Zurück zur Startseite
Sport
Zurück zur Startseite
Sport

Europas Fußballklubs wollen Champions League reformieren | BR24

© picture-alliance/dpa

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und ECA-Chef Andrea Agnelli (rechts)

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Europas Fußballklubs wollen Champions League reformieren

Die europäische Fußball-Klubvereinigung ECA hat Pläne zur Neuordnung der Champions League ab 2024 bestätigt. Spekulationen über eine "Super-Liga", die in Konkurrenz zur Klub-WM des Weltverbands FIFA stehen würde, wies sie aber zurück.

Per Mail sharen

"Es ist der Start eines Prozesses. Wir brauchen aber etwas Zeit, um die verschiedenen Vorschläge zu analysieren", sagte Andrea Agnelli, Präsident von Juventus Turin und gleichzeitig ECA-Vorsitzender, zum Abschluss der Generalversammlung in Amsterdam. Agnelli rechnet mit einer Bearbeitungszeit von "zwölf bis 18 Monaten". Die European Club Association (ECA) ist ein Zusammenschluss von 232 europäischen Fußball-Profivereinen.

Pläne für eine europäische Super-Liga

Am vergangenen Wochenende waren ECA-Pläne öffentlich geworden, die Champions League grundsätzlich zu reformieren und so eine Art "Super-Liga" einzuführen. Von 2024 an sollen die besten 32 Teams Europas in vier Achtergruppen spielen. Die jeweils vier besten Mannschaften ziehen in die K.o.-Runde ein. Auf- und Abstiege soll es nur eingeschränkt geben, die Vereine hätten so mehr Planungssicherheit. Vorausgegangen war ein Treffen von ECA-Mitgliedern mit Vertretern der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in der vergangenen Woche.

Auf die angeblichen Pläne angesprochen wollte sich Agnelli nicht weiter äußern. "Es war nur eine Vision dafür, was wir in Zukunft wollen, nichts Endgültiges", sagte der 43-Jährige. Berichten, wonach selbst die Meister der großen nationalen Ligen nicht automatisch für die Champions League qualifiziert sein könnten, widersprach er. "Das Dogma lautet: Die Meister werden immer reinkommen", sagte Agnelli, der den Prozess "offen und transparent" führen will.

Denkbar sei aber eine ausgeweitete Auf- und Abstiegsregelung innerhalb der europäischen Wettbewerbe. Auch internationale Spiele am Wochenende - die somit Verlegungen der nationalen Spiele wie der Bundesliga benötigen würden - seien denkbar.

UEFA kontra FIFA, Super-Liga kontra Klub-WM

Durch den Vorstoß der Topklubs steckt der europäische Fußballverband UEFA in einem Dilemma. Ohne die Zugpferde, die Spitzenvereine, wäre eine Champions League mehr oder weniger wertlos. Gleichzeitig würde die Einführung einer europäischen Super-Liga aber zu Differenzen mit dem Weltverband FIFA führen. Der hatte erst Mitte März entschieden, ab 2021 eine auf 24 Teams aufgestockte Klub-Weltmeisterschaft auszutragen statt des bisherigen Confederations Cup der Nationalmannschaften.

Entscheidet sich die UEFA, den ECA-Ideen zu folgen, gäbe es zwei aufgestockte Wettbewerbe für Vereinsmannschaften. Die UEFA hatte sich - erfolglos - gegen die FIFA-Pläne der Klub-WM gestemmt. Forciert sie jetzt die Aufstockung der Champions League, wäre das eine deutliche Kampfansage an die FIFA und deren Präsidenten Gianni Infantino. Durch die europäische Super-Liga würde die Klub-WM vor allem an Werbewert verlieren: Im Kampf um TV- und Marketing-Milliarden stehen beide Wettbewerbe in Konkurrenz.

Das ist die "European Club Association"

Die European Club Association gibt es seit 2008. Unter dem Vorsitz von FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wurde eine Interessengemeinschaft gegründet, um Einfluss auf die Entscheidungen der großen Fußballverbände UEFA und FIFA zu nehmen. Mittlerweile hat die ECA 232 Mitglieder. Sie ist durch ihre Mitglieder in fast allen wichtigen Fußballgremien vertreten.

ECA_Chef Agnelli und Paris-Besitzer Nasser al-Khelaifi haben jeweils einen Sitz im UEFA-Exekutivkomitee. Im Stakeholder-Komitee der FIFA sitzen fünf ECA-Vertreter, unter anderem von Real Madrid, AS Rom, Ajax Amsterdam und dem FC Arsenal. Der deutsche Fußball ist in der ECA neben dem FC Bayern mit zwölf weiteren Vereinen vertreten.