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EHC München: Der "Vize" will wieder triumphieren | BR24

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Eishockey-Vizemeister EHC Red Bull München hat große Ziele für die neue Saison: Nach Möglichkeit sollen zwei Titel her - in der DEL und in der Champions Hockey League. Die Voraussetzungen dafür scheinen nicht schlecht zu sein.

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EHC München: Der "Vize" will wieder triumphieren

Umbruch beim deutschen Vizemeister: Der EHC München geht mit zahlreichen personellen Veränderungen in die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Das Zeug zum Titel haben die Münchner trotzdem - auch dank eines kanadischen "Königstransfers".

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So lief die letzte Saison

Nach der Hauptrunde gab's noch einen neuen Punkterekord für die Oberbayern: 109 Zähler. Besser waren sie nie. Das Problem nur: Mannheim war nochmal acht Punkte besser - und am Ende auch in den Play-offs eine Klasse für sich. Mit einer 1:4-Serie kegelten die Adler die Bullen im Finale überlegen vom Thron, der Traum von der vierten Meisterschaft in Serie war ausgeträumt.

Vielleicht war es der Preis der Champions Hockey League (CHL), dass München die vierte Meisterschaft in Serie nicht geglückt ist. Beim CHL-Finalisten waren am Ende bis zu acht Spieler gleichzeitig verletzt, die langen und kräftezehrenden DEL-Play-off-Serien gegen Berlin und Augsburg taten ihr Übriges.

Und einige Spieler wie Stajan oder Shugg waren dann doch nicht die erhofften Kracher, die die Abgänge von Olympia-Silberheld Dominik Kahun, der nun für Pittsburgh in der NHL wirbelt, und des langjährigen Toptorjägers Keith Aucoin gleichwertig hätten kompensieren können.

Wer kommt, wer geht?

Ein Abschied schmerzt ganz besonders: Kapitän Michael Wolf. Der zweitbeste Torschütze der bisherigen DEL-Geschichte ist nicht eins zu eins zu ersetzen. Sein Torriecher legendär, sein Wert in der Kabine eigentlich unbezahlbar. Aber nach 782 Spielen und zuletzt vier Jahren in München war jetzt Schluss. Wolf möchte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Statt am Fließband einzunetzen hilft er nun vorerst seinem Vater in Füssen beim Schuhe verkaufen.

Der Abgang von John Mitchell trifft die Münchner ebenfalls hart. Der 34 jährige kam vor einem Jahr mit der Erfahrung von weit über 500 NHL-Spielen und avancierte zum Münchner Topscorer. Nun beendete er seine Karriere ebenso wie 800-NHL-Spiele Mann Matt Stajan, der den hohen Erwartungen nicht immer gerecht werden konnte.

Auch bei den jungen Spielern ist einiges im Umbruch. Tobias Eder ging zur Düsseldorfer EG, sein Bruder Andreas wurde an Nürnberg verliehen. Ebenfalls verliehen: Jakob Mayenschein. Er spielt die kommenden Monate in Augsburg.

Zwei der interessantesten Neuzugänge könnten gegensätzlicher nicht sein. Auf der einen Seite der Kanadier Derek Roy. Knappe 800 NHL-Spiele, unter anderem Bronze bei Olympia, Silber bei der WM und zuletzt auch in der schwedischen Liga einer der absoluten Topstürmer. Obwohl mittlerweile 36 hat er das Zeug zum Königstransfer der Liga.

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Knappe 800 NHL-Spiele, unter anderem Bronze bei Olympia, Silber bei der WM und zuletzt auch in der schwedischen Liga einer der absoluten Topstürmer: München-Neuzugang Derek Roy hat er das Zeug zum Königstransfer der Liga.

Auf der anderen Seite: John Jason Peterka. 17 Jahre jung, in der Red-Bull-Akademie ausgebildet. Ein Riesentalent, das den Sprung ins Team schnell schaffen könnte.

Und es gibt noch zwei weitere Kracher: Neben dem torgefährlichen Chris Bourque, Sohn von NHL-Legende Ray, kam aus Düsseldorf mit Philipp Gogulla einer der besten deutschen Stürmer des letzten Jahrzehnts.

Der Trainer

Wie emotional Don Jackson werden kann, das konnte man vor einer Woche in der CHL erleben: Wegen Schiedsrichterbeleidigung und eines nicht nur verbalen Wutausbruchs wurde er von der Bank verwiesen. Vor einigen Jahren wurde er zum Youtube-Star, als er sich in Nordamerika eine Raufeinlage mit dem gegnerischen Maskottchen lieferte.

Don Jackson nun aber als Raubein abzustempeln wäre völlig falsch. Im Gegenteil. Der Mann, der oft mit leiser Stimme spricht, ist im Umgang sehr freundlich und als Coach vom Erfolg besessen. Ein Trainer, der 24 Stunden am Tag Eishockey lebt und alles für sein Team tut. Und einer, der trotz seiner ganzen Erfolge wissbegierig geblieben ist.

In der Kabine hat er viel Autorität, nicht nur wegen seiner Erfolge als Trainer. In den 80er-Jahren gewann Jackson als Spieler zweimal den Stanley Cup und war Teil der legendären Edmonton Oilers um Superstars wie Gretzky, Messier, Coffey, Kurri und Pouzar. Für viele das beste Team der Eishockeygeschichte.

Die Prognose

Die Fans erwartet ein Zweikampf um den Titel: Meister Mannheim hat 16 Millionen Euro Etat, München 15,5 Millionen. Beide Teams haben sich im Sommer verstärkt, es dürften nur Nuancen entscheiden. Auch wenn laut einer aktuellen Umfrage viele DEL-Trainer und verantwortliche Mannheim am Ende ganz oben sehen: München hat definitiv ebenso das Zeug dazu.

Die letzten CHL-Auftritte haben die Münchner Klasse schon aufblitzen lassen. Auch wenn der Verlust von Michael Wolf nur schwer zu kompensieren ist, wirken die Münchner um ihren Goalie Danny aus den Birken kompletter als im vergangenen Jahr. Spannend wird allerdings sein, ob die Oberbayern in dieser Saison gerade in Powerplay-Situationen mehr rausholen - in der vergangenen Saison das wohl größte Manko und eines, das mit Sicherheit einige Punkte gekostet hat. Gerade im Vergleich mit Mannheim.