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Julian Gressel reckt nach dem Finalsieg die Fäuste in die Höhe
© pictue-alliance/dpa
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Julian Gressel reckt nach dem Finalsieg die Fäuste in die Höhe

"Es ist unbeschreiblich. So viel harte Arbeit. Jeder hier in Atlanta hat diesen Titel verdient", sagte Gressel nach dem 2:0-Finalsieg seines Klubs Atlanta United gegen die Portland Timbers in der Nacht auf Sonntag (MEZ). Die Familie war zu neunt angereist, sogar der Opa saß im Stadion zwischen den 73.000 Fans, um das Finale der US-amerikanischen Profiliga Major League Soccer (MLS) zu verfolgen. MLS-Rekordtorschütze Josef Martinez traf nach 39 Minuten mit seinem 35. Saisontor zum 1:0, Franco Escobar sorgte nach 54 Minuten für die Vorentscheidung.

Der Titelgewinn für Atlanta und Gressel war nach dem Saisonverlauf nicht überraschend. Blickt man jedoch etwas weiter zurück, zeigt sich, dass sich mit Gressel und Atlanta ein perfektes Team gefunden hat. Gressel, bis zum 15. Lebensjahr bei der Spielvereinigung Greuther Fürth aktiv, schien schon am Ende seiner Karriere zu sein.

Fürth, Bamberg, Providence, Atlanta - Meister!

Greuther Fürth übernahm ihn nicht, Gressel zog's in die Regionalliga Bayern zu Eintracht Bamberg. Dann der Entschluss: Studium in den USA, am Providence College im US-Bundestaat Rhode Island konnte er das auch bei den "Providence Friars" prächtig mit dem Fußballspielen kombinieren. In den Drafts der MLS, in dem sich die Vereine die besten Nachwuchsspieler sichern, schlug dann 2017 Atlanta zu. In seinem ersten Jahr wurde Gressel zum besten Nachwuchsspieler die Liga gekürt, sein zweites Jahr endete in der vergangenen Nacht mit dem Meistertitel.

Das Team von Atlanta United mit dem US-Meisterpokal

Das Team von Atlanta United mit dem US-Meisterpokal

Und auch Atlanta ist eine Stadt mit wechselvoller Sport-Vergangenheit. Den letzten großen Titel gab's 1995, vor über 20 Jahren. Damals konnten die Atlanta Braves die US-Baseballmeisterschaft gewinnen. Die Fußballer gibt's in der Stadt von Coca-Cola und Martin Luther King erst seit 2014. Da erhielt der Klub seine MLS-Lizenz. Die erste Spielzeit war die vergangene im Jahr 2017 - mit Gressel, dem hoffnungsvollen Newcomer aus Germany, der in seiner zweiten Saison in Atlanta den ersten großen Titel seiner jungen Karriere feiert.

Gressel folgt auf Beckenbauer und Granitza

Gemeinsam mit Kevin Kratz aus Eschweiler, der allerdings zuletzt nur in der zweiten Mannschaft spielte und auch im Finale nicht zum Einsatz kam, ist Gressel der erste Deutsche überhaupt, der die MLS-Meisterschaft gewinnen konnte. Vor ihm war Franz Beckenbauer US-Fußballmeister. Das allerdings sogar drei Mal - 1977, 1978 und 1980 - mit Cosmos New York. Karl-Heinz Granitza wurde es in den Jahren 1981 und 1984 mit den Chicago Stings. Damals allerdings noch in der North American Soccer League (NASL), einem Vorläufer. Professionalisiert wurde der US-Fußball erst mit der MLS, die 1996 in ihre erste Saison ging.