    © picture-alliance/dpa

    Hans Sutor (Archivbild, ca. 1920)