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Dressurweltmeisterin Bredow-Werndl: "Ich hatte Selbstzweifel" | BR24

© picture-alliance/dpa

Jessica von Bredow-Werndl

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    Dressurweltmeisterin Bredow-Werndl: "Ich hatte Selbstzweifel"

    Jessica von Bredow-Werndl ist Dressur-Weltmeisterin und Europameisterin mit dem Team. Doch der Weg dahin war steinig. "Ich habe auch viele Jahre sehr, sehr, sehr viel Selbstzweifel gehabt", offenbarte sie im Instagram-Talk von BR24 Sport.

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    Mit gerade mal 34 Jahren hat Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl aus Aubenhausen schon fast alles erreicht. Sie ist Weltmeisterin und Europameisterin mit dem Team. Auch der erste große Einzeltitel dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

    Von Bredow-Werndl zählt auch im Einzel längst zu den Topreiterinnen. Vor der Corona-Pandemie war sie mit ihren Pferden Dalera auf Rang 4 und mit Zaire auf Rang 13 der Weltrangliste. Doch der Weg dahin war beschwerlich. Im Instagram-Talk von BR24 Sport berichtete die Dressurreiterin im Gespräch mit BR-Sportreporterin Julia Büchler von den Zweifeln, die sie lange begleitet hatten.

    Selbstzweifel mit Anfang 20

    "Es ist nicht so, dass bei mir mal alles nur Friede, Freude, Eierkuchen war die letzten Jahre", sagte von Bredow-Werndl: "Ich habe auch viele Jahre sehr, sehr, sehr viel Selbstzweifel gehabt und überlegt mit dem Reiten aufzuhören. Ich war chronisch unerfolgreich über viele Jahre."

    Der Wendepunkt kam dann Anfang 20. "Ich hatte dann einfach das Glück, mich mit den richtigen Menschen austauschen zu dürfen und habe auch einen tollen Coach kennengelernt, der mir die richtigen Fragen gestellt hat", erinnert sich die heutige Welt- und Europameisterin.

    Damals habe sie begonnen, sich viel mit Selbstreflexion auseinanderzusetzen. "Ich habe mich einfach unheimlich viel mit dem Thema beschäftigt, also mit dem Thema Jessica beschäftigt. Warum und weshalb und was man auch alles so in der Kindheit erlebt hat, es dann auch wieder zu verarbeiten und für sich positiv zu nutzen. Das ist eine lange Reise, die ich jetzt schon gegangen bin, aber die nie aufhören wird."

    Und diese "Reise" soll noch lange nicht zu Ende sein. Jessica von Bredow-Werndl glaubt, dass sie sich reiterisch sogar noch steigern kann: "So viel kann ich sagen, es fühlt sich nicht so an, als wäre es schon das Limit gewesen. Also ich habe das Gefühl, da geht noch was."

    Keine Enttäuschung wegen Olympia-Verschiebung

    Dabei ist die 34-Jährige eigentlich gar nicht nur auf den Profisport fixiert. 2016 verpasste sie die Olympischen Spiele und damit eine mögliche Goldmedaille, weil sie nicht zum Top-vier-Team gehörte. "Ich habe dann relativ schnell gemerkt, dass sich das Wichtigste in meinem Leben ja gar nicht verändert. Ich darf immer noch das tun, was ich liebe. Und ich habe immer noch meine Familie, die mich liebt", sagt von Bredow-Werndl.

    Entsprechend entspannt hat sie auch die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio aufs kommende Jahr wahrgenommen. "Erfolg ist toll, und der Erfolg und die Turniere, die machen unheimlich viel Spaß", sagt sie: "Aber ich identifiziere mich nicht über diesen, und deswegen war es wahrscheinlich auch nicht so schlimm, auch wenn ich hoffe, dass Tokio stattfindet."

    "Ich verliebe mich sehr oft und sehr gerne"

    Jessica von Bredow-Werndls Lebensinhalt sind, neben Ehemann Max, ihre Pferde. Wenn sie da ins Schwärmen gerät, merkt man, warum sie zwar sportlich erfolgreich ist, der Sport aber eben nicht die Nummer eins ist.

    "Ja, ich verliebe mich sehr oft und sehr gerne. Ich liebe einfach Tiere, und mir macht es so unheimlich viel Spaß mit denen Zeit zu verbringen. Und jedes Pferd ist auf seine Art irgendwie etwas Besonderes und jedes Pferd ist anders", erklärt sie.

    Jessica von Bredow-Werndl - die Pferdeversteherin

    Die Faszination: Jedes Pferd habe seinen eigenen Charakter. Zu jedem Pferd einen eigenen Zugang zu finden, das sei die Herausforderung in ihrem Beruf: "Es ist auch nicht immer leicht und es klingt immer alles so klischeehaft und so einfach und so schön. Aber es ist schon auch Kopfzerbrechen dabei - wenn man einfach gerne dem Pferd was schneller erklären möchte oder es ihm noch leichter machen will, aber man noch nicht den richtigen Weg gefunden hat. Ich mache mir schon sehr, sehr viele Gedanken und versuche einfach, die Pferde zu verstehen."