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Dopingprozess: Trainer räumt Lieferung von Dopingmitteln ein | BR24

© picture-alliance/dpa

Blick in den Gerichtssaal

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    Dopingprozess: Trainer räumt Lieferung von Dopingmitteln ein

    Am zwölften Verhandlungstag im Münchner Dopingprozess gegen den früheren Sportarzt Mark Schmidt hat ein Zeuge aus Kroatien ein düsteres Bild des Sports gemalt. Er habe dem Mediziner auch Substanzen geliefert, die noch nicht zugelassen waren.

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    Von
    • Sebastian Krause
    • BR24 Sport

    Dario Nemec, ein kroatischer Lauftrainer, spielte offensichtlich eine wichtige Rolle im Doping-Netzwerk der "Operation Aderlass". Er sagte aus, dass der Spitzensport in Wirklichkeit anders sei, als ihn viele Menschen kennen. Die Leute würden eine schöne Show sehen, aber hinter der Bühne werde gedopt, würden Geschäfte gemacht. Man brauche adäquates Werkzeug, um an der Spitze mithalten zu können, so Nemec, und man müsse sich mit Dosierungen auskennen, um bei den Doping-Kontrollen nicht aufzufliegen.

    Einige Medikamente waren noch nicht zugelassen

    Dieses Know-How habe der Kroate gehabt. Der Zeuge sagte weiter aus, dass er den Arzt aus Thüringen entweder 2013 oder 2014 kennengelernt habe. In den Jahren danach habe er Mark Schmidt mit Insider-Informationen und Dopingsubstanzen versorgt, ihn mit zwei Sportlern bekannt gemacht und an dem geständigen Doper Johannes Dürr aus Österreich dreimal Blutabnahmen- oder Zufuhren durchgeführt. Er habe auch Substanzen geliefert, die als Medikament noch gar nicht zugelassen waren. Namen von Sportlern, die damit behandelt wurden, nannte Nemec nicht.

    Auf manche Fragen antwortete der Zeuge gar nicht, weil er sich oder Angehörige belasten könnte. In Österreich läuft gegen ihn selbst ein Ermittlungsverfahren. Weil er dort offenbar umfassend ausgesagt hat, ist er derzeit auf freiem Fuß.

    Vorwurf: Jahrelanges Blutdoping

    Mark S. und vier Mitangeklagten wird jahrelanges Blutdoping vorgeworfen. Der Arzt war nach Aussagen der Beteiligten der Organisator des Dopings. Der ursprünglich bis Weihnachten geplante Prozess dürfte verlängert werden: Am Dienstag hatte das Landgericht München II 16 weitere Verhandlungstermine bis Juni 2021 angekündigt.