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Drittliga-Neustart: Die Fronten verhärten sich | BR24

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Drittligalogo, Rote Karte und Schiedsrichterpfeife

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Drittliga-Neustart: Die Fronten verhärten sich

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will die Saison in der 3. Liga ab Ende Mai fortsetzen. Zahlreiche Klubs stemmen sich aber weiter dagegen. Jetzt droht der DFB, im Falle eines Saisonabbruchs mögliche Schadenersatzforderungen auf die Klubs umzulegen.

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Rückblick April 2020: Zehn von 20 Drittligaklubs sind in einer Abstimmung für die Fortsetzung der wegen des Coronavirus unterbrochenen Saison. Acht Teams sind dagegen, zwei enthalten sich. Man hätte ahnen können, dass der Neustart bei einem so knappen Abstimmungsverhalten nicht ganz reibungslos verlaufen wird.

Seit der DFB vor wenigen Tagen festgelegt hat, dass die 3. Liga ab dem 26. Mai wieder den Spielbetrieb aufnehmen soll - vorbehaltlicher behördlicher Genehmigungen -, wächst der Widerstand bei zahlreichen Klubs von Carl Zeiss Jena bis Preußen Münster.

Der Grundtenor in den meisten Fällen: Die Saison-Fortsetzung reiße ein zu großes Loch in die ohnehin knappen Drittligabudgets, daneben sei das vom DFB verabschiedete Hygienekonzept nicht überall umsetzbar und ebenfalls mit weiteren Kosten verbunden. Zu allem Überfluss verhindern derzeit noch Beschränkungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt Spiel- und Trainingsbetrieb bei einigen Klubs - und das teilweise auch noch bis in den Juni hinein.

DFB: "Debatte gefährdet die Zukunft der 3. Liga"

Die Präsidenten der DFB-Regional- und Landesverbände haben sich in einer Konferenz am Mittwoch (13.05.2020) intensiv mit der aktuellen Situation der 3. Liga auseinandergesetzt - mit Ergebnissen, die nicht jedem Drittligaklub gefallen werden.

"Die Konferenz ist der Auffassung, dass die aktuellen und von einigen Vereinen betriebenen Debatten sowohl der 3. Liga als auch dem gesamten deutschen Fußball mit dem DFB und seinen 26 Mitgliedsverbänden großen Schaden zufügen. Dies gefährdet die gesamte Zukunft der 3. Liga." Schon die ersten Sätze der Verbandsmitteilung nach der Konferenz zeigen, dass der DFB gewillt ist, einzelne Vereine in die Schranken zu weisen.

Bei Saisonabbruch sollen die Klubs Schadenersatzforderungen tragen

Der DFB pocht auf die "satzungsgemäße und mittels Zulassungsvertrag zwischen DFB und Vereinen vereinbarte Verpflichtung hin, einen Spielbetrieb in der 3. Liga durchzuführen und folglich die Saison in der 3. Liga zu Ende spielen zu wollen", natürlich vorbehaltlich einer Genehmigung durch die Politik und Gesundheitsbehörden.

Zündstoff bietet aber vor allem der Hinweis, "dass etwaige, mit einem selbst gewählten Abbruch der Saison verbundene Zahlungsverpflichtungen des DFB in Bezug auf Schadenersatz und Regress von den Vereinen der 3. Liga getragen würden."

Für DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius müsse angesichts der Blockadehaltung einiger Klubs "auch die Frage erlaubt sein: Kann man nicht oder will man nicht?" Von acht Klubs, die sich gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ausgesprochen haben, sind sieben abstiegsbedroht. Natürlich wird prompt spekuliert, ob sie den Saisonabbruch provozieren und sich den Klassenerhalt am Grünen Tisch sichern wollen.

© BR

Friedrich Curtius, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), über die derzeitige Situation in der 3. Liga aus Verbandssicht. Der DFB will die Saison fortsetzen, einige Vereine stemmen sich aus verschiedenen Gründen dagegen.

DFB-Vize Frymuth: "Lösungsorientiert denken"

Peter Frymuth, zuständiger DFB-Vizepräsident für die 3. Liga, appellierte, "rein lösungsorientiert zu denken und nicht problemorientiert. Die Beurteilung, was gesundheitlich in welchem Rahmen vertretbar und sinnvoll ist, treffen die Experten. Und das sind in diesem Punkt weder der Verband noch die Vereine, sondern die Politik und die Gesundheitsbehörden."

Der DFB hofft auf ein zeitnahes Signal, ob es demnächst bundesweit in der 3. Liga weitergehen kann.

DFB-Vize Koch: "Ein unwürdiges Schauspiel"

Deutliche Worte für die Vereine, die sich einer Saisonfortsetzung entgegen stellen, fand Rainer Koch, ebenfalls DFB-Vizepräsident und Präsident des Bayerischen Fußballverbands (BFV): "Ein Teil der Vereine der 3. Liga spielt seit Wochen ein für den Fußball in Deutschland unwürdiges Schauspiel, bei dem die Landes- und Regionalverbände, die den DFB gemeinsam mit der DFL bilden, nur Zuschauer sind. Dies ist unerträglich und nicht länger hinzunehmen."

Gleichzeitig fordert Koch auch alternative Lösungsvorschläge von den Klubs. "All jene, die vehement einen Saisonabbruch verfolgen, müssen endlich Antworten liefern, was ihre konkreten Alternativen sind, und ob sie bereit sind, die Verantwortung für die gravierenden wirtschaftlichen und strukturellen Folgen zu übernehmen", so Koch in der DFB-Mitteilung.